Pharma: Neue Pille gegen Schlaganfall

Pharma: Neue Pille gegen Schlaganfall

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Moderne Geraete zur Ueberwachung und Therapie von Schlaganfallpatienten

Der Pharmakonzern Boehringer Ingelheim hat die Zulassung für ein neues Medikament zur Vorbeugung gegen Schlaganfall erhalten. Was taugt die neue Pille? Und wie kann ich mich vor Schlaganfall schützen? Sechs Fragen, sechs Antworten zum Thema.

Was ist ein Schlaganfall?

Der Schlaganfall ist so gefährlich, weil er den Menschen an einer sensiblen Stelle trifft – in der Schaltzentrale des Gehirns. Dort, wo das Fühlen, Denken, Sprechen und die Bewegungen gesteuert werden. Ein Schlaganfall unterbricht die Versorgung des Gehirns mit Sauerstoff und Nährstoffen. Ursache dafür kann entweder ein geplatztes Blutgefäß im Gehirn oder eine verstopfte Arterie sein.

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Nach Herz- und Krebserkrankungen ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache. Ein Schlaganfall ist der häufigste Grund für bleibende Behinderungen. Alle drei Minuten erleidet in Deutschland ein Mensch einen Gehirnschlag. Wissenschaftler befürchten, dass die Zahl der Schlaganfall-Opfer in den nächsten Jahren noch deutlich zunimmt. Auch junge, gesunde Menschen – ohne Übergewicht und hohen Blutdruck -  sind zunehmend betroffen.

Woran erkenne ich einen Schlaganfall?

Herabhängende Mundwinkel, Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühle, Störungen beim Sprechen und Schlucken, Sehstörungen, Schwindel, unsicheres Gehen und plötzliches Hinfallen – all das sind Warnzeichen für einen Schlaganfall. Bei diesen Anzeichen sofort 112 wählen und einen Arzt verständigen. Denn beim Schlaganfall kommt es auf Schnelligkeit an. Um den Blutklumpen auflösen zu können, sollte der Patient spätestens nach vier Stunden in der Klinik eintreffen.

Ein deutliches Warnzeichen ist auch eine Transitorisch Ischämische Attacke (TIA). Das  ist eine vorübergehende neurologische Störung, die in ihren Symptomen einem Schlaganfall gleicht, sich aber wieder vollständig zurückbildet. Eine TIA erhöht das Risiko für einen Schlaganfall ganz erheblich. Die Symptome werden durch eine Durchblutungsstörung im Gehirn hervorgerufen.

TIA`s sind Warnzeichen. TIA´s müssen als Vorzeichen eines Hirninfarktes aufgefasst werden. Die Ursachen müssen unbedingt abgeklärt und behandelt werden.

Wem helfen die neuen Pillen?

Die neue Pille Pradaxa hilft Patienten, die an Vorhofflimmern, einer Herzrhythmusstörung, leiden. Davon sind etwa eine Million Deutsche betroffen – sie haben ein fünfmal so großes Risiko, von einem Schlaganfall getroffen zu werden.

Die Gefahr des Vorhofflimmerns erklärt der Neurologe, Professor Martin Grond in der „Bunte“ recht anschaulich: Flimmert der Vorhof, schüttelt er das Blut wie einen Cocktailmixer, kleine Gerinnsel entstehen. Sie fließen mit in den Blutstrom ins Gehirn und bleiben in den kleinen Gefäßen hängen.“

Neben Pradaxa von Boehringer Ingelheim arbeiten Bayer, Pfizer und Daiichi Sankyo aus Japan an ähnlichen Präparaten. Die neuen Mittel hemmen dabei die Blutgerinnung.

 Welche Vorteile bieten die neuen Pillen?

Bislang müssen Schlaganfallgefährdete Marcumar schlucken. Das Mittel wurde ursprünglich als Rattengift entwickelt – und litt schon deswegen unter einem schlechten Image. Es weist aber auch deutliche praktische Nachteile auf. Die richtige Dosierung ist kompliziert zu handhaben. Außerdem verträgt sich Marcumar schlecht mit vielen Nahrungs- und Arzneimitteln. Marcumar-Patienten müssen häufig auf Nahrungsmittel, die Vitamin K enthalten, verzichten – also etwa Spinat, Salat, Brokkoli oder Kohl.  Auch mit einigen Medikamenten verträgt sich Marcumar schlecht.  

Das neue Mittel Pradaxa ist verträglicher und einfacher zu handhaben als Marcumar. Die Blut-Checks bei Patienten entfallen. Wechselwirkungen mit Nahrungsmitteln wurden nicht auffällig. Pradaxa  senkt – gegenüber Marcumar - das Blutungsrisiko.

Worauf ist zu achten?

Die frühere Auswertung einer Studie legte nahe, dass Pradaxa die Zahl der Herzinfarkte erhöhe. Nach einer genaueren Analyse erschien der Unterschied nicht mehr signifikant. „Vieles spricht für das Medikament, aber die Zahl der Infarkte müssen wir im Auge behalten“, sagt der Freiburger Pharmakologe Lutz Hein.

Außerdem ist noch unklar, was zu  tun ist,  wenn bei Patienten, die den Gerinnungshemmer Pradaxa nehmen, die Gerinnung wieder normalisiert werden muss – etwa nach Unfällen oder bei Notoperationen.

Wo kann ich mich noch informieren?

Weitere Informationen gibt es bei der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (www.dsg-info.de) oder bei der Deutschen Schlaganfall-Hilfe (www.schlaganfall-hilfe.de). Außerdem: www.kompetenznetz-schlaganfall.de und zu Informationen über Herzrhythmusstörungen www.kompetenznetz-vorhofflimmern.de.

Ein gutes Buch zum Thema ist „Mit einem Schlag“. Die Hirnforscherin Jill B. Taylor berichtet darin, wie sie ihren Schlaganfall erlebte (als Taschenbuch erhältlich bei Knaur). 

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