Performance-Künstler: Terence Koh: Weißes Nichts

Performance-Künstler: Terence Koh: Weißes Nichts

Terence Koh über seine Lieblingsfarbe, sein Vorbild Michael Jackson und die unübertroffene Schönheit von Kinderzeichnungen.

Streng genommen ist das Weiß keine Farbe. Dennoch ist sie für mich perfekt. Ein Ausdruck von Reinheit, von purer Schönheit. Und genau dafür fühle ich mich genetisch programmiert – um etwas zu schaffen, das die Welt schöner macht. Was aber ist Schönheit? Wahrscheinlich kann man auch ein Stück Dreck schön finden. Ich aber meine eine Schönheit, die nicht weh tut, weder emotional noch physisch.

Eine Schönheit, die den Schmerz der Welt lindert. Eine zerbrechliche, melancholische Schönheit. Ich mag Spatzen. Ich habe ein weißes Schiff und ein Ziel: Ich will mit meiner Arbeit mehr Leute bewegen als der Papst. Vielleicht wie Michael Jackson mit seinen Platten. Allein sein Album „Bad“ hat er ja 28 Millionen Mal verkauft. Das ist eine Messlatte, die ich übertreffen möchte. Nicht, dass ich mich als Priester, Schamane, Gott oder gar Popstar verstünde. Eher begreife ich mich auf meinen Reisen durch die Welt als Mönch, der versucht, sein wahres Selbst zu finden, das Nirvana zu erreichen – natürlich ohne Erfolg. Wie Kapitän Ahab in Herman Melvilles Roman „Moby Dick“ bin ich auf der Suche nach dem weißen Wal. Doch am Ende finde ich das Nichts.

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Als Künstler wird man geboren – deswegen möchte ich mich eigentlich auch nicht mit anderen Künstlern vergleichen oder mich gar an ihnen messen lassen. Es geht mir nicht darum, einmal als besserer Künstler zu gelten als etwa Marcel Duchamp oder Vincent van Gogh und berühmter zu werden als Picasso. Ich glaube aber an Reinkarnation, sehe mich deswegen gewissermaßen als kleiner Teil eines Künstlerkörpers, der von der gesamten Kunstgeschichte geformt wurde – nennen wir es doch einfach mal „United Colors“. Und damit fühle ich mich durchaus in einer Linie mit Künstlern wie Blinky Palermo, der 1977 starb – das Jahr, in dem ich geboren wurde. Ich bewundere ihn, dass er so wunderbar einfache Bilder malen konnte. Ich wünschte, ich könnte das auch – Kunst schaffen, die man schön an die Wand hängen kann (St. Louis, Art Museum, 29. Juni bis 7. September).

Ganz wunderbar finde ich auch die Bilder von Gustav Klimt . Das viele Gold in seinen Bildern – einfach herrlich romantisch (Liverpool, Tate, bis 31. August). Nach meiner eigenen Ausstellung im Gebäude der Wiener Secession, die Klimt ja mitbegründet hat, habe ich mich auch mit den Wiener Aktionisten beschäftigt, Ich sah damals, ebenfalls in Wien, eine Ausstellung über diese Künstlergruppe um Günter Brus und Hermann Nitsch, mit deren Arbeiten ich immer wieder in Bezug gebracht werde, weil wir uns ähneln, was den Umgang mit Farbe und den Einsatz des eigenen Körpers angeht. Faszinierend (Dortmund, Museum am Ostwall, bis 10. August).

Mit Joseph Beuys und seinem Hang zum Mystischen, Okkulten (Düsseldorf, Museum Kunst Palast, 14. Juni bis 9. November) fühle ich mich ebenso verbunden wie mit Andy Warhol, seinem Glamour, dem klaren Blick für die Mechanismen der Kunstwelt, seiner Auseinandersetzung mit der Konsumgesellschaft (San Francisco, Contemporary Jewish Museum, 12. Oktober 2008 bis 25. Januar 2009). Oder Ray Johnson, Begründer der sogenannten Mail Art – er verschickte seine kleinen Arbeiten, die auf dem Prinzip der dadaistischen Collage fußten und traditionelle Abstraktionsmethoden umfunktionierten, per Post. Johnson galt immer als berühmtester unbekannter Künstler und scherte sich nie groß um die etablierten Institutionen der Kunstwelt. Er war ein legendärer Außenseiter, der unter nicht geklärten Umständen starb (Stuttgart, Staatsgalerie, bis 8. Juni).

Zum Tod führen alle Pfade bei James Lee Byars, der mit seinen weißen Anzügen und dem obligatorischen goldenen Hut orientalische Praktiken mit dem westlichen Kunstbegriff zu verbinden suchte (Arnheim, Museum voor Moderne Kunst, 14. Juni bis 21. September).

Die besten Ideen habe ich nicht im Museum, sondern im Flugzeug – wenn ich mir Filme ansehe. Sie beeinflussen meine künstlerische Arbeit am meisten. Am liebsten gucke ich richtig belanglose Blockbuster, zuletzt „Iron Man“ oder „Independence Day“. Aber auch wenn das alles nach Leichtigkeit klingt und unbeschwert aussehen mag: Eine perfekte Performance, eine wirklich gelungene Ausstellung abzuliefern, das ist wirklich harte Arbeit. Kunst ist kein Spaß. Kunst ist Kampf. Ein Schmerz, der mich quält. 24 Stunden täglich. Wenn ich es gar nicht mehr aushalte, schaue ich mir am liebsten Kinderzeichnungen an. Etwas Schöneres gibt es nicht.

Koh, 30, geboren in Singapur, wuchs in Kanada auf, wo er Architektur und Grafikdesign studierte und lebt heute in New York. Mit spektakulären Performances wurde er zu einem der derzeit meistdiskutierten Künstler. Bis 31. August zeigt die Frankfurter Schirn Kunsthalle Kohs Installation „Captain Buddha“, deren surreale Objekte er mit einer Performance einweihte.

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