Opernhäuser: Deutschlands Musiktheater im Wirtschaftlichkeits-Check

Opernhäuser: Deutschlands Musiktheater im Wirtschaftlichkeits-Check

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Das Reiterstandbild König Johanns steht auf dem Dresdner Theaterplatz vor der 1878 errichteten Semperoper

Die Lage der Kulturbetriebe spitzt sich zu. Schwindende Zuschauer und der Sparzwang der öffentlichen Hand gefährden die wirtschaftliche Basis und nagen an der Legitimation der riesigen staatlichen Zuschüsse. Vor allem kleineren Musiktheatern droht das Aus. Der einzige Ausweg sind neue Geschäftsmodelle, professionelles Management – und entstaubte Stücke auf der Bühne.

In Shanghai ist alles außergewöhnlich, auch das Grand Theatre. Im Scheinwerferlicht wirkt das Gebäude mitten in der chinesischen Mega-City wie ein schwebender Kristallpalast, ein gigantisches Dach schwingt über einem gläsernen Foyer aus weißem Marmor.

Die Begeisterung der 1800 Operngäste an diesem Abend gilt der „Götterdämmerung“ von Richard Wagner. „Im ersten Akt hatten wir schon Applaus auf offener Szene“, erinnert sich Markus Stenz. „Mir lief ein Schauer über den Rücken.“

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Ein Schauer muss auch den Steuerzahlern der Stadt Köln über den Rücken gelaufen sein, als sie davon in der Zeitung lasen. Denn als Leiter des Gürzenich-Orchesters gehörte Stenz zu einer 315-köpfigen Reisegesellschaft der Kölner Oper, die in diesem Herbst fast vier Wochen durch das Reich der Mitte tourte. Spielort war neben Shanghai auch die Hauptstadt Peking mit drei Aufführungen von Mozarts „Don Giovanni“. Zum Gepäck gehörten 30 Container Bühnentechnik, Kostüme und Instrumente. Fast zwei Millionen Euro verschlangen Tross und Tender. Obwohl Sponsoren, Bund und Land kräftig zubutterten, fehlten dem Opernhaus am Ende 800 000 Euro.

Die Lücke schloss Intendant Uwe Eric Laufenberg kurzerhand, indem er sich der Rücklagen seines Hauses für Betriebsmittel bediente, die eigentlich für das Amüsement des Publikums in Köln gedacht sind. „Das ist doch unser Geld“, rechtfertigte der 49-Jährige den indirekten Griff in den Stadtsäckel, „derartige Investitionen sind doch selbstverständlich.“

Vollkaskoversorgung durch den Steuerzahler

Aufwendige Auftritte, Vollkaskoversorgung durch den Steuerzahler, dazu Selbstbedienungsmentalität und Selbstinszenierungen von Regisseuren und Intendanten ohne Rücksicht auf die Kosten – für viele im deutschen Opernbetrieb mag das selbstverständlich sein.

Dank der Wirtschafts- und Finanzkrise dürfte damit jedoch bald Schluss sein. Der Sparzwang der krisengebeutelten öffentlichen Haushalte werde dazu führen, dass Deutschlands Länder und Kommunen auch die Zuschüsse für ihre Singtheater herunterfahren, prognostiziert die Unternehmensberatung A.T. Kearney in einer aktuellen Studie. Alimentierten die Steuerzahler die 144 öffentlichen Schauspielhäuser hierzulande, darunter 85 Opernbühnen, bis zuletzt mit zwei Milliarden Euro jährlich, dürften es bis 2020 zehn Prozent weniger sein.

„Damit droht in jedem zehnten Haus der Vorhang für immer zu fallen“, prognostiziert A.T.-Kearney-Beraterin Claudia Witzemann. „Insbesondere kleine Häuser, die ausnahmslos am Tropf ihrer Gemeinde hängen, sind von Schließungen betroffen.“ Ende November etwa steht in Flensburg die Zukunft des dortigen Musiktheaters zur Entscheidung. Das Thema bestimmte auch die Wahl des Oberbürgermeisters an diesem Sonntag.

Pro Besucher einen Hunderter

Die Einschnitte sind überfällig. Zu lange gerieren sich die staatlichen Opern- und Schauspielhäuser als Parallelgesellschaften zum übrigen Wirtschaftsleben. Die Chefs der Kulturpaläste, die Intendanten, fühlen sich vielfach mehr als Schöngeister denn als Manager. Die meisten von ihnen besitzen allenfalls rudimentäre betriebswirtschaftliche Kenntnisse, geschweige denn eine einschlägige Ausbildung.

Statt Einnahmen zu erzielen, um einen möglichst großen Teil der Ausgaben zu decken, pflegen die meisten von ihnen das Credo „Management ist der Tod der Kunst“, kritisiert Gerald Mertens, Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung. Verpackt in den politischen Anspruch, die Pflege von Oper und Schauspiel zähle zu den hehrsten Aufgaben des Staates, handeln viele Intendanten nach dem Motto: Wo man singt, da lass dich ruhig nieder – egal, was dies den Steuerzahler am Ende kostet.

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