Pharma: Wyeth-Übernahme katapultiert Pfizer an die Spitze

Pharma: Wyeth-Übernahme katapultiert Pfizer an die Spitze

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Wachstum injizieren, Pfizer Wyeth

Durch die Wyeth-Übernahme steigt Pfizer zum führenden Impfstoffhersteller auf – ein lukratives Geschäft, das deutsche Hersteller verpasst haben.

Diese durchsichtige Flüssigkeit ist ein wesentlicher Grund, warum Pfizer-Chef Jeffrey Kindler in diesen schwierigen Zeiten 68 Milliarden Dollar ausgibt und den Pharmakonkurrenten Wyeth übernimmt: Prevnar, so der Name des Impfstoffs, schützt Kinder vor Lungenentzündungen. Seinem Hersteller garantiert Prevnar einen jährlichen Milliardenumsatz. Wyeth ist einer der wenigen weltweit aktiven Impfstoff-Spezialisten – und der einzige, der aktuell zum Verkauf stand.

Mit der Übernahme sichert sich der weltgrößte Pharmakonzern und Viagra-Hersteller Pfizer einen lukrativen Markt. Impfstoffe sind gefragt wie lange nicht mehr. Seit der Panik um Vogelgrippe und der Atemwegserkrankung SARS hat das Interesse an Vorsorge durch Impfung auf breiter Front zugenommen. Weltweit stieg die Nachfrage nach Impfstoffen zwischen Oktober 2007 und September 2008 um sieben Prozent, in Deutschland sogar um acht Prozent, so das US-Marktforschungsinstitut IMS Health. Impfstoffe sind mit einem weltweiten Umsatz von etwa 16 Milliarden Dollar ein kleiner, aber durchaus wachstumsträchtiger Markt. Und sie legen schneller zu als das angestammte, ungleich größere Medikamentengeschäft: Laut Branchenschätzungen wuchsen die weltweiten Pharmaumsätze 2008 lediglich um fünf Prozent.

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Impstoffe gegen Krebs und Alzheimer

Wer mischt aus Deutschland im Impfstoffgeschäft mit? Fehlanzeige. Der Zukunftsmarkt läuft derzeit ohne heimische Beteiligung. Dabei galten die Deutschen einst als führende Impfstoffforscher: 1901 erhielt der deutsche Hygiene-Professor Emil von Behring den Medizin-Nobelpreis für die Entwicklung des Diphtherie-Impfstoffes. Doch der Vorsprung ist – ähnlich wie im klassischen Medikamentengeschäft – längst verspielt. Inzwischen ist Deutschland bestenfalls noch als Produktionsstandort für ausländische Impfkonzerne interessant. Die traditionsreichen Behringwerke in Marburg gehören etwa inzwischen zum Schweizer Novartis-Konzern.

Neben Pfizer/Wyeth und Novartis beherrschen noch Sanofi (Frankreich), Glaxo-SmithKline (Großbritannien) sowie Merck & Co. (USA) den Serummarkt – alles klassische Pharmahersteller, die das Spritzen-Geschäft nutzen, um sich höheres Wachstum zu injizieren. Entsprechend rege haben sie in den vergangenen Jahren kleinere Impfstoffhersteller eingesammelt. Zuletzt übernahm Sanofi den britischen Hersteller Acambis.

Die größten Impfstoff-Hersteller der Welt

Die größten Impfstoff-Hersteller der Welt (Klicken Sie auf die Grafik für eine erweiterte Ansicht)

Impfstoffe sind nicht nur ein profitables Geschäft. Sie schützen die Hersteller auch vor allzu viel Wettbewerb, denn die Hürden für neue Konkurrenten liegen hoch. Impfstoff-Produktionsanlagen sind teuer. Ärger mit billigeren Nachahmer-Konkurrenten müssen die Serum-Spezialisten auch nicht fürchten: Anders als bei den Pharmakollegen verfallen ihre Patente nicht nach einigen Jahren.

In den vergangenen Jahren haben die Unternehmen vor allem die technologischen Möglichkeiten genutzt, die durch die Genom- und Biochemie-Forschung entstanden sind. So brachte Merck & Co. im Verein mit Sanofi sowie auf der anderen Seite GlaxoSmithKline vor mehr als einem Jahr jeweils einen eigenen Impfstoff gegen bestimmte Formen von Gebärmutterhalskrebs auf den Markt. Beide Mittel erfreuen sich inzwischen reger Nachfrage – in Deutschland übernehmen die Krankenkassen die Impfkosten bei Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren.

Die Grundlagen für die Entwicklung legte der deutsche Mediziner Harald zur Hausen, der in den Siebzigerjahren als Erster erkannte, dass bestimmte Viren Gebärmutterhalskrebs auslösen. Dafür erhielt er 2008 den Nobelpreis. Wieder mal dumm gelaufen für die deutschen Hersteller: Glaxo-SmithKline sowie Merck & Co. erkannten das Potenzial der Forschungsarbeiten früher als ihre deutschen Konkurrenten.

Nach Einschätzung des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller werden künftig nicht nur vorbeugende Vakzine auf den Markt kommen, sondern auch therapeutische Impfstoffe gegen bestimmte Krebsarten, Bluthochdruck oder Alzheimer. Bei Demenz-Patienten soll das Immunsystem etwa die schädlichen Ablagerungen im Gehirn künftig mithilfe einer heilenden Spritze selbst beseitigen. An einem Alzheimer-Impfstoff arbeitet etwa Wyeth. Dessen künftiger Eigentümer Pfizer hat bereits seit Längerem in die Entwicklung von Krebs-Impfstoffen investiert.

Auch für die deutschen Hersteller gibt es Hoffnung: Die Darmstädter Merck KGaA – nicht zu verwechseln mit der amerikanischen Merck & Co. – entwickelt einen Impfstoff gegen Lungenkrebs. 2011 könnte es soweit sein. Stimuvax, so der geplante Name des Impfstoffs, wirkt allerdings nicht vorbeugend, sondern erst nachdem der Lungenkrebs ausgebrochen ist. „Wir haben“, sagt Wolfgang Wein, der bei Merck weltweit die Onkologie leitet, „nach überzeugenden Daten im Februar 2007, mit einer Studie für die letzte Prüfphase begonnen.“

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