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Opel-Rettung: Fünf Gründe, die für Magna sprechen

von Martin Seiwert

So schön hat Fiat-Chef Sergio Marchionne in Deutschland für seine Vision eines Fiat-Opel-Chrysler-Konzerns geworben: Ganz bodenständig, mit Pulli statt Blazer und Plastiktüte statt Aktenkoffer, vor allem aber mit unermüdlichem Eifer.

Verkehrsschild am Quelle: REUTERS
Verkehrsschild am Opel-Standort Rüsselsheim Quelle: REUTERS

Tagelang tourte der Italo-Kanadier quer durch die Republik, saß mit Ministern und Ministerpräsidenten, mit Gewerkschaftern und Opelanern zusammen, um seine Sicht der Dinge zu erklären und Vorbehalte gegen italienische Verhältnisse in Rüsselsheim, Bochum, Eisenach und Kaiserslautern zu zerstreuen.

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Doch kaum lagen die Konzepte der drei Interessenten Fiat, Magna und Ripplewood am Mittwochabend auf dem Tisch, schien der Zulieferer Magna die Nase vorn zu haben. Die Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU) und Kurt Beck (SPD), die IG Metall, die Opel-Betriebsräte - sie alle wollen Magna. Angeblich steht Magna auch beim Opel-Mutter-Konzern General Motors (GM) ganz oben auf der Wunschliste. Und nun sickert aus Kreisen der Bundesregierung durch, dass die Würfel auch hier gefallen seien, und zwar zugunsten von Magna.

Was mit Opel passiert, wird in Detroit entschieden

Verwunderlich ist das nicht. Die Fiat-Pläne sehen dem Vernehmen nach mehr Stellenstreichungen vor als das Magna-Konzept. Weil die Branche mit gewaltigen Überkapazitäten kämpft, wären harte Einschnitte à la Marchionne zwar die sinnvollere Variante. Doch GM muss das noch lange nicht überzeugen. Für den angeschlagenen Auto-Riesen zählen ganz andere Argumente - und nur was den Opel-Eigentümer überzeugt, ist am Ende entscheidend. Was mit Opel passiert, wird nicht in Berlin oder Rüsselsheim entschieden, sondern im GM-Headquarter in Detroit.

Fünf Gründe, die für Magna sprechen

Magna hat für seine Opel-Pläne starke Trümpfe in der Hand:

Vertrauen: Das GM-Management traut Marchionne nicht mehr so recht über den Weg. Weil eine Zusammenarbeit zwischen Fiat und GM 2005 platze, mussten die Amerikaner eine Milliardensumme als Schadenersatz nach Turin überweisen. Zwischen Magna und GM stimmt dagegen die Chemie. Magna ist seit Jahrzehnten einer der wichtigsten GM-Zulieferer.

Synergien: Im Magna-Konzept bliebe GM mit rund 50 Prozent an Opel beteiligt. Das kommt den Amerikanern entgegen. Spätestens seit US-Präsident Barack Obama strengere Umweltauflagen für Autos verkündet hat, braucht GM das Know-how der Opelaner für sparsame Autos. Auch beim Elektroauto, in dem GM seine Zukunft sieht, sind die Amerikaner stark auf die deutschen Entwicklungskapazitäten angewiesen. Nur zusammen im Verbund mit Opel kann GM auch weiterhin gemeinsame Fahrzeugplattformen nutzen. Das alles passt nicht zum Fiat-Konzept, bei dem die Italiener 80 Prozent an Opel halten würden und GM fast vollständig aus dem Konzern herausdrängt wäre.

Märkte: Fiat-Chef Marchionnne will einen Weltkonzern bauen. Dazu braucht er eine starke Präsenz in den Wachstumsmärkten Südamerika und Asien. Doch dort ist Fiat bislang nur schwach vertreten und verhandelt deshalb über einen Einstieg bei Chrysler. Doch dieses Szenario kann GM nur wenig begeistern: Warum sollte GM sein europäisches Geschäft an Fiat verkaufen, wenn die Italiener genau damit GM auf den Wachstumsmärkten angreifen könnte? Viel besser wäre es für GM, der große heimische Wettbewerber Chrysler käme nicht auf die Beine und würde als Konkurrent in den USA, aber auch in Südamerika und Asien ausfallen.

Staatshilfe: GM will sich die Rettung von Opel vom deutschen Steuerzahler finanzieren lassen. Kommen Milliarden aus Berlin sowie weitere Unterstützung von Magna und russischen Investoren, könnte Opel in einigen Jahren sogar wieder Gewinn abwerfen. Und weil Magna wenige Stellen in Deutschland streichen und alle Opel-Standorte erhalten will, hat das Unternehmen im Bieterrennen wohl die besten Karten bei der deutschen Bundesregierung. Allein das macht Magna für GM zum Partner der Wahl.

Strukturen: Die gescheiterte Übernahme von Chrysler durch Daimler hat gezeigt: Ein Zusammenschluss unterschiedlicher Autokonzerne ist auf jeden Fall ein langer und steiniger Weg. Das Risiko ist groß, dass der Weg im Desaster endet. Dieses Schicksal droht auch dem komplizierte Geflecht Fiat-Chrysler-Opel. Beim Magna-Konzept dagegen bleibt die enge Anbindung von Opel an GM, ansonsten ist Opel relativ frei in seinen Entscheidungen. Statt sich jahrelang mit einer Fusion selbst zu lähmen, könnte Opel in schlankeren Stukturen relativ schnell wieder durchstarten.

9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 26.05.2009, 11:03 UhrAnonymer Benutzer: erm67

    "Dazu braucht er eine starke Präsenz in den Wachstumsmärkten Südamerika und Asien. Doch dort ist Fiat bislang nur schwach vertreten und verhandelt deshalb über einen Einstieg bei Chrysler."

    Das ist total falsch weil Fiat brasilien ist der grosste autoverkaufer in sudamerika. Eine einfache google suche kann das zeigen.

  • 24.05.2009, 19:04 UhrAnonymer Benutzer: auto nome

    es ist doch ein Unding, wie hier wieder alles miteinander verquickt wird: freie Marktwirtschaft, Staatsdirigismus, Subventionen ...
    am Ende kann dann doch der Staat entscheiden, auf dem Umweg über zu gewährende oder nicht zu gewährende Subventionen.
    Entweder geht es um unternehmerisch nachhaltige Entscheidungen, oder um Wahlkampf. Die weltweiten Überkapazitäten werden durch Staatsgelder und Abwrackprämien auch nicht geringer.
    irgendwo müssen Fabriken schliessen und Arbeitsplätze abgebaut werden. in Deutschland genauso wie in USA, Kanada, Japan, Korea, Frankreich. Dem kann man sich nicht langfristig verschliessen. in den neu entstehenden Wachstumsmärkten sollten dagegen eher keine Stellen abgebaut werden, das wäre geradezu absurd, da sie über die neuesten Produktionsstätten, billige Arbeitskräfte und eben den Markt der Zukunft vor Ort haben.
    Freie und soziale Marktwirtschaft und auch der Fortschritt leben von der Auslese, so dass nicht mehr zeitgerechte und im Wettbewerb chancenlose Unternehmen sich entweder umorientieren, umstrukturieren oder schliessen müssen. Wegen weiterer Automatisierungen werden sowieso weitere Stellen wegfallen, das ist wohl unvermeidlich. Andere Jobs werden neu entstehen.

  • 23.05.2009, 22:58 UhrAnonymer Benutzer: vowo

    Mich stört, dass Magna als kanadisch-österreichisch benannt wird obgleich es unter russischer Herrschaft steht. bedenklich, dass lautstark für Magna getrommelt wird und zwar um so lauter, je näher sie politisch dem Ex-Kanzler Schröder stehen, der mittlerweile die interessen des russ. Grosskapitals vertritt (welches sich KGb-nah akkumuliert). Magna ist übrigens jener Zulieferer, dessen Produkte bei werthaltigen Kfz gern durch solche von bosch ersetzt werden.

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