Pharma: Wennings Radikal-Kur für Bayer

Pharma: Wennings Radikal-Kur für Bayer

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Werner Wenning, der scheidende Vorstandsvorsitzende des Chemieunternehmens Bayer

von Jürgen Salz

Werner Wenning erlebt seine letzte Hauptversammlung als Bayer-Vorstandschef. Keiner seiner Vorgänger hat den Chemie- und Pharmakonzern in 146 Jahren Geschichte so stark verändert. Fast hätte Wenning auch noch das Bayer-Kreuz abmontiert.

„Weißt Du eigentlich, was Du da tust?“ Es ging hoch her, in den Betriebsversammlungen vor etwa sechs Jahren. „Da sind Leute aufgestanden, die seit Jahrzehnten bei Bayer sind“, erinnert sich Werner Wenning. Und sie ergriffen das Wort gegen den Vorstandschef. Wenning gab damals einen Großteil der Bayer-Chemie auf und trennte einfach mal so die Produktion von Kautschuk, Säuren und anderen Chemikalien ab. Bayer, das war damals vor allem ein Chemieunternehmen. Die abgespaltenen  Geschäfte übernahm das neugegründete Unternehmen Lanxess – Bayer hatte damit bald  nichts mehr zu tun.

Damit nicht genug: Innerhalb von acht Jahren hat Wenning für rund 40 Milliarden Euro Geschäfte ver- und gekauft und das Gesicht das Unternehmen völlig verändert. Bayer trennte sich etwa von dem Duft- und Geschmacksstoff-Hersteller Haarmann & Reimer und dem Wurtstpellen-Produzenten Wolff Walsrode. Der größte Coup gelang  2006: Bayer kaufte für 17 Milliarden Euro den Pharmakonkurrenten Schering. Bayer, das ist heute vor allem ein Medikamenten-Unternehmen. Durch die Übernahme stiegen die Leverkusener dann auch noch zum weltweit führenden Hersteller von Verhütungspillen auf.

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Wenning hat sich bei Bayer hochgarbeitet

Es waren harte Zeiten für Bayer, als Wenning vor acht Jahren nach der Hauptversammlung den Chefposten antrat. Den für seine gefährlichen Nebenwirkungen berüchtigten Cholesterinsenker Lipobay hatte Bayer vom Markt genommen; die Chemiekonjunktur lahmte. Wenning war schon klar, dass etwas passieren musste. Nur was? Es gab da schon Zeiten, da man sich um die Unabhängigkeit von Bayer Sorgen machen musste. Der Kurs schien nicht immer klar. Einmal stand  Bayer vor einer entscheidenden Pharma-Fusion; doch dann scheiterte das Projekt kurz vor Schluss. Bayer fand keinen Partner für seine Medikamenten-Sparte. Also musste das Pillengeschäft aus eigener Kraft saniert werden. Wenning  bekam doch noch die Kurve.

Soviel Veränderung hatte Wenning kaum jemand zugetraut. Schließlich ist der heute 63-Jährige quasi im Unternehmen aufgewachsen Als 19-Jähriger hat er dort 1966 eine kaufmännische Lehre begonnen und sich dann, in dreieinhalb Jahrzehnten, bis zum Vorstandschef hochgearbeitet. Solche Karrieren sind selten geworden in Deutschland. Seine Verbundenheit hinderte Wenning nicht, das bei den Mitarbeitern beliebte konzerneigene Schwimmbad aus Kostengründen zu schließen. Heute residiert dort der Bayer-Besucherempfang. Fast hätte der Chef auch das Bayer-Kreuz abmontieren lassen. Eine Bürgerinitiative verhinderte dies noch.

Wenning ist stolz darauf, dass Bayer bei all den Veränderungen keinem Mitarbeiter betriebsbedingt gekündigt hat. Sicherlich gilt das für die Unternehmensteile, die im Bayer-Konzern verblieben sind.

Wirtschaftlich solide aufgestellt

Wirtschaftlich steht Bayer inzwischen wieder gut da. Auf der heutigen Hauptversammlung verkündet Wenning steigende Umsätze und Gewinne. Im vergangenen Geschäftsjahr erwirtschaftete Bayer 31,2 Milliarden Euro Umsatz – und einen Gewinn von 1,4 Milliarden Euro. Im ersten Quartal 2010 stieg der Umsatz des Leverkusener Konzerns um 5,3 Prozent auf 8,3 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr hat Wenning gestern bei der Vorlage der Quartalszahlen den Konzernausblick angehoben.

Doch es hört nicht auf mit den Veränderungen bei Bayer. Zum 1. Oktober übernimmt ein  Niederländer die Führung des Unternehmens. Sein Name: Marijn Dekkers. Normalerweise heißen Bayer-Vorstandschef Hermann-Josef, Manfred oder Werner. Dekkers ist erst seit dem 1. Januar an Bord, hat sich nicht jahrzehntelang „beim Bayer“ hochgearbeitet. Auch das hat es in Leverkusen noch nicht gegeben.

Vor wenigen Tagen meldete das Unternehmen dann gleich noch eine umwerfende Veränderung: Ebenfalls zum 1. Oktober übernimmt die gebürtige Amerikanerin Sandra E. Peterson die Leitung der Pflanzenschutz-Sparte von Bayer. Eine Frau in solch einer Führungsposition – auch das ist neu in Leverkusen.        

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