Opel-Rettung: Im Auftrag des Kreml

Opel-Rettung: Im Auftrag des Kreml

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Frank Stronach, der Vorsitzende von Magna International Inc.

Der Weg für einen Einstieg von Magna bei Opel ist frei. Darauf einigten sich General Motors und der kanadische Autozulieferer. Doch mit Magna soll auch die russische Sberbank einsteigen - was will der Kreml?

Die 25.000 Opel-Beschäftigten in Deutschland können erst einmal aufatmen: Bund, Länder sowie der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM), der Investor Magna und das US-Finanzministerium haben sich in der Nacht zum Samstag in Berlin auf ein Rettungskonzept verständigt. Damit ist der Weg frei für den dringend benötigten Überbrückungskredit an Opel und das lange umstrittene Treuhand-Modell. 

Doch Magna kann sich nur 20 Prozent der Opel-Anteile leisten. 35 Prozent des Autobauers soll die russische Sberbank bekommen. Die wird vom Kreml kontrolliert und finanziert, Bankchef German Gref gilt als enger Vertrauter von Premierminister Wladimir Putin. Der Deal ist politisch gewollt – doch was wollen die Russen wirklich?

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Als der vormalige russische Wirtschaftsminister German Gref, 45, im November 2007 zum Direktor der staatlichen Sberbank degradiert wurde, soll er sich bitter beschwert haben: Auf der Vorstandsetage gebe es keinen Swimmingpool und auf dem Dach der russischen Sparkasse fehle der Landeplatz für Helikopter. In seiner Rede zum Einstand bei der größten Bank Osteuropas versprach er sodann, den „Elefanten zum Tanzen“ und die Auslandsexpansion voran zu bringen. Schon damals war klar: Dieser Mann will noch einmal hoch hinaus.

Reichlich überraschend hat er am Freitag ein Etappenziel erreicht: General Motors einigt sich mit Magna über einen Einstieg bei Opel. Dem kanadischen Zulieferer traut auch die Bundesregierung am ehesten zu, den Rüsselsheimer Autobauer zukunftsfest zu machen. Und der Sberbank? Die möge den Deal als Finanzinvestition betrachten und den Magna-Leuten das Lenkrad überlassen.

Russland bald Europas größter PKW-Markt

Es ist unwahrscheinlich, dass German Gref sich daran hält. Russlands Sparkassendirektor ist nicht nur als äußerst ehrgeizig, sondern auch bestens politisch verdrahtet. In den Neunzigern saß er als Jura-Student in den gleichen Hörsälen der Petersburger Universität wie der heutige Premierminister Wladimir Putin, zu dem er nach wie vor einen engen Kontakt pflegt. Beobachter zweifeln nicht daran, dass der Opel-Einstieg in den Höhen der Moskauer Politik eingefädelt wurde.

Die russische Industrie muss auf Weltmarktniveau gebracht werden – das ist der wirtschaftspolitische Marschbefehl, den Premier Putin und sein einstiger Minister German Gref ausgegeben haben. Dazu braucht das Land eine konkurrenzfähige Autoindustrie, zumal Russland wohl bald nach der Krise Europas größter PKW-Markt sein wird. Lada-Hersteller Awtowas, der einzige ernsthafte Wettbewerber am Markt, war zwar mit mehr 650.000 verkauften Fahrzeugen auch 2008 der mit Abstand größte russische Autobauer. Doch der Renault-Partner ist ineffizient, unproduktiv und baut Modelle weit unter dem Weltniveau. Folglich verliert Awtowas seit Anfang der Neunziger ständig Marktanteile an ausländische Hersteller, die zunehmend vor Ort fertigen.

Auf Seite zwei lesen Sie, in welches Autowerk Russland seine Hoffungen setzt.

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