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Opfer der Finanzkrise: Hohe Verluste, große Schande

von Jürgen Salz, Yvonne Esterhazy (London) und Andreas Henry (New York)

Die Finanzkrise hat bereits etliche Geschäftsleute in den Tod getrieben. Andere Manager schieden aus dem Leben, nachdem Korruptionsvorwürfe gegen sie erhoben wurden.

ARCHIV - Der Unternehmer Adolf Quelle: dpa
ARCHIV - Der Unternehmer Adolf Merckle, aufgenommen vor dem Dresdner Elektromaschinenbauer VEM Sachsenwerk GmbH (Archivfoto vom 17.01.2005). Der Ulmer Unternehmer und Milliardär Adolf Merckle hat sich laut Medienberichten bei Wetten auf VW-Aktien verspekuliert und hohe Verluste eingefahren. Quelle: dpa

Adolf Merckle 

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gest.:  5.1.2009

Der schwäbische Milliardär konnte es nicht verwinden, dass seine Firmengruppe zerschlagen wird. Besonders Ratiopharm lag ihm am Herzen. Das Unternehmen, Deutschlands ersten Billigpillen-Hersteller, hatte er in den Siebzigerjahren gegründet und darauf sein Imperium aufgebaut. „Ratiopharm ist mein Kind“, hatte Merckle vor Jahren freudestrahlend zur WirtschaftsWoche gesagt.

Das wurde ihm nun entrissen – so muss es ihm vorgekommen sein. Am Montag vergangener Woche unterschrieb der 74-Jährige nach zähen Verhandlungen mit den Banken die Verträge für einen Überbrückungskredit. Gleichzeitig willigte er in den Verkauf von Ratiopharm ein. Am späten Nachmittag desselben Tages ging er in den Tod.

Steven L. Good

gest.: 5.1.2009

Der 52-jährige Immobilienmakler aus Chicago erschoss sich in der vergangenen Woche. Kurz zuvor hatte er über geschäftliche Probleme der Branche geklagt. Good führte das Unternehmen Sheldon Good & Co., das sein Vater gegründet hatte.

Rene-Thierry Magon de la Villehuchet

gest.: 23.12.2008

Der in Frankreich geborene 65-jährige Fondsmanager schnitt sich am Tag vor Heiligabend die Pulsadern auf. Die Polizei fand ein Teppichmesser und Schlaftabletten in seinem Büro in New York. Der von de la Villehuchet gegründete Investmentfonds Access International Advisors hatte durch den mutmaßlichen Großbetrüger Bernard Madoff 1,4 Milliarden US-Dollar verloren.

Kirk Stephenson

gest.: 25.9.2008

Der 47-jährige Neuseeländer warf sich im September vergangenen Jahres vor einen Zug. Stephenson war Partner und Mitbegründer des Private-Equity-Hauses Olivant, verdiente 330.000 Pfund pro Jahr und lebte im Londoner Edelviertel Chelsea in einem Stadthaus im Wert von 3,6 Millionen Pfund. Der verheiratete Vater eines achtjährigen Sohnes hinterließ keinen Abschiedsbrief.

Das Finanzhaus, das kurz zuvor Aktien der Schweizer Bank UBS übernommen hatte, verlor damit während der Finanzkrise 250 Millionen Euro. Stephensons persönliches Vermögen stand nicht zur Disposition. Ein Freund sagte über ihn: „Er war immer sehr beschäftigt, kam abends spät nach Hause und reiste viel.“ Der Donnerstag, an dem er sich umbrachte, war ein Tag wie jeder andere: Er frühstückte mit seiner Familie, gab Frau und Sohn einen Abschiedskuss, verließ das Haus. Dann ging er auf die Gleise.

Zhang Shuhong

gest.: 12.8.2007

Der Chef des chinesischen Unternehmens Lee Der Toy Company hatte dem US-Spielwarenhersteller Mattel Spielzeug mit hohen Bleiwerten geliefert. Die chinesische Führung hatte danach ein Exportverbot für Lee Der Toy verhängt. Zhang soll sich aus Scham erhängt haben. Er wurde 52 Jahre alt.

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.01.2009, 17:56 UhrAnonymer Benutzer: Unvernünftige Risiken

    ich glaube, dass diese beispiele Mahnungen dafür sind, mit Risiken vernünftig umzugehen. D.h. man sollte sich immer zwei Fragen stellen:

    1. Was kann realistisch gesehen im schlimmsten Fall passieren ?
    2. Komme ich bzw. meine Familie damit zurecht, wenn dieser Fall eintritt ?

    Falls man sich bei der 1. Frage irrt und sich nicht für unfehlbar hält, kommt man mit dem Desaster höchstwahrscheinlich zurecht. Lautet aber die Antwort auf die 2. Frage "Nein", dann FiNGER WEG !, denn das tut dann wirklich weh.

  • 11.01.2009, 19:27 UhrAnonymer Benutzer: Sven B.

    also ich michael e. nur zustimmen!

  • 11.01.2009, 17:11 UhrAnonymer Benutzer: Exitus, II

    michael e. ich habe doch ausdrücklich von VW-Hartz gesprochen, obwohl der schuldige Arbeitnehmervertreter auch zu recht sein Fett wegbekommen hat.
    Zunächst werden die Hartz iV-bezüge doch wohl aus früher eingezogenen beiträgen zur Sozialversicherung und aus Abgaben der Volksgemeinschaft bezahlt.
    Zudem hat eben nicht jeder die Möglich- bzw. Fähigkeit Grossverdiener zu werden, die meist jedwedes Schlupfloch nutzen, sich um Steuern und Sozialabgaben zu drücken. Da ist eine Gesetzesänderung längst überfällig: Jeder und jedes Unternehmen muss seinen Anteil an Steuern und Sozialabgaben tragen und gut ist's.
    besserverdiener kommen inzwischen zuhauf zurück gekrochen, weil sie sich im Ausland blutige Nasen holten, zumal global gesehen Totentanz angesagt ist. Und die Global Player hatten schon ausgespielt, kaum dass das Spiel eröffnet war.
    ihr populistischer Stammtischkommentar bringt uns auch nicht weiter. Diskussionsfähige Vorschläge zur Verbesserung der Situation liefern Sie mit keinem Wort.
    Und dann noch etwas: Auch Hartz-iV-Empfänger sind möglichst schnell in brot und Arbeit zu bringen. Das geht zum beispiel dadurch, dass sich der Pfeffersack mal mit einer Million € zufrieden gibt und die anderen sieben Millionen nicht verzockt, sondern im eigenen Land wirtschaftlich sinnvoll anlegt. Oder will mir einer weiss machen, dass sich mit einer Million Euronen nicht bestens überwintern lässt?
    Es bleibt dabei: Die ich-fixierten raffgieren Unternehmen sollen sich ruhig vor den Zug werfen oder strangulieren oder erschiessen oder einen entsprechenden Cocktail hinter die binde giessen. Nach wir vor: Auf meine Trauer können sie nicht bauen.

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