Opel-Sanierung: Trotz Reue hat GM wenig Chancen auf Staatshilfen

Opel-Sanierung: Trotz Reue hat GM wenig Chancen auf Staatshilfen

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Der GM-Vorsitzende Fritz Henderson im Opel Werk in Rüsselsheim: Opel soll mehr Eigenständigkeit erhalten

GM-Chef Fritz Henderson gab sich in Rüsselsheim sanftmütig und entschuldigte sich für das Vorgehen beim geplatzen Opel-Verkauf. Nun geht es um mögliche Staatshilfen - eine harte Nuss für den US-Autobauer. Zudem muss GM auch seine Fast-Partner Magna und Sberbank besänftigen.

Für Fritz Henderson war es ein ungewohnter Canossa-Gang: Zwei Tage gab der sonst als harter Sanierer bekannte Chef des US-Autoriesen General Motors in Rüsselsheim den Reumütigen.

Nur sechs Tage nach dem überraschenden Absage des Opel-Verkaufs war Henderson in die Zentrale seiner Tochter Opel geeilt, um sich ein Bild von der Lage zu machen - und die aufgebrachten Gemüter der Opelaner zu beruhigen. Ausdrücklich entschuldigte er sich für das chaotische Vorgehen seitens GM: „Das bedauern wir zutiefst“, sagte Henderson in den "ARD" über den chaotischen Verlauf des geplanten, letztlich aber geplatzen, Verkaufs der GM-Tochter Opel an den Autozulieferer Magna und die russische Sberbank. „Es war nicht die Absicht, jemanden zu überraschen…obwohl wir das doch getan haben.“

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Gegenüber den Opel-Mitarbeitern gab sich Manager ganz sanft: Er nahm die Drohung, Opel beim Ausbleib von Staatshilfen in die Insolvenz zu führen, zurück. Henderson versprach zudem, Opel künftig operativ unabhängiger von den Entscheidungen der GM-Zentrale in Detroit zu machen. Und er will die Mitarbeiter und Regierungen in die Sanierungspläne einbeziehen. Ob Opel in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wird, wie es die Arbeitnehmerseite fordert, ließ er allerdings offen.

Sberbank und Magna wollen Entschädigung

Der Autozulieferer Magna, einst Favorit im Rennen um den Opel-Verkauf, lässt sich oberflächlich nichts anmerken: Berichten zufolge steht er GM weiterhin als industrieller Partner zur Verfügung. Es seien „verschiedene Ebenen der Partnerschaft denkbar“, zitiert die Zeitung „Die Welt“ aus dem Unternehmensumfeld. So könnten GM und Magna bei der Entwicklung neuer Modelle zusammenarbeiten – entsprechende Signale von GM gebe es bereits. Beteiligen will sich Magna an Opel allerdings nicht mehr. Das Zuliefergeschäft und der Automobilbau sollen strikt getrennt bleiben.

Allerdings zeichnet sich ab, dass Magna von GM eine Entschädigung fordern könnte. Magna hat eine 600 Seiten starkes Vertragswerk ausgearbeitet, das detaillierte Pläne für die Opel-Sanierung enthält. Diese Blaupause könnten die Amerikaner nun nutzen – allerdings nicht kostenlos. Im Inforadio "Österreich 1" sagte Magna-Europa-Chef Siegfried Wolf: „Es war in der Tat eine große Summe, weil ja auch ein komplexes Thema zu lösen war.“ Die Aufwandsschätzungen für die Erarbeitung des Konzepts schwanken zwischen 50 und 120 Millionen Euro. Unklar ist, in welcher Form GM Magna entschädigen könnte. Neben Geld wäre auch ein Ausgleich in Form zusätzlicher Aufträge denkbar.

Die russische Sberbank schloss indes Rechtsmittel gegen GM nicht aus. "Wir verhandeln mit GM und hoffen, dass der Streit außergerichtlich beigelegt wird", sagte German Gref, Chef von Russlands größtem Geldhaus.  "Im Notfall werden wir unsere Position im Gericht verteidigen."

Harter Sanierer als Interims-Chef

Eines bekräftige Henderson nochmals: Bei Opel müssen europaweit rund 10.000 Stellen wegfallen, damit die Marke mit dem Blitz wieder profitabel wird. Dieser Job-Abbau entspricht ziemlich genau jener Größenordnung, die auch Magna in seinem Opel-Sanierungskonzept vorgesehen hatte. Bei Opel sollen rund 30 Prozent der Kosten einspart werden. Die Schließung von drei der neun europäuischen Standorte ist hingegen laut Henderson „nicht mehr aktuell“.

Die Einsparungen umsetzen soll zunächst ein Interims-Chef: Nick Reilly. Der Brite war bislang für das internationale GM-Geschäft verantwortlich und hat sich bei dem Autoriesen den Ruf eines knallharten Sanierer erarbeitet: Er krempelte die koreanische Tochter Daewoo um und zog in Großbritannien die Schließung des Werks Luton am Vauxhall-Stammsitz durch. Henderson sucht derweil außerhalb des Konzerns nach einem dauerhaften Chef für Opel. Gesucht wird ein Europäer mit Führungsstärke, der eine Portion „Abenteuerlust“ mitbringe und deutschsprachig sei.

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