Pharma: Bayer-Chef wirft Gesundheitsminister Rösler Planwirtschaft vor

Pharma: Bayer-Chef wirft Gesundheitsminister Rösler Planwirtschaft vor

von Jürgen Salz

Werner Wenning, Chef des größten deutschen Medikamenten-Konzerns Bayer, verurteilt die Pläne von FDP-Gesundheitsminister Philipp Rösler zur Gesundheitsreform.

"Die Pläne sind auf breiter Front enttäuschend. Sie gehen völlig an den Bedürfnissen der Bevölkerung vorbei", sagt der Bayer-Konzernchef im Interview mit der WirtschaftsWoche. "Was diskutiert wird, ist das Gegenteil dessen, was im Koalitionsvertrag steht", so Wenning. "Da ist von wettbewerblicher Neuordnung des Arzneimittelsektors und Abbau der Überregulierung die Rede. Stattdessen verzettelt sich der Minister nun mit kurzfristigen dirigistischen Maßnahmen und droht mit einer Art Planwirtschaft."

Insbesondere wendet sich Wenning gegen die geplante Erhöhung des Zwangsrabattes, den die Hersteller an die Krankenkassen zahlen müssen, von sechs auf 16 Prozent - sowie gegen ein Preismoratorium, nachdem die Arzneimittel-Preise auf dem Stand vom 1. August 2009 eingefroren werden sollen. "Das ist alles andere als eine Strukturreform. Das sind Maßnahmen, die schon früher nicht nachhaltig zur Senkung der Gesundheitskosten geführt haben", so Wenning.

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Ebenso kritisiert der Vorstandsvorsitzende von Bayer, das die Unternehmen künftig mit dem Spitzenverband der Krankenkassen über Medikamenten-Preise verhandeln sollen: "Das hat nur wenig mit Markt und Wettbewerb zu tun. Dem Hersteller steht dann der Verband als Monopolist gegenüber. Verhandlungen führen aber nur dann zu wünschenswerten Ergebnissen, wenn auf keiner Seite Monopolstrukturen bestehen." Nach den Worten von Wenning würde Bayer lieber mit einzelnen Kassen - oder Verbünden von Kassen - verhandeln: "Entscheidend ist, dass Wettbewerb eingeführt wird."

Die Kritik an den hohen Medikamenten-Preisen in Deutschland kann der Bayer-Chef nicht verstehen: "Die Preise für neue patentgeschützte Medikamente sind in den vergangenen beiden Jahren jeweils moderat um gut zwei Prozent gestiegen. Im europäischen Vergleich liegen die deutschen Arzneimittel-Preise im Mittelfeld." Um Krankheiten bestmöglich zu behandeln, bedürfe es guter, innovativer Medikamente. Die forschenden Pharma-Unternehmen sollten laut Wenning nicht einseitig als Kostenverursacher gebrandmarkt, sondern ermutigt werden, weitere Medikamente gegen schwere Krankheiten zu entwickeln.Für den Bayer-Chef  gehen die Reformpläne "sehr wohl zulasten der Patienten, denn sie schwächen die Innovationskraft der Branche, schaden der Investitionsbereitschaft der Unternehmen und fügen damit dem Standort Deutschland mittelfristig Schaden zu."

Kein Aufsichtsratsvorsitzender

Wenning, dessen Amtszeit am 30. September endet, wird danach nicht den Aufsichtsratsvorsitz beim Leverkusener Pharma- und Chemiekonzern übernehmen. Darauf angesprochen, antwortet Wenning im Interview mit der WirtschaftsWoche mit einem klaren "Nein." Wenning weiter:  "Natürlich würde ich Bayer gerne im Aufsichtsrat weiter begleiten. Aber die derzeitige Gesetzeslage lässt dies nicht zu.", sagt Wenning im Interview mit der WirtschaftsWoche. Bislang war es bei Bayer üblich, dass der scheidende Vorstandschef anschließend den Vorsitz im Aufsichtsrat übernimmt. Nach den neuen Regeln zur guten Unternehmensführung (Corporate Governance) müssen Vorstände zwei Jahre warten, um in das Kontrollgremium wechseln zu können. Eine Ausnahme gilt nur, wenn sie dazu auf der Hauptversammlung  - auf Vorschlag von Aktionären - mehr als 25 Prozent der Stimmen erhalten. Nachfolger von Wenning an der Konzernspitze wird zum 1. Oktober der Niederländer Marijn Dekkers.

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