Opel-Aufsichtsrat Einenkel: "Bochum ist effizienter als Rüsselsheim"

Opel-Aufsichtsrat Einenkel: "Bochum ist effizienter als Rüsselsheim"

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Rainer Einenkel, 55, ist Betriebsratsvorsitzender des Opel-Werks in Bochum und Mitglied im Opel-Aufsichtsrat

von Martin Seiwert

Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel über die Verteilung der Sanierungslasten bei Opel, den Kostenvergleich mit anderen Werken und eine mögliche Klage in Brüssel gegen Österreich wegen umstrittener Subventionen.

WirtschaftsWoche: Herr Einenkel, General Motors will deutlich weniger Stellen im Opel-Werk Bochum abbauen, als der österreichisch-kanadische Autozulieferer Magna in seinem gescheiterten Übernahmeangebot geplant hatte. Sind Sie als Betriebsratschef des Bochumer Opel-Werks jetzt glücklich?

Rainer Einwinkel: Glücklich kann man nicht sein, wenn in Bochum 1800 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen. Aber wir hatten noch andere Zahlen im Kopf. Die gingen von einer möglichen Stilllegung des Werkes bis hin zu 2500 Arbeitsplätzen, die Magna und General Motors in Bochum streichen wollten. Da ist eine Zahl natürlich gut, die deutlich darunter liegt. Wichtig ist jetzt, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen gibt.

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Wie sollen 1800 Arbeitsplätze ohne betriebsbedingte Kündigungen wegfallen?

Es müssen ja nicht 1800 Arbeitsplätze sein. Wir werden nun andere Vorschläge erarbeiten, zum Beispiel Insourcing.

Magna wollte die aktuelle Verteilung der Produktion des Opel Zafira auf das Werk im polnischen Werk Gliwice und Bochum beenden. Bochum sollte der alleinige Fertigungsort werden. Wird das auch unter GM so sein?

Es gibt eine ganz klare Ansage von GM-Europe-Chef Nick Reilly: Bochum soll der einzige Zafira-Produktionsstandort in Europa werden. Das bestätigt den hohen Stellenwert, den das Werk Bochum für Opel hat. Denn der Zafira ist eines der wichtigsten Modelle in der Modellpalette von Opel.

Woher kommt die Vorliebe von GM für Bochum auf einmal? Bisher galt das Werk doch als eines der schwächsten von Opel.

In Berichten wurde Bochum immer als eines der schlechtesten Werke bezeichnet. Aber das stimmt nicht. Ich kenne die Vergleichszahlen: Bei den Kosten pro Auto sind wir nicht die schlechtesten in Europa, im Gegenteil. Es stimmt zwar, dass wir im Vergleich mit Gliwice bei den Kosten chancenlos sind. Aber wenn man Bochum mit Werken in West- und Südeuropa vergleicht, sind wir in den Vergleichswerten noch immer die besseren – und das ist immer schon so gewesen.

Hand aufs Herz, wie viel effizienter ist Bochum denn als andere Werke?

Die Zahlen sprechen einfach für Bochum. Die belgische Regierung hat vor Monaten zwar behauptet, das Opel-Werk in Antwerpen sei um bis zu 300 Euro pro Auto kostengünstiger als Bochum. In den mir vorliegenden Informationen ist aber Bochum mit rund 200 Euro pro Auto günstiger. Das meinte wahrscheinlich GM-Chef Fritz Henderson, als er öffentlich erklärte, Antwerpen sei nicht günstiger als Bochum. Die deutsche Bundesregierung hat gesagt, dass Bochum rund 70 Dollar pro Auto günstiger produziere als die Belgier. Auch das spricht eindeutig für uns. Ähnliches gilt für den Vergleich mit anderen Werken. Da brauchen wir uns nicht zu verstecken.

Und wer ist in Deutschland effizienter, Bochum oder das Stammwerk Rüsselsheim?

Bochum. Nach den Zahlen, die uns vom Unternehmen vorgelegt wurden, benötigt Rüsselsheim von allen deutschen Werken die höchste Zeit, um ein Auto zusammenzuschrauben. Bochum hat momentan zwischen 27 und 28 Stunden Fertigungszeit pro Auto, das ist ein sehr guter Wert.

Vergleichen Sie da nicht Äpfel mit Birnen? In Bochum wird der Kleinwagen Astra, in Rüsselsheim das Mittelklassemodell Insignia gebaut.

Die Produktionszeiten eines kleineren Wagens sind natürlich kürzer. Zudem hängen die Werte auch mit der Auslastung zusammen: Je stärker ein Werk ausgelastet werden kann, desto geringer ist die Fertigungszeit pro Auto. Wir gehen davon aus, dass in den nächsten Monaten der Insignia-Verkauf deutlich anzieht und sich auch die Auslastung und die Fertigungszeit in Rüsselsheim verbessern. Trotzdem wird sie nie an die Fertigungszeit von Bochum oder Eisenach herankommen, weil wir die kleineren Autos bauen.

Haben Ihre Rüsselsheimer Kollegen Sie in Bochum vielleicht absichtlich schlechter dargestellt?

Das kann ich mir überhaupt nicht vorstellen. Richtig ist allerdings, dass Rüsselsheim Auslastungsprobleme hat, weil dort nicht wie gedacht der neue Saab gefertigt werden kann. Deshalb braucht Rüsselsheim dringend Ersatz und hat bestimmt auch schon mal darüber diskutiert, den neuen Astra zu produzieren.

Das ist jetzt vom Tisch?

Ich habe den Kollegen in Rüsselsheim gegenüber deutlich gemacht, dass wir auf bestehende Verträge achten werden. Demnach muss der Astra, wenn er in Deutschland gebaut wird, zuerst in Bochum gebaut werden. Von Magna hatte Rüsselsheim die Zusage für den Astra: Der sollte aus England abgezogen werden. Doch das ist jetzt Makulatur.

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