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Opel: Zehn Gründe, warum sich der Staat bei Opel heraushalten sollte

von Martin Seiwert und Franz Rother

Opel und seine Mitarbeiter hoffen weiter auf eine Rettung, die Politik diskutiert seit Tagen über Staatshilfen. Doch es gibt zehn Gründe, warum es ehrlicher und sinnvoller ist, Opel nicht mit Steuermitteln zu päppeln.

Opel Astra beim Crashtest: Dem gesamten Unternehmen Opel geht es zur Zeit ähnlich Quelle: ADAC
Opel Astra beim Crashtest: Dem gesamten Unternehmen Opel geht es zur Zeit ähnlich Quelle: ADAC
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Opel spaltet die Nation. Ob der Staat den Autohersteller retten soll, entzweit Parteien, Bürger und Automanager. Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) kann sich Bürgschaften, Kredite und sogar eine Staatsbeteiligung vorstellen, sein baden-württembergischer Amtskollege und Parteifreund Günther Oettinger läuft dagegen Sturm. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking ist für eine staatliche Rettung, Volkswagen-Chef Martin Winterkorn ist dagegen.

Unstrittig ist: Der US-Mutterkonzern General Motors (GM) verbrennt derzeit jedes Quartal eine zweistellige Milliardensumme, auch die Tochter Opel schreibt tiefrote Zahlen. Kommen nicht bald Geldspritzen, sind beide bald pleite. Die Bundesregierung fürchtet Massenproteste wütender Opelaner vor der Bundestagswahl im kommenden Herbst.

Opel hat nur eine Chance: Wenn sich der Autobauer radikal verschlankt und attraktiv macht für einen privaten Investor oder einen starken Partner aus der Autoindustrie, können die Opelaner hoffen. Der Staat muss sich dagegen bei dem Traditionsunternehmen heraushalten. Dafür gibt es zehn gute Gründe.

1. Fass ohne Boden

Über drei Milliarden Euro möchte General Motors Europe von Deutschland und anderen europäischen Staaten haben. Drei weitere Milliarden sollen von General Motors (GM) kommen. Damit könne GM Europe aus dem Konzern gelöst werden und auf eigenen Beinen stehen, so steht es im Rettungskonzept von GM Europe-Chef Carl-Peter Forster. Experten sind jedoch mehr als skeptisch. „GM machte 2008 24 Milliarden Dollar Verlust, das ist der vierte Milliardenverlust in Folge“, sagt Autoanalyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. „Auch Opel macht nach unseren Schätzungen pro Jahr ein Minus von einer Milliarde Euro.“ Das Unternehmen habe zudem, „praktisch keine Finanzdecke“, die Produkte seien am Markt „nicht wirklich gefragt“, Konkurrenten aus dem Premiumsegment und Billiganbieter nähmen Opel „von oben und von unten in die Zange.“

Alles in allem, sagt Analyst Pieper, drohe Opel ein Fass ohne Boden zu werden, in dem die Subventionsmilliarden versickern. Und schlimmer noch: Hilft die Politik Opel, kann sie anderen Autobauern Milliarden-Hilfen nicht verweigern. „Wir würden dann womöglich auch bei der Regierung anklopfen“, sagt der Vorstand eines großen Opel-Wettbewerbers, „alleine schon um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. Es sollte nicht so sein, dass Opel durch die staatliche Förderung mit höheren Rabatten uns die Kunden abspenstig macht.“

Vor allem wenn GM sich unter Gläubigerschutz stellt, sieht es düster aus für die Deutschen. Bei dieser Form der Insolvenz kann das Geschäft weitergeführt und das Unternehmen umgebaut werden. Dann aber stünden GM Europe mit Sitz in Zürich und die Adam Opel GmbH in Rüsselsheim ziemlich nackt da. Nicht einmal auf die üblichen Vermögenswerte wie Fabriken, Grundstücke, Patente oder Markenrechte könnte Opel zurückgreifen. Sie wurden nach Einschätzung von Insidern durch GM bei der Kreditaufnahme weitgehend an Banken verpfändet. GM Europe wollte dies auf Anfrage nicht kommentieren.

2. Modelle nicht zukunftsfähig

Opel-Händler können sich wegen der Abwrackprämie vor Kunden kaum noch retten, für einzelne Modelle gibt es monatelange Wartezeiten. So lauteten die Schlagzeilen der vergangenen Wochen. Dennoch konnte Opel im Februar magere vier Prozent mehr Autos verkaufen als im ‧Vorjahresmonat, meldete das Kraftfahrt‧bundesamt. Ford legte dagegen um fast 60 Prozent zu, VW um rund 23 Prozent. „Nach den Erfolgsmeldungen, die das Unternehmen verbreitet hatte, war das eine absolute Enttäuschung“, sagt Auto-Professor Bratzel.

Die These, dass Opel ein kerngesundes Unternehmen mit einer guten Produktpalette sei, wäre nur die böse Mutter in den USA nicht, lässt sich nicht halten. Dabei ist für GM-Europe-Chef Carl-Peter Forster ausgerechnet der Produktplan für die nächsten Jahre das Herz seines Sanierungskonzeptes. Er meint damit vor allem den neuen Insignia, der von Fachjournalisten zum „Auto des Jahres“ gekürt wurde, obwohl die derzeit angebotenen Motoren deutlich mehr Sprit verbrauchen als die Aggregate des Hauptkonkurrenten Volkswagen. Erst im kommenden Jahr soll der neue Astra hinzustoßen, der Erzrivale des VW Golf. Der eigentliche Star in der Opel-Modellpalette soll jedoch der Ampera werden. Das Elektromobil mit einen kleinen Verbrennungsmotor für weitere Fahrten kommt erst 2011 und zunächst nur in kleinen Stückzahlen auf den Markt. Den Turnaround für Opel wird das Modell sicher nicht bringen.

Fraglich ist auch, was von der Opel-Modellpalette übrig bleibt, wenn sich das Unternehmen aus dem GM-Konzern herauslösen sollte: Der Kleinwagen Agila wird bei Suzuki gebaut, den Geländewagen Antara liefert Daewoo aus Südkorea zu. Und auch Astra und Insignia nutzen Plattformen aus dem GM-Konzern – sie müssten dann teuer zugekauft oder zusammen mit einem anderen Autohersteller produziert werden.

59 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 27.03.2009, 22:18 UhrAnonymer Benutzer: Tomcat

    Natürlich muß alles mögliche getan werden, damit OPEL gerettet werden kann. Wenn ich das lese was so neunmal Kluge Antiopeler schreiben, denke ich: ihr seid doch bezahlt von VW, Ford oder von den Japanern. Hallo wach werden. Wer weiß den noch wie viele deutsche Motorrad Hersteller es gab? 41 ! (Kreidler, Zündapp, Horex und und) Heute gibt es nur doch bMW und ein paar nicht erwähnswerte Hersteller mit kleinauflage. Honda, Kawasaki und Co, haben hier den Markt nicht mehr wegdenkbar erobert. Oder was hatten wir für tolle Elektrogeräte Hersteller mit super Technologie. (Nordmende u.s.w) Sebst der Erfinder vom Farbfehrnser ist schon lange bankrott. Sony, Jvc und und und will heute jeder. Wenn jetzt noch das now how und die Technologie der Autoindustrie verloren geht dann gute Nacht. Deswegen...kein Verlust mehr von Deutscher industrie..statt Schließungen-fördern und Ausbauen.. für Deutschland und für unsere Kinder. Nur so kann ein Staat webbewerbsfähig sein. Das ist auch ein Apell am alle auch mal wieder :Made in Germany zu kaufen. Es gilt hier nicht Opel oder Vw sondern Deutschland in Europa.

  • 23.03.2009, 12:02 UhrAnonymer Benutzer: Josie

    ich fände es schade, wenn es Opel nicht mehr geben würde. ich fahre seit 1982 Opel und war immer sehr zufrieden damit.

    Schlimm finde ich die Pseudo-Fachleute, die alles mies reden und die Mitarbeiter und Kunden nur noch mehr verunsichern

  • 21.03.2009, 21:56 UhrAnonymer Benutzer: jetztich

    bin ein stolzer Opelaner, immer noch. Wir brauchen kein Mitleid, weil wir wissen was wir können und haben. Opel-Händler haben jeden Tag mit dem Produkt zu tun. Wenn diese aus eigener Tasche das Unternehmen stützen wollen, sagt dies deutlich was sie von unseren Produkten halten und welche Zukunftschancen sie sehen.
    Was mir bei aller Angst um den Arbeitsplatz gehörig auf den Sack geht, sind Kommentare von Leute die null Ahnung haben, aber genau wissen wie es geht. Warum muß sich jeder Depp auf meine Kosten profilieren? Was mich wundert, ich hab noch gar keinen Kommentar von F. beckenbauer gelesen, der wird doch sonst auch immer gefragt.

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