Pharma: Wyeth-Übernahme: Keine Lösung für Pfizer

KommentarPharma: Wyeth-Übernahme: Keine Lösung für Pfizer

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Pfizer schluckt Wyeth und seine Medikamente

Auch in wirtschaftlichen schweren Zeiten sind große Zukäufe noch möglich. Für 68 Milliarden Dollar übernimmt der weltgrößte Medikamenten-Hersteller Pfizer nun den Konkurrenten Wyeth. Ob das Pfizer allerdings auf Dauer hilft, bezweifelt WirtschaftsWoche-Reporter Jürgen Salz.

Es klingt alles beeindruckend, zunächst einmal. Kein anderes Pharmaunternehmen ist größer: Mit einem gemeinsamen Umsatz von über 70 Milliarden Dollar setzen sich Pfizer und Wyeth ganz deutlich von der Konkurrenz ab. 17 Medikamente mit einem Jahresumsatz von über einer Milliarde Dollar, sogenannte Blockbuster, hat das neue Unternehmen zu bieten - von Krebsmedikamenten über Impfstoffe bis hin zu Viagra.

Die meisten anderen Pharmaunternehmen sind schon froh, wenn sie mit drei oder vier Blockbustern auftrumpfen können. Kein anderes Unternehmen kann künftig so viele Milliarden für Forschung und Entwicklung ausgeben. Und natürlich können beide gemeinsam noch mehr einsparen, etwa durch den Abbau von Arbeitsplätzen: Ab 2012 wollen Pfizer und Wyeth ihre Kosten um jährlich vier Milliarden Dollar senken.

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Mittelfristig dürfte Pfizer Probleme bekommen

Nur: Mittelfristig dürfte Pfizer trotz der Übernahme wieder Probleme bekommen. Dafür spricht zumindest die Erfahrung der vergangenen beiden Übernahmen. Kein anderes Pharmaunternehmen hat so sehr auf Größe gesetzt wie Pfizer. Im Jahr 2000 übernahm der US-Branchenprimus den Konkurrenten Warner Lambert, drei Jahre später den Wettbewerber Pharmacia. Der Konzern wuchs, die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen blähten sich auf - und brachten kaum noch neue Medikamente aus eigener Entwicklung auf den Markt. Die neue Größe lähmte die Kreativität der Forscher. Konzernchef Hank McKinnell musste gehen, der neue Boss Jeffrey Kindler verschlankte Pfizer schließlich und entließ Tausende Beschäftigte, zuletzt auch Mitarbeiter der Forschungs- und Entwicklungsabteilung. 

Jetzt muss Kindler zunächst einmal die rund 50.000 Wyeth-Mitarbeiter in das neue Unternehmen integrieren. 130.000 Beschäftigte zählt der neue Koloss dann. Die Forschungs- und Entwicklungsabteilungen werden nun wieder einmal umorganisiert, das Management ist  zuvorderst mit den Folgen der Übernahme statt mit dem Auffinden neuer Medikamente beschäftigt. Der Kreativität förderlich ist das alles nicht. Kindler hat jedoch Zeit gewonnen, um Pfizer mit verbreiterter Medikamenten-Basis die nächsten Jahre über die Runden zu bringen. Wenn er danach dann wieder über Leere in der Medikamenten-Pipeline klagt, würde das nicht wundern.

Ein Gutes hat die Übernahme auf jeden Fall: Sie zeigt, dass auch in der Rezession große Übernahmen noch möglich sind. Anders als vielen anderen Branchen mangelt es der Pharmaindustrie nicht an Geld. Bei den Medikamenten-Herstellern sprudeln Umsätze und Gewinne noch. Doch Innovationsflaute, auslaufende Patente, die wachsende Konkurrenz durch Generika und Preisregulierungen durch die Politik machen der Pillenindustrie zu schaffen. Pfizer hat darauf reagiert, wie es in solchen Situationen stets zu reagieren pflegt - mit einer Übernahme.

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