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Oracle-Prozess: Wie SAP die Milliardenstrafe senken will - Seite 3

Oracle-Prozess: Wie SAP die Milliardenstrafe senken will

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Larry Ellison auf dem Weg zum Quelle: dpa
Larry Ellison auf dem Weg zum Gericht in Oakland Quelle: dpa

Der PR-Wert des Urteils ist für ihn unbezahlbar. Denn jahrelang wurden Oracle aggressive Verkaufsmethoden nachgesagt. Nun sind ausgerechnet die vermeintlich sauberen Deutschen erstinstanzlich quasi als Betrüger verurteilt.

In der jetzigen Form ist das Urteil der größte anzunehmende Unfall für SAP: Zwar könnte das Unternehmen bei Barreserven von zuletzt rund drei Milliarden Euro die umgerechnet eine Milliarde Euro Strafe ohne Probleme entrichten. Doch langfristig könnten die Auswirkungen dramatisch sein: So schwächt die Strafe SAP just zu einem Zeitpunkt, an dem es jeden Euro benötigt, um sein Wachstum anzufachen – sei es durch Übernahmen oder Innovationen – und dadurch die Unabhängigkeit zu sichern.

Aktien-Info SAP
Aktien-Info SAP

Im Silicon Valley wird erwartet, dass der neue HP- und Ex-SAP-Chef Léo Apotheker über kurz oder lang eine engere Kooperation oder gar eine Übernahme von SAP anstrebt, um das Softwaregeschäft auszubauen. Gut möglich, dass die hohe Strafe mittelfristig einen SAP-Kauf durch HP oder einen Wettbewerber beschleunigt, weil der Aktienkurs weiter unter Druck kommt. So lange der Rechtsstreit mit Oracle nicht abschließend geklärt ist, dürfte bei SAP aber niemand zugreifen.

Überdies droht SAP weiteres Ungemach, weil es – wie die Walldorfer in einer Gerichtseinreichung Anfang August selbst publik machten – auch „laufende Ermittlungen des US-Justizministeriums und des FBI“ im Zusammenhang mit dem Datenklau gebe. Nähere Informationen dazu wollte SAP auf Anfrage nicht geben.

Und schließlich sorgt das Gerichtsdebakel für einen PR-Gau im wichtigen vierten Quartal, in dem SAP traditionell rund 40 Prozent des operativen Ergebnisses einfährt. Das ist den SAP-Verantwortlichen bewusst: „All unsere kollektiven Anstrengungen müssen jetzt darauf abzielen, ein herausragendes viertes Quartal zu erzielen“, appellierten die beiden Chefs Snabe und McDermott nach dem Urteil in ihrer internen Mail an die SAP-Mitarbeiter.

In der Nacht zum vergangenen Donnerstag mailten die SAP-Bosse dann noch regelrechte Durchhalteparolen: „Wir sind vollkommen in der Lage, den endgültigen Entscheidungen des Gerichtshofs ohne Änderungen unserer Unternehmens- und Investitionsstrategie nachzukommen.“

Man könnte dies auch Pfeifen im Walde nennen.

Zu diesem Artikel
5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.12.2010, 07:20 UhrAnonymer Benutzer: LM

    Das es den Richtigen trifft ist außerhalb der Diskussion, da das SAP Management sämtliche Vorwürfe zugegeben hat. Aber es passt halt nicht ins allgemeine Weltbild. Wäre es umgekehrt gewesen, hätten alle gesagt: oh, dirty Larry. Hier war es aber der sogenannte branchenprimus, der mit heruntergelassenen Hosen darstand. Schaut man sich die Aktienkurse im Vergleich an,wird deutlich, dass Oracle wohl einiges besser macht und tatsächlich mit seiner Strategie Werte schafft. Auch die Höhe der Entschädigung (keine Strafe !) ist angemessen, sich berechnet sich aus den Downloads (siehe Serverprotokolle) mal Listenpreis. Fraglich ist, ob es da etwas zu drücken gibt.

  • 01.12.2010, 13:07 UhrAnonymer Benutzer: werner

    Wer nimmt, muss zahlen - aber wohl nicht immer.
    SAP hat nicht nur bei Oracle, sondern auch schon bei anderen, kleineren Firmen gewildert - die nicht die Kapazität für einen solchen Rechtsstreit hatten. insofern trifft es m.E. die Richtigen. Hut ab vor Oracle, auch wenn die mindestens genausoviel Dreck am Stecken haben.

  • 01.12.2010, 04:30 UhrAnonymer Benutzer: Jury

    Es haben sicher auch 2 weiter Umstände der Jury eine Rolle gespielt: Einmal die gegenwärtige Diskussion in USA um geistiges Eigentum in beziehung zu China. Dies hat ein bewusstsein geweckt von Schutz, SAP ist ein Sündenbock. Ferner ist SAP ein Deutsches Unternehmen. Es darf davon ausgegangen werden dass es für einen Amerikanischen Konzern glimpflicher ausgegangen wäre, obwohl der Verstoß nicht von Deutschen, sondern der US-Tochter ausging. Man muss sich nur die SEC Ermittlungen gegen Daimler und Siemens ansehen und Strafen und vergleichen mit Verfahren für US-Unternehmen. Der AUsländer ist oft der bösewicht in den USA

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