Pay-TV bei ProSiebenSat.1: Bezahl den Raab?

Pay-TV bei ProSiebenSat.1: Bezahl den Raab?

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ProSieben-Show "Schlag den Raab"

von Oliver Voß und Peter Steinkirchner

Der TV-Konzern ProSiebenSat.1 denkt darüber nach, für bislang frei empfangbare Sender Gebühren zu verlangen. Auch für andere Sender werden Bezahlmodelle wichtig, eine Einführung von Pay-TV durch die Hintertür steht bevor.

Von heute bis Samstag versammeln sind die wichtigen Entscheidungsträger der deutschen Medienbranche in München. Auf den Medientagen debattieren sie über die Zukunft von Fernsehen und Zeitung. Ein heiß diskutiertes Thema ist dabei eine Ankündigung von ProSiebenSat.1, die das „Handelsblatt“ heute vermeldet.

„Der Konzern plant, für bisher frei empfangbare Sender wie Pro Sieben, Sat 1 oder Kabel 1 von den Zuschauern eine Nutzungsgebühr zu verlangen“, schreibt das Blatt. Gibt es also demnächst Heidi Klums Modelcasting oder „Schlag den Raab“ nur noch gegen Bezahlung?

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ProSiebenSat.1 will unabhängiger von Werbung werden

Schnell wird es nicht dazu kommen, wenn überhaupt. Denn eine solche Umstellung wäre Harakiri. „Die großen Free-TV Sender brauchen eine hohe Reichweite für die Werbung“, sagt Andre Wiegand, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Goldmedia. „Daher werden sie kein Risiko eingehen um dieses Geschäft zu gefährden.“

So relativiert auch Unternehmenssprecher Julian Geist den Bericht: „Wir haben keinen konkreten Plan in der Schublade.“ Doch ProSiebenSat.1 denkt intensiv über neue Einnahmequellen nach.

Man müsse unabhängiger vom Werbemarkt werden, sagte Vorstandschef Thomas Ebeling. Bis 2014 soll der Anteil der Einnahmen aus anderen Quellen auf 30 Prozent steigen, derzeit ist es etwa die Hälfte.

Auch das ist freilich nichts Neues, seit Jahren versuchen alle Sender diesen Anteil auszubauen. Nach einer aktuellen Studie von Goldmedia liegt der Anteil bei den Free-TV Sendern derzeit bei 20 Prozent. Doch durch die derzeitige Werbeflaute steigt der Druck auf die Sender, umso mehr, wenn sie wie ProSiebenSat.1 Verluste schreiben und unter hohen Schulden ächzen. Der Konzern hat 2008 bei 3,1 Milliarden Euro Umsatz einen Verlust von 129 Millionen Euro gemacht und rechnet mit einem Einbruch des deutschen Werbemarktes um 15 Prozent in diesem Jahr

„Pay oder Pleite“

Ob das Werbevolumen nach der Krise wieder auf die gewohnten Höhen ansteigt, ist fraglich. Daher müssen sich viele Sender um ihr Geschäftsmodell sorgen. Vor allem kleine Sender mit einem Marktanteil unter fünf Prozent könnten sich auf Dauer durch Werbung nicht finanzieren, erklärte Jürgen Doetz, Präsident des Verbandes Privater Rundfunk und Telemedien in München. Für die Sender gelte die Devise: „Pay oder Pleite“.

Daher hoffen nun die Verantwortlichen in vielen Sendern auf das hochauflösende Fernsehen. Geschätzte 17 Millionen HD-Fernseher stehen in deutschen Haushalten, doch bislang strahlen die Sender kaum Programme in der neuen, gestochen scharfen Bildqualität aus.

Das ändert sich nun. Ab 1. November beginnen RTL und Vox damit, viele Serien und Spielfilme in HD zu senden. Pro Sieben, Sat 1 und Kabel 1 folgen Anfang Januar. Die Programme werden zuerst über den Astra-Satelliten ausgestrahlt, die Kunden müssen einen speziellen Empfänger kaufen. Damit können sie die neuen HD-Programme ein Jahr lang kostenlos schauen, dann sollen monatlich fünf Euro fällig werden. Das hochauflösende Fernsehen ist also die Einführung von Bezahlmodellen durch die Hintertür.

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