Opel: Magnas geheimer Fünf-Jahres-Plan für Opel

Opel: Magnas geheimer Fünf-Jahres-Plan für Opel

Bild vergrößern

Magna-Gründer Frank Stronach hat weiterhin gute Karten im Opel-Poker

Der geheime Geschäftsplan zeigt bis ins Kleinste, wie Magna Opel sanieren will. Die US-Konzernmutter General Motors gerät immer mehr unter Zugzwang.

John Smith hat sich Ungewöhnliches einfallen lassen. Im Streit um den Verkauf seiner Europa-Tochter Opel ging der Chefunterhändler des US-Autobauers General Motors (GM) unter die Blogger und lässt die Öffentlichkeit nun im GM-Internet-Tagebuch "Driving Conversations" an seinen Gedanken teilhaben.

So wühlte er Anfang der Woche die Gemüter in Deutschland zunächst mit Vorbehalten gegen das Angebot des kanadisch-österreichischen Autozulieferers Magna für Opel auf: Die Offerte enthalte "Elemente rund um geistige Eigentumsrechte und unser Russlandgeschäft", die GM "einfach so nicht ausführen könnte". Der Plan des Finanzinvestors RHJI für Opel sei hingegen vollständig ausgehandelt. Wenige Sätze später gab er sich plötzlich wieder versöhnlich. GM, schwächte er seine Attacke gegen Magna allerdings ab, "bleibe weiterhin vollständig offen für eine zufriedenstellende Lösung mit jedem der beiden Bieter".

Anzeige

So verzwickt der Poker um Opel mittlerweile scheint, so sicher ist, dass Magna trotz Smiths Gedanken im Internet weiterhin gut im Rennen liegt. Denn der Autozulieferer des nach Kanada ausgewanderten Österreichers Frank Stronach besitzt etwas, das sein Konkurrent RHJI nicht hat: die Unterstützung eines Großteils der deutschen Politiker. Denn nur bei Magna kann sich GM sicher sein, die benötigten milliardenschweren Staatshilfen aus Deutschland zu erhalten. Dass Berlin einem in Germany als "Heuschrecke" geschmähten Investor wie RHJI Geld überweist, weiß auch Smith, ist so gut wie ausgeschlossen.

Magnas neue Pläne

Bis zum Beginn der Board-Sitzung von GM am 3. August an liefen noch Dutzende Gespräche auf allen Ebenen. Kanzlerin Merkels Wirtschaftsberater Jens Weidmann traf in Washington den Autozaren Ron Bloom, Wirtschaftsstaatssekretär Jochen Homann telefonierte mit seinem Gegenpart im US-Finanzministerium. Auch die deutschen Ministerpräsidenten bearbeiteten US-Politiker und GM-Führung weiter.

"In den Gesprächen mit GM ist der Ton jetzt etwas rustikaler geworden", sagt Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU). "Aber nun ist die deutsche Position dort auch verstanden worden. Vielleicht haben wir anfangs nicht ausreichend klar gesagt, wie ernst es uns ist." Man habe viel Mühe darauf verwenden müssen zu erklären, "dass es in Deutschland für einen Einstieg von RHJI keinen Konsens zur Finanzierung geben wird".

Denn wenn RHJI ein Konzept für Opel besitzt, so hat Magna erst recht eines: nämlich einen vollständigen Fahrplan, der detailliert die Sanierungsschritte und das erhoffte Geschäft von Opel in den kommenden fünf Jahren darlegt. Das 25-seitige Papier, das der WirtschaftsWoche vorliegt, ging am 17. Juli an die Bundesregierung. Sein Inhalt weicht teilweise gravierend von den Veröffentlichungen der vergangenen Wochen über die Absichten der Austrokanadier und ihres russischen Partners, der Moskauer Sberbank, ab.

Harte Sparmaßnahmen außerhalb Deutschlands

Geheimer Fünf-Jahres-Plan von Magna für Opel: Ab 2011 schwarze Zahlen

Geheimer Fünf-Jahres-Plan von Magna für Opel: Ab 2011 schwarze Zahlen

Personalabbau Den in Berlin präsentierten Unterlagen zufolge will Magna ein Fünftel der Opel-Jobs, insgesamt 10 560 Stellen, streichen. Das sind fast 1000 Stellen weniger als noch vor einigen Wochen kolportiert. Die 25.000 deutschen Mitarbeiter trifft es prozentuell etwas weniger hart als ihre ausländischen Kollegen: In Deutschland müssen 3045 Opelaner gehen, der Großteil davon in Bochum. Im Stammwerk Rüsselsheim wird 2010 weiterhin Kurzarbeit gefahren, in Eisenach hingegen sollen alle Stellen erhalten bleiben.

Darin unterscheidet sich das Magna-Angebot grundlegend von dem RHJI-Konzept, das der WirtschaftsWoche ebenfalls vorliegt. Denn der Finanzinvestor will das Werk Eisenach bis Mitte 2010 stilllegen und erst wieder Anfang 2012 anfahren.

Dafür setzt Magna außerhalb Deutschlands den Rotstift kräftig an. Die Fabrik im belgischen Antwerpen mit 2321 Mitarbeitern will man bereits im März 2010 dichtmachen. Im Vauxhall-Werk im britischen Luton läuft 2013 der letzte Vivaro-Transporter der alten Generation vom Band – danach ist der Traditionsbetrieb Geschichte. Bisher hieß es, Luton stehe auf der Kippe.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%