Outdoor-Mode: "Der Markt wird zugeschüttet"

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Outdoor-Mode: "Der Markt wird zugeschüttet"

von Peter Steinkirchner

Thomas Lipke und Andreas Bartmann, Geschäftsführer von Europas größtem Outdoor-Kaufhaus Globetrotter, ärgern sich über expansionshungrige Handels-Konzerne, wollen den eigenen Umsatz verdoppeln und erklären das starke Wachstum der jungen Branche.

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Globetrotter-Geschäftsführer Andreas Bartmann (l) und Thomas Lipke

WirtschaftsWoche: Herr Lipke, Herr Bartmann, während der übrige Einzelhandel jammert, wächst die Outdoor-Branche seit Jahren – warum eigentlich?

Lipke: Der Outdoormarkt ist eigentlich erst vor 30 Jahren entstanden. Richtig in Fahrt gekommen ist er vor etwa zehn Jahren – als Gegentrend zur galoppierenden Technikentwicklung mit ihrer Schnelligkeit und ihrem Paradigma der permanenten Erreichbarkeit. Das führt bei sehr vielen Menschen zu einem Bedürfnis nach Ruhe und Natur. Das „Draußen sein“ verschafft mir ein Erlebnis, aus dem ich Kraft schöpfe für meinen als stressig empfundenen Alltag. Man kann sagen: Je schneller der Zeitgeist tobt, desto mehr profitieren wir in der Outdoorbranche davon - das sind zwei Seiten einer Medaille.

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Bartmann: Mit dem Profil Outdoor generieren wir daher ein riesiges Marktpotenzial, das uns sehr beweglich macht. Denn im Vergleich etwa zum Golf- oder Segelmarkt sind wir viel flexibler. Bei Golf und Segeln ist klar, wie viele Golfer oder Segler es gibt. Dann ist eben Schluss. Beim Thema Outdoor dagegen ist die Zielgruppe um ein vielfaches größer. Laut der Wanderstudie des Bundeswirtschaftsministeriums  wandern 40 Millionen Deutsche. Heißt: Jeder zweite Deutsche kann unser Kunde sein, und das ist natürlich ein sehr schönes Potenzial. Dazu tragen natürlich auch Stars wie HaPe Kerkeling mit ihren Wanderbüchern stark bei.

Übertreiben es die Deutschen dabei nicht manchmal in Sachen Ausrüstung– warum brauche ich einen Arktis-Parka für den Ausflug im Stadtpark?

Lipke: Da sollten Sie erst mal die Japaner sehen - da fallen Sie vom Glauben ab, wenn Sie sehen, wie die sich dort ausrüsten – als wollten sie gleich den Fujijama besteigen. Aber es ist eben wie mit anderen Hobbys auch, da legen viele großen Wert auf eine Top-Ausrüstung. Mit der macht es natürlich auch mehr Spaß, denn wer mit klammen Füßen im Billig-Schlafsack  liegt, der wird sein Campingabenteuer nicht wirklich genießen können.

Bartmann: Hinzu kommt natürlich auch, dass Outdoor sehr positiv besetzt ist und man nun mal ein positives Ausrufezeichen setzt, wenn man die richtige Marke trägt. Man gibt damit praktisch einen Status raus – naturnah und ökologisch. Und nicht zuletzt hat funktionelle Kleidung auch einen echten Mehrwert – im Vergleich zu modischen Produkten sind etwa hochfunktionelle Outdoorjacken um einen hohen Faktor besser etwa beim Regenschutz oder der Haltbarkeit.

Im Frühjahr gab es für die Branche allerdings den ersten Dämpfer.

Bartmann: Ja, in der Tat sind die Jahre der exorbitanten Wachstumssprünge erst einmal vorbei, da ist eine gewisse Sättigung eingetreten. Man darf nicht übersehen: Diese Branche ist in den vergangenen zehn, zwanzig Jahren immer zweistellig gewachsen, es gab keinen Rückgang. Damit wuchs aber auch die Zahl der Marktteilnehmer, der Händler, die sagten: Das passt bei mir auch gut rein.

An wen denken Sie?

Bartmann: An Konzerne wie Metro, Otto und andere, die alle versucht haben, das Thema bei sich aufzunehmen. Und schließlich die Finanzinvestoren, die ihr Geld in die Branche stecken. Das führt dazu, dass der  Markt regelrecht zugeschüttet wird. Gerade die Konzernunternehmen, die bestrebt sind, solche Geschäfte zu skalieren und planen, Jahr für Jahr mit zehn Prozent zu wachsen, arbeiten mit harten Bandagen, um ihr Produkt durchzubringen.  Das Hauptproblem ist aus unserer Sicht jetzt die extreme Handelsvertikalisierung. Das wirddie Herausforderung der nächsten zehn Jahre für uns sein, weil die großen Marken sagen: Wir müssen mehr Umsatz machen und höhere Margen, also machen wir eigene Läden auf. Das gilt für North Face, für Marmot, Patagonia, Mammut  – alle, wie sie als relevante Marken da sind, angeführt von Jack Wolfskin, der das angestoßen hat.

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