Ostseepipeline Nord Stream: Schröders Pipeline-Großprojekt ist fast fertig

Ostseepipeline Nord Stream: Schröders Pipeline-Großprojekt ist fast fertig

Bild vergrößern

Das Ankerziehschiff "Primus" zieht das Pipeline- Verlegeschiff "Castoro 10" auf seine Position im Greifswalder Bodden. Auf dem Schiff wird der Rohrstrang für die Ostsee-Erdgaspipeline Nord Stream verschweißt.

von Andreas Wildhagen

Gerhard Schröders liebstes Industrievorhaben ist fast vollendet: Die Betreibergesellschaft Nord Stream, als deren Aufsichtsratschef der Ex-Bundeskanzler fungiert, hat die Ostseepipeline so gut wie fertiggestellt.

Wenn irgendjemand eines Tages Bilanz ziehen wird über die Lebensleistung des Altbundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD), dann wird wohl folgendes in Erinnerung bleiben: Hartz IV, die Vertreibung von Oskar Lafontaine aus der SPD, die Verweigerung deutscher Truppen für George W. Bushs Irak-Krieg - und die Ostseepipeline.

Letzteres Großprojekt ist das Werk aus der Nach-Kanzlerära Schröders - und wie alles, was Schröder anpackt, wird erst nach einer Weile des Gärens und Reifens zum Ruhmesblatt. So war es mit Hartz IV, zunächst gescholten, dann Grund für seine Abwahl - und nun in Teilen eines der Ursachen für den Aufschwung. Die Vertreibung von Lafontaine aus dem Kabinett erwies sich später als politisch segensreich. Der streitsüchtige Radikalinski hat sich nun ganz ins Privatleben zurückgezogen. Und bei der Ostseepipeline, durch die im Oktober dieses Jahres das erste Gas aus den sibirischen Gasfeldern nach Deutschland fließen soll, ist der "Schröder-Effekt" fast genau so - leicht verzögert.

Anzeige

Zunächst einmal kommt die Gasröhre zur Unzeit. Januar 2011: Es gibt zuviel Gas in Europa. Die Märkte sind überschwemmt, die Preise sinken dramatisch und erfreuen die Großabnehmer wie die deutschen Stadtwerke, bescheren aber beispielsweise dem Großhändler E.On Ruhrgas herbe Verluste in Milliardenhöhe. E.On Ruhrgas ist intern angeblich zum Verkauf ausgeschrieben. Der russische Gasförderer Gazprom steht längst nicht mehr so strahlend da wie noch im vorigen Jahr - das Gas der Russen ist in Westeuropa bei weitem nicht mehr so begehrt. Die Bilanzen sind verhagelt. Gazprom backt kleine Brötchen.

Und nun kommt Schröder mit seiner Gaspipeline. Niemand aus der Energiebranche zweifelt jedoch daran, dass die Gasschwemme und die Klage der Anbieter über zu niedrige Preise nur von kurzer Dauer sein werden. Die Ostseepipeline wird von Zwischenländern wie die Ukraine oder Polen unabhängig sein. Sie wird die direkten Wirtschaftsbeziehungen zwischen Russland und Deutschland bilateral enger knüpfen, was die Länder, die außen vor bleiben, nicht nur mächtig ärgert, sondern auch historische Empfindlichkeiten wieder aufleben lässt. Siehe Polen, das verständlicherweise ungern im Miteinander zweier starker Nationen - Russland, Deutschland - in wirtschaftlicher Bedeutungslosigkeit verschwinden will. Es war Kalkül, dass die Ostseepipeline nicht nur als Gastransport- Röhre in der Ostsee versenkt wird, sondern zwei Mächte - die eine Macht ein gigantisches Rohstoffimperium, die andere drittstärkste, westliche Industrienation - aneinander bindet und voneinander profitieren lässt. An dieser Politik hatte der Altbundeskanzler Schröder, der sich etwas penetrant seiner Freundschaft mit Wladimir Putin rühmt, einen beträchtlichen Anteil.

Am heutigen Dreikönigstag zieht Nord Stream noch einmal seine Erfolgsbilanz - eine Zwischenrechnung, die angesichts anderer internationaler Großprojekte, wie die immer noch in Anfangsschwierigkeiten steckenden Gaspipeline Nabucco, recht positiv aussieht. Der Ball wird aber dennoch von den Nord Stream-Managern so flach wie möglich gehalten: Schröder selbst tritt nicht auf, wie er sowieso öffentliche Showprogramme in Sachen Ostseepipeline tunlichst vermeidet. Es lässt sich am Donnerstag alles ganz örtlich überschaubar an. In vorpommerschen Ostseebad Lubmin, östlich von Greifswald nahe der Insel Rügen, lädt die Betreibergesellschaft die regionale Presse auf ihr Betriebsgelände ein, um Rechenschaft abzulegen. Ort: "Baubüro".

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%