Palm Springs: Die Wüste lebt

Palm Springs: Die Wüste lebt

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Einst war Palm Springs Hollywood-Hideaway und Hauptquartier des Rat Pack, angeführt von Frank Sinatra und Dean Martin. Jetzt erwacht die Wüstenstadt zu neuem Leben – als Gravitationszentrum junger Kreativer

Das Hollywood-Refugium Palm Springs strahlt im neu aufgeputzten nostalgischen Glanz der Fünfziger.

Die Abendwärme legt sich sanft über die Straßen der kleinen amerikanischen Wüstenstadt, und du fühlst dich wie in den Filmen mit Doris Day und Clark Gable. Auf dem North Palm Canyon Drive führt eine überkandidelte Frau im rosa Kostüm einen rosa Pudel spazieren. Wann hast du zuletzt einen rosafarbenen Pudel auf der Straße gesehen? Eben. Genau für diese absurden Agfa-Color-Erlebnisse muss man sich sofort und auf der Stelle in Palm Springs verlieben. Denn die Pudeldame steht für eine völlig aus der Zeit gefallene Wohlfühl-Welt – mondän, aber viel langsamer als heute. Sagen wir: Palm Springs ist heute noch so gemütlich wie in den Fünfzigern. Als ein gestandener Ehemann Chevy fuhr und seine Frau im Cocktaildress auf dem Beifahrersitz über den korrekten Sitz ihrer Seidennaht sinnierte. Damals wurde die Oase endgültig zum Synonym für gepflegten Superstar-Hedonismus: Zwei Autostunden von Hollywood entfernt, inmitten einer Wüstenlandschaft, die nach Ewigkeit und Vergänglichkeit aussieht, nah und exotisch zugleich. Dahinter liegt nur noch das Chino-Canyon-Gebirge. Und warm ist es. Zehn Grad wärmer als in Los Angeles – das muss man einfach großartig finden, vor allem im Winter. Die früheren Big-Names Glark Gable, Gloria Swanson, Spencer Tracey, Marlene Dietrich, Rita Hayworth, sie sahen das genauso wie Drew Barrymore oder Cameron Diaz heute. Doch der größte Vorteil ist: Die Paparazzi, diese Pain-in-the-Ass-Crowd, warten lieber in Hollywood auf Opfer. Wie dumm.

So kann man in Palm Springs immer noch so ungestört relaxen wie früher, als Frank Sinatra John F. Kennedy mit Starlets versorgte – bis der irgendwann nur noch mit Marilyn Monroe herkam. Als Mitglieder des berüchtigten Rat Pack, darunter Bing Crosby, Sammy Davis Jr., Dean Martin und Bob Hope, hier Häuser hatten – und im Garten vor Frank Sinatras palmengesäumter Villa regelmäßig die Stars-and-Stripes gehisst wurden, was bedeutete: „Tini Time! Come over!“ Signal für die illustre Nachbarschaft, sich doch bitte herüber zu bemühen, da die Martini-Cocktails fertig waren. Und egal, ob Lauren Bacall, Humphrey Bogart oder die Rat-Pack-Jungs – es war immer jemand da, der gerade drehfrei hatte. Ein-, zweimal die Woche gab es einen Glamour-Event im schicken Country-Club, ansonsten blieb man zu Hause am Pool, wo man herrlich ungestört wieder aus den Filmrollen in sein eigenes Ich zurückschlüpfen konnte. Das war und ist dann eigentlich auch schon das schlichte Geheimnis: Palm Springs, die heile Welt von Hollywood. Mit neu entflammter Begeisterung für den Mid-Century-Stil erlebt dieses riesige Freilichtmuseum nun endlich seine längst verdiente Renaissance. Denn die meisten der Ferienhäuser aus den Dreißiger- bis Sechzigerjahren sind noch heute im Originalzustand erhalten. Eines der berühmtesten ist Richard Neutras „Kaufmann House“, das der Architekt 1946 für den Kaufhausmillionär Edgar J. Kaufmann baute und das der große Fotograf Julius Shulman eines Abends so unvergleichlich in Szene setzte. An Shulmans Foto erkennt man am besten, was den „Desert modernism“ ausmacht: puristische Häusersilhouetten mit riesigen Glasfronten und Flachdächern, hinter denen breit und mächtig die braunen Berge der Wüste aufragen.

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