Opel-Chef Nick Reilly: "Gewinne wären die beste Werbung für die Marke Opel"

Opel-Chef Nick Reilly: "Gewinne wären die beste Werbung für die Marke Opel"

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Nick Reilly

von Franz W. Rother

Opel-Chef Nick Reilly über den Börsengang der Konzernmutter General Motors, über die Restrukturierungskosten und die Folgen der Image-Probleme von Opel in Deutschland.

WirtschaftsWoche: Herr Reilly, die Opel-Konzernmutter General Motors, kurz: GM, ist nun wieder ein börsennotiertes Unternehmen. Sind Sie zufrieden?

Reilly: Ein Insolvenzverfahren ist kein angenehmes Erlebnis, doch in den USA mussten wir da durch. Das liegt nun hinter uns. Der Ausgabepreis von 33 Dollar ist vielversprechend. Er liegt ein wenig höher als die Berater erwartet hatten. Wir glauben, dass GM das wert ist, und eine Menge Investoren denkt genauso.

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Wundert Sie das nicht? Bei GM läuft doch längst nicht alles rund.

Auf dem US-Markt hat GM den Turnaround geschafft. Mit den vier Marken Buick, Cadillac, Chevrolet und GMC haben wir nun einen höheren Marktanteil als zuvor mit acht Marken. Der durchschnittliche Verkaufspreis liegt deutlich höher als zuvor. Deshalb hat GM in den USA in den vergangenen drei Quartalen beachtliche Gewinne erzielt. Auch im Rest der Welt ist GM erfolgreich: In China sind wir Nummer eins, in Lateinamerika entwickeln sich die GM-Verkäufe ebenfalls sehr positiv.

In Europa tut sich Ihre Konzernmutter doch weiterhin extrem schwer. Während die Wettbewerber glänzen, schrieb Opel in den ersten neun Monaten 1,2 Milliarden Dollar, umgerechnet fast eine Milliarde Euro, Verlust. Was machen Sie da falsch?

Auf unserer Roadshow vor Investoren gab es eine Menge Fragen zum Europa-Geschäft von GM. Bei der Restrukturierung liegen wir ungefähr ein Jahr hinter unserer US-Entwicklung zurück. Aber wir tun hier ziemlich genau das gleiche: Wir verringern unsere Kapazitäten, indem wir zum Beispiel das Werk Antwerpen schließen, und senken Kosten, auch unter Beteiligung unserer Mitarbeiter. Das soll die Schwelle senken, von der an Opel und Vauxhall wieder Gewinne machen.

Wann wird das Ihrer Ansicht nach endlich der Fall sein?

Wir arbeiten hart daran, Opel profitabel zu machen. Unserem Plan zufolge sollten wir 2012 wieder in die Gewinnzone kommen, wenn die Effekte der Restrukturierung voll durchschlagen und sich der Markt ein wenig erholt. Aber ich glaube, dass wir der Gewinnzone bereits 2011 ziemlich nahe kommen können – vor Restrukturierungskosten allerdings.

Wie hoch sind die Kosten für diese Rosskur?

In diesem Jahr werden uns die diversen Restrukturierungsmaßnahmen mit ungefähr einer Milliarde Euro belasten, im nächsten Jahr werden es noch einmal rund 500 Millionen Euro sein.

Steigt durch den Börsengang von GM der Druck, schneller Gewinn zu machen? Betriebsratschef Klaus Franz erwartet das.

Wir arbeiten schon seit einem Jahr mit beträchtlichem Druck daran, unsere Profitabilität zu verbessern. Gewinne wären auch für die einfachste und beste Werbung für die Marke. Wir sind hochmotiviert und -konzentriert, um möglichst schnell in die Gewinnzone zurückzukehren. Sollten wir das schon 2011 schaffen, wäre das sehr positiv.

Warum beschleunigen Sie die Restrukturierung nicht einfach, um schnelle Gewinne zu erzielen?

Es wäre fein, wenn man im Leben alles auf einmal machen könnte. Aber es ist nicht immer machbar oder ratsam. Nehmen Sie Bochum als Beispiel. Dort haben wir ein Getriebewerk, das eigentlich schließen sollte. Nun haben wir aber deutlich mehr Aufträge für Exporte und halten es deshalb länger offen als geplant. Das tut uns finanziell gut, verzögert aber die Restrukturierung etwas. Das gleiche Problem haben wir in Spanien. Wir haben dort nur 750 statt 900 Arbeitsplätze abgebaut, weil die Nachfrage für den Meriva stark gewachsen ist. Trotzdem sind wir alles in allem bei der Restrukturierung des Europageschäfts im Plan.

In den USA hat GM deutlich entschlossener Kapazitäten abgebaut als in Europa. Müssen Sie nachbessern und vielleicht noch weitere Werke schließen?

Nein. In Europa müssen wir nicht weitergehen, als wir es bisher angekündigt haben. GM ging in seinem Heimatmarkt durch eine Insolvenz, in Europa mussten wir alle Einschnitte mit den Arbeitnehmervertretern verhandeln. Unseren Prognosen zufolge, und das sind sehr konservative Voraussagen, werden wir die europäischen Werke im Jahr 2012 zu über 100 Prozent auslasten, wenn wir sie im Zweischicht-Betrieb fahren. Im Dreischicht-Betrieb sind es rund 80 Prozent Auslastung. Das ist deutlich besser als der europäische Durchschnitt und gibt uns noch Reserven, wenn die Nachfrage ansteigen sollte.

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