_

Otto-Versand-Chef Rainer Hillebrand: "Der Katalog ist unverzichtbar"

von Henryk Hielscher

Der Chef des Otto-Versands, Rainer Hillebrand, über den Ruin des Erzrivalen Quelle und die Zukunft der Branche.

Rainer Hillebrand Quelle: REUTERS
Rainer Hillebrand Quelle: REUTERS

WirtschaftsWoche: Herr Hillebrand, Sie haben die deutschen Versandhändler jüngst als Dinosaurier bezeichnet. Ist auch der Otto-Versand vom Aussterben bedroht?

Anzeige

Hillebrand: Ganz im Gegenteil – Otto wächst und gedeiht sehr erfreulich. Der Dino-Vergleich war eine Anspielung auf die vermeintliche Strukturkrise der Branche. Ich bekomme in der Öffentlichkeit oft die Aussage zu hören: Versandhandel – da sucht sich doch nur noch die angegraute Kundschaft ihr Zeug aus verstaubten Katalogen zusammen.

Klingt plausibel...

...ist aber völlig falsch. Schauen Sie sich den amerikanischen Online-Händler Amazon an. Die Firma gilt nicht gerade als Steinzeitunternehmen, macht aber im Grunde nichts anderes als wir: Die Kunden können aus einem sehr breiten Angebot auswählen und erhalten die Ware nach Hause.

Sie müssen den Deutschen dafür aber jedes Jahr rund 20 Millionen Kataloge in die Briefkästen stecken.

Unterschätzen Sie uns nicht. Die Kataloge sind zwar noch immer ein wichtiger Impulsgeber für Bestellungen. Aber circa 60 Prozent unseres Umsatzes stammen inzwischen aus dem Online-Geschäft. Macht circa eine Milliarde Umsatz pro Jahr oder rund 270.000 Euro pro Tag. Und die Zuwachsraten dort kompensieren nicht nur die Rückgänge im klassischen Kataloggeschäft, sondern bescheren uns insgesamt gute Umsatzzuwächse. Wir werden dieses Geschäftsjahr voraussichtlich mit einem satten Umsatzplus abschließen.

Sie profitieren doch von der Insolvenz Ihres Erzrivalen Quelle.

Sicherlich wird der ein oder andere Euro Umsatz von Quelle jetzt bei uns gelandet sein. Aber die Probleme bei Quelle sind ganz bestimmt nicht der entscheidende Grund dafür, dass wir jetzt wieder auf der Erfolgsspur sind.

Sondern?

Wir sprechen unsere Kunden inzwischen mit sehr viel individuelleren Angeboten zu bestimmten Themen wie Mode, Lifestyle, Technik oder Wohnen an und setzen stärker auf saisonale Aktionen. Der wichtigste Faktor ist aber die sehr gute Entwicklung unseres Online-Geschäfts.

Zu diesem Artikel
5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 24.03.2010, 21:12 UhrAnonymer Benutzer: Daniel

    ich hatte gerade großen Ärger mit Otto und kann mir nur die guten Zeiten der Quelle zurückwünschen. Der Service von Quelle war kompetent, freundlich und ist persönlich auf die belange des Kunden eingegangen. Otto Service, so meine Erfahrung, ist genau das Gegenteil. Nun ja, so wird Otto sich nicht halten können.

  • 15.10.2009, 12:10 UhrAnonymer Benutzer: ottomane

    mädels, augen auf beim kommentieren: otto war immer moderner, jugendlicher, flotter...
    oma schickedanz verkauft immer noch polyacryl-klamotten in farben, die die welt nicht braucht. und darunter hatten auch die guten neckermänner zu leiden.
    bettwäsche zum beispiel in einer größe, die heute noch nicht zum absoluten standart gehört...

  • 13.10.2009, 23:00 UhrAnonymer Benutzer: Neckermann

    # Mit Verlaub,
    wenn es so wäre, dann müsste Quelle ja Millionengewinne machen u. nicht vor der Pleite stehen!
    Der Otto-Versand,Hamburg, wird wesentlich flotter geführt als die alte Tante Quelle.
    We im internet mehr umsetzt mag dahingestellt bleiben, aber wer mit dem internet Geld verdient ist doch klar: Otto.
    im Zuge der insolvenz von Arcandor wurde doch publik, dass die beiden Handelssparten Karstadt u. Quelle noch nicht mal den einkauf zusammengelegt hatten; diesen Fehler macht Otto nicht, denn im EK. steckt der Gewinn, daher die bündelung mit den stationären Vertrieben!
    Es ist ja traurig, dass die Handelsdinosaurier Karstadt u. Quelle nun ihe letztes Weihnachtsgeschäft abwickeln, besonders für die lange hingehaltenen beschäftigten.
    Es bleibt aber dabei OTTO ist der "Überlebende" versender; Quelle hat ja nicht mal mehr die Mittel den nächsten Hauptkatalog drucken u. verteilen zu lassen, daher bitte trotz Nostalgie auf dem Teppich bleiben; bald gehen bei Karstadt-Quelle die Lichter aus, während sie bei Otto u. Töchtern weiter leuchten !!

Alle Kommentare lesen
weitere Fotostrecken

Blogs

Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert
Wie HP-Chefin Whitman ihren Mitarbeiter die anstehenden Massenentlassungen erläutert

In einer internen Videobotschaft an die HP-Beschäftigten gibt Meg Whitman mehr Details zu dem geplanten Abbau von 27.000...

Das Aktuelle Heft

Wirtschaftswoche

WirtschaftsWoche 21 vom 21.05.2012

iTunes Vorschau - WirtschaftsWoche
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.