Peer Schatz im Interview: „Wir hatten Glück“

Peer Schatz im Interview: „Wir hatten Glück“

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Qiagen-Vorstandschef Peer Schatz

Wie Vorstandschef Peer Schatz den in Deutschland und den USA notierten Biotech-Zulieferer Qiagen zu einem Milliarden-Unternehmen machen will.

WirtschaftsWoche: Herr Schatz, im vergangenen Sommer haben Sie Ihren US-Konkurrenten Digene übernommen. Vor allem dank dieser Übernahme kletterte Ihr Umsatz 2007 um 40 Prozent auf 650 Millionen Dollar. Wann überspringen Sie die Milliardengrenze?

Schatz: 2009 wollen wir deutlich mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz schaffen und sollten auch unsere organische Wachstumsrate weiter steigern können. 2014 wollen wir so bereits mehr als zwei Milliarden Dollar umsetzen. Wir haben 2007 aber auch ohne Zukäufe stark zugelegt. Unser organisches Wachstum liegt mit zwölf Prozent weit über dem Industrieschnitt.

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Die 1,4 Milliarden Dollar teure Übernahme hinterlässt starke Spuren in Ihrer Bilanz. Die Nettofinanzschulden haben sich auf 650 Millionen Dollar mehr als verzwanzigfacht, abschreibungsgefährdete Firmenwerte haben sich auf 1,1 Milliarden Dollar verachtfacht. War die Übernahme nicht viel zu teuer?

Mit etwa dem fünffachen Umsatz und dem etwa 18-fachen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen haben wir nach allen gängigen Bewertungsmaßstäben einen für uns sehr attraktiven Preis gezahlt. Der Preis liegt auch weit unter marktüblichen Preisen in unserer Industrie, die bis an die 30-fache Gewinn- und achtfache Umsatzbewertung heranreichen. Wir sehen also bei den Firmenwerten keine Risiken. Unsere langfristigen Finanzverbindlichkeiten liegen nun bei rund 40 Prozent der Bilanzsumme. Das ist zwar nicht zu hoch, aber wir werden die Quote auf unter 35 Prozent verringern.

Wie bitte? Ihr Nettoergebnis ist um fast 40 Prozent eingebrochen, der Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft ist ebenfalls stark rückläufig. Wie wollen Sie da Schulden tilgen?

Akquisitionen verursachen Einmalkosten. Diese werden in der Regel für Vorjahresvergleiche bereinigt. Unter dieser, für die Beurteilung der Finanzierungskraft relevanten Betrachtung, haben sowohl Gewinn – mit über 30 Prozent – und Cash-Flow stark zugelegt. Wir haben eine sehr solide Bilanzstruktur und erwarten weiter steigende Gewinne und Mittelzuflüsse.

Ihre Gewinnzahl sagt aber nicht viel aus, weil Sie hier zum Beispiel Aufwendungen, die aus Übernahmen entstanden, oder auch Kosten für Aktienoptionen herausrechnen.

Wir berichten sowohl die üblichen bereinigten als auch die nicht bereinigten Darstellungen. Das erlaubt bessere Vergleiche mit Wettbewerbern. 2008 werden wir die letzten zwei der 15 Akquisitionen der vergangenen Jahre verarbeitet haben. Dann werden sich bereinigte und Nettogewinne auch wieder angleichen. Unser operativer Mittelzufluss, der 2007 noch 85 Millionen Dollar betrug, wird sich in diesem Jahr nahezu verdoppeln. Ein Großteil davon würde in die Schuldentilgung fließen, was unsere Nettoverschuldung dann auf unser übliches Maß bringen sollte

Und die Gewinnmarge?

Die wird wie in den vergangenen Jahren auch in Zukunft weiter steigen. Mit der Übernahme von Digene sind wir nun auch im Kundensegment Molekulardiagnostik Weltmarktführer und haben unsere letzte Lücke geschlossen. Wir denken, die operativen Kosten von derzeit 46 auf 40 Prozent vom Umsatz senken zu können und in etwa sechs Jahren eine Gewinnmarge vor Steuern und Zinsen von 33 Prozent zu erzielen.

Das wären dann 660 Millionen Dollar Gewinn vor Steuern und Zinsen bei einem Umsatz von zwei Milliarden Dollar. Gemessen an der Bewertung der Qiagen-Aktie in der Vergangenheit müsste sich der Kurs mehr als verdoppeln. Halten die Prognosen auch einer Rezession stand?

Unsere Kunden wie Diagnostiklabors, Forschungslabors und die Biotech- und Pharmaindustrie haben langfristige Budgets. Die Gesundheitsindustrie ist selbst von mehrjährigen Rezessionen meistens nur in geringem Umfang betroffen.

Trifft Sie die Kreditkrise?

Wir hatten Glück und eine Woche vor Beginn der Krise unsere Finanzierung für Digene unter Dach und Fach gebracht. Natürlich verfolgen wir aber auch eine Strategie zur Absicherung von Zinsrisiken.

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