Pathfinder - Handelsblatt-Kongress: „Disruption vom Allerfeinsten“

Pathfinder - Handelsblatt-Kongress: „Disruption vom Allerfeinsten“

, aktualisiert 01. Mai 2017, 19:14 Uhr
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Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg schüttelt Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart (r.) die Hand. Im Hintergrund: Daimler-Chef Dieter Zetsche und WirtschaftsWoche-Herausgeberin Miriam Meckel.

von Jessica SchwarzerQuelle:Handelsblatt Online

Neue Ideen umsetzen, Teams inspirieren: Forscher, Spitzenmanager und Sportler geben auf dem „Pathfinder“-Kongress Tipps für die Praxis. Und ein Weltmeister erzählt, wie sich eine Karriere auf dem Höhepunkt beenden lässt.

BerlinNico Rosberg hat die eigene Zukunft konsequent in die Hand genommen. Der amtierende Formel-1-Weltmeister hatte Ende 2016 seine Karriere beendet – auf dem Höhepunkt. Als er den Anruf mit der Rücktrittsnachricht des Profi-Sportlers erhielt, hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche nicht gedacht, „ein paar Monate später mit ihm über ‚Widmung‘ („dedication“) zu reden“, sagte der Topmanager in Berlin.

Doch im Berliner Tempodrom machten Zetsche und Rosberg genau das. Denn in der Kongresshalle beschäftigten sich auf dem Zukunftskongress Pathfinder etwa 800 junge Talente und Führungskräfte, was Sie tun können und müssen, um die Zukunft ihrer Arbeitgeber – und die eigene – zu bestimmen. Welche Charaktereigenschaften, welche Fähigkeiten entscheiden über Erfolg oder Misserfolg? Wie viel Haltung ist nötig, wie kann plötzliche Veränderung („Disruption“) auch innerhalb großer Unternehmen gelingen? Ein treffendes Thema am „Tag der Arbeit“ – und ein Thema, bei dem Rosberg sich als Vorbild präsentierte.

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„Heute geht es nicht darum, die richtigen Antworten zu geben, sondern die richtigen Fragen zu stellen“, hatte Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart zur Eröffnung gesagt. Jenseits der Alltagshektik sollten die großen Fragen besprochen werden, auch und gerade im Gespräch mit Mitarbeitern anderer Unternehmen. Steingart stellte klar: Die Gegenwart wird nicht bleiben, sie wird untergehen.

Wie man die Zukunft in die eigene Hand nehmen kann, zeigte Rosberg. Für ihn war die Präsentationsrede auf großer Bühne „eine Disruption vom Allerfeinsten“, sagte er. „Vor einigen Monaten saß ich noch in meinem Rennauto.“ Er sprach offen über seine Karriere, die Dinge, die ihn motivierten und deprimierten, über die „komplette Lebensänderung“, die der Rücktritt bedeutet hätte. Doch von Reue keine Spur. „Ich habe meinen Traum erreicht, ich fühle mich erfüllt“, sagte er. Den jungen Talenten gab er einige wertevolle Tipps: „Soziale Kompetenz ist extrem wichtig.“ Man müsse ein Team um sich herum aufbauen, alleine schaffe man gar nichts. Doch selbstkritisch deutete er an, dass der Grat zwischen „Widmung“ für ein Thema und Besessenheit schmal sei.

Auch wenn Daimler-Chef Zetsche von Rosbergs Rückzug überrascht worden war, er bewundere ihn mittlerweile sogar für den Mut, auf der Spitze seiner Karriere einfach zu sagen, er mache jetzt etwas Anderes. Rosberg will Firmen gründen, verriet der 31-Jährige.

Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse, kann in der regulierten Gesundheitsbranche nicht immer so schalten und walten, wie er gerne würde - und nicht so abrupt wie Rosberg. Doch er ist überzeugt, dass die Digitalisierung, das Gesundheitswesen radikal verändern werde. Und es ist sein erklärtes Ziel, dieses Feld nicht den amerikanischen Internetfirmen überlassen. „Wenn die Spielregeln nichts taugen, sollte man nicht versuchen, trotzdem zu gewinnen, sondern die Spielregeln ändern“, sagte er in Anspielung auf das komplexe Gesundheitswesen. „Wir werden völlig neue Arten von Diagnostik und Therapien haben, wir werden mit Daten in einer Form umgehen, die können wir uns noch gar nicht vorstellen“, so Baas. Die Krankenkasse müsse in Zukunft Treuhänder dieser Daten sein, so Baas. Da sei dann Regulierung sogar etwas Gutes, da sie Vertrauen in den richtigen Umgang mit vertraulichen Daten schaffe.

Wie stark die Disruption sein könnte, wie sie die Welt verändern könnte und vor allem wie schnell, darüber sprach sein Gast, Trend- und Zukunftsforscher Richard van Hooijdonk. Er selber trägt bereits einen implantierten Chip in der Hand, mit dem er etwa seine Wohnungstüre oder die seines Autos öffnen kann. Er sei ein „Teil des Internets der Dinge“. Sein Fazit ist ganz klar: „Wir müssen unsere eigenen Businessmodelle attackieren, bevor es andere tun.“ Ein Thema, dass auch in den Pausen intensiv diskutiert wurde.

Mobilfunkanbieter Vodafone setzt auf die Unterstützung eines Mondfahrt-Projekts, um den Willen zu Veränderung nach außen zu symbolisieren. Mit der Firma PTScientists plant das Unternehmen, Mobilfunktechnik auf den Mond zu bringen – nicht nur für die Show, sondern auch zur Kommunikation von Mondfahrzeugen mit der Erde. „Wir vernetzen die Welt und wir vernetzen den Mond“, sagte Vodafone-Chef Hannes Ametsreiter. „Pioniergeist treibt uns im Unternehmen um. Unternehmen müssen raus aus der Komfortzone, sich was trauen.“ Details dazu gab es von Robert Böhme, Chef der PTScientists, der über die Faszination des Lösens von Puzzlen auf dem Weg zum großen Ziel sprach - der erfolgreichen Landung auf dem Mond und Experimenten mit Landefähre und Rovern. Und er hatte eine Überraschung dabei: einen Nachbau von Alina, dem von ihm entwickelten Raumschiff.

Ralph Dommermuth, Internet-Unternehmer und Chef von United Internet, stellte die von ihm initiierte Flüchtlings-Initiative der deutschen Wirtschaft „Wir zusammen“ vor. Dabei geht es darum, Flüchtlinge zu integrieren – 19 der Dax-30-Unternehmen sind dabei, viele Mittelständler. „Wir wollen Haltung zeigen“, sagte er. „Es tut der deutschen Wirtschaft gut, Flagge zu zeigen.“ Auch Siemens-Chef Joe Kaeser richtete sich mit einem solchen Appell an die Zuhörer: „Verschafft euch Gehör! Denn es geht um eure Firmen, um euer Land.“

Inspiration für ein besseres Management bot Hai-Forscher Erich Ritter mit dem Ratschlag, wie wichtig Respekt im gegenseitigen Umgang sei. Die Ergebnisse seiner Forschung mit den Raubfischen zeige, dass man die Zeichen erkennen müsse, die der Gegenüber senden. Denn im Umgang mit Haien gelte: „Es gibt keine gefährlichen Haie. Nur gefährliche Situationen.“ In der Unternehmenswelt sei dies sicherlich vergleichbar.

Die ausführliche Berichterstattung über Pathfinder lesen Sie in der Handelsblatt-Wochenendausgabe vom 5. Mai.

Quelle:  Handelsblatt Online
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