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Oracle-Prozess: Wie SAP die Milliardenstrafe senken will

von Matthias Hohensee und Michael Kroker

Der Softwarekonzern versucht, die Milliardenstrafe im Oracle-Prozess zu drücken. Wie gut sind die Chancen?

Hauptgebäude von SAP in Quelle: dpa
Hauptgebäude von SAP in Walldorf Quelle: dpa
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Es handelt sich gerade mal um eine Seite Papier. Doch der amtliche Vordruck birgt Sprengstoff. Sprengstoff, vom Schreibenden mit zittriger Handschrift hingekritzelt, so als ob ihm die Tragweite bei jeder einzelnen Ziffer bewusst war: „$1.3 billion“ steht da – auf Deutsch 1,3 Milliarden Dollar. Das ist die Strafsumme, die der deutsche Softwarekonzern SAP laut Verdikt einer achtköpfigen Gerichtsjury im nordkalifornischen Oakland aus der vergangenen Woche an seinen amerikanischen Erzrivalen Oracle wegen Datenklau überweisen muss.

„Wir sind von dem Urteil enttäuscht und prüfen nun alle Optionen“, ließ das SAP-Management danach vage verkünden. Intern verlautet in Walldorf, dass weitere gerichtliche Schritte folgen werden; nur so könne man die finanziellen Auswirkungen noch eindämmen. „Ihr könnt ganz darauf vertrauen, dass SAP finanziell stark ist“, beruhigten die Chefs Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott ihre Truppe nach dem Urteil in einer internen E-Mail, die der WirtschaftsWoche vorliegt.

„SAP wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in Berufung geben, schon weil dann nicht vor Geschworenen verhandelt wird“, sagt Peter Ruess, Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz aus Düsseldorf und Kenner des US-Rechtssystems. „Im Berufungsverfahren ist eine Senkung der Schadenssumme nicht unwahrscheinlich.“ Wie stark, darüber gehen die Meinungen von Experten auseinander: Aus einer auf die IT-Industrie spezialisierten US-Kanzlei sind eher skeptische Töne zu vernehmen.

Es geht um einen der spektakulärsten Urheberrechtsprozesse der vergangenen Jahre. Oracle hatte die Deutschen im April 2007 wegen Datenklaus verklagt, begangen durch die SAP-Tochter TomorrowNow. Nach kurzem Leugnen hatte SAP die Verfehlungen durch den 2005 zugekauften IT-Dienstleister eingestanden; 2008 machte SAP das Unternehmen dicht.

Wer nimmt, muss zahlen

TomorrowNow war spezialisiert auf die Betreuung von Oracle-Computerprogrammen im Auftrag von Unternehmenskunden. Für diese Softwarewartung hatte TomorrowNow Programme und Daten von Oracle-Rechnern heruntergeladen – in weit größerem Umfang, als es die Berechtigung durch Oracle erlaubte.

SAP-Co-Chef McDermott hat die Verfehlungen der einstigen Tochter vor Gericht eingestanden und sich bei Oracle entschuldigt. Beim Schadensersatz lagen beide Parteien jedoch weit auseinander: Während Oracle-Boss Larry Ellison vier Milliarden Dollar für gerechtfertigt hielt und seine Anwälte auf „mindestens 1,7 Milliarden Dollar“ plädierten, hielt man bei SAP „maximal 41 Millionen Dollar“ für angemessen.

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5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.12.2010, 07:20 UhrAnonymer Benutzer: LM

    Das es den Richtigen trifft ist außerhalb der Diskussion, da das SAP Management sämtliche Vorwürfe zugegeben hat. Aber es passt halt nicht ins allgemeine Weltbild. Wäre es umgekehrt gewesen, hätten alle gesagt: oh, dirty Larry. Hier war es aber der sogenannte branchenprimus, der mit heruntergelassenen Hosen darstand. Schaut man sich die Aktienkurse im Vergleich an,wird deutlich, dass Oracle wohl einiges besser macht und tatsächlich mit seiner Strategie Werte schafft. Auch die Höhe der Entschädigung (keine Strafe !) ist angemessen, sich berechnet sich aus den Downloads (siehe Serverprotokolle) mal Listenpreis. Fraglich ist, ob es da etwas zu drücken gibt.

  • 01.12.2010, 13:07 UhrAnonymer Benutzer: werner

    Wer nimmt, muss zahlen - aber wohl nicht immer.
    SAP hat nicht nur bei Oracle, sondern auch schon bei anderen, kleineren Firmen gewildert - die nicht die Kapazität für einen solchen Rechtsstreit hatten. insofern trifft es m.E. die Richtigen. Hut ab vor Oracle, auch wenn die mindestens genausoviel Dreck am Stecken haben.

  • 01.12.2010, 04:30 UhrAnonymer Benutzer: Jury

    Es haben sicher auch 2 weiter Umstände der Jury eine Rolle gespielt: Einmal die gegenwärtige Diskussion in USA um geistiges Eigentum in beziehung zu China. Dies hat ein bewusstsein geweckt von Schutz, SAP ist ein Sündenbock. Ferner ist SAP ein Deutsches Unternehmen. Es darf davon ausgegangen werden dass es für einen Amerikanischen Konzern glimpflicher ausgegangen wäre, obwohl der Verstoß nicht von Deutschen, sondern der US-Tochter ausging. Man muss sich nur die SEC Ermittlungen gegen Daimler und Siemens ansehen und Strafen und vergleichen mit Verfahren für US-Unternehmen. Der AUsländer ist oft der bösewicht in den USA

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