Pharmaindustrie: Die gewagten Versprechen von Ratiopharm

Pharmaindustrie: Die gewagten Versprechen von Ratiopharm

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Tablettenherstellung bei Ratiopharm: Mit Neueinführungen und Biotech will der Generika-Hersteller die Erlöse steigern

Der Verkauf des Arzneimittelherstellers Ratiopharm geht in die heiße Phase. Chef Oliver Windholz verspricht den Käufern hohe Umsatz- und Gewinnzuwächse – eine gewagte Prognose.

Viagra? Da gibt es bald auch was von Ratiopharm. Der Hersteller von Nachahmermedikamenten (Generika) darf seine Version der Potenzpille von 2013 an in Deutschland unter die Männer bringen – sobald das Patent des Originalherstellers Pfizer abgelaufen ist. Auch in anderen europäischen Ländern kann Ratiopharm den Viagra-Wirkstoff Sildenafil wohl vermarkten – die Genehmigung der europäischen Zulassungsbehörde erwartet das Unternehmen zum Jahreswechsel.

Ratiopharm will in den kommenden Jahren noch zahlreiche weitere Medikamente neu auf den Markt bringen – darunter auch anspruchsvolle Biotech-Präparate. Bis 2014 will Unternehmenschef Oliver Windholz den Umsatz von derzeit 1,6 auf 2,4 Milliarden Euro steigern. Der operative Gewinn soll sogar von mehr als 200 Millionen auf 530 Millionen Euro zulegen – das wären 20 Prozent pro Jahr.

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Suche nach Ratiopharm-Käufer geht in heiße Phase

Ratiopharm, immer noch eine der bekanntesten Marken Deutschlands, steht zum Verkauf. Bis Ende vorvergangener Woche konnten Interessenten ihre Angebote einreichen – jetzt geht die Suche nach einem Käufer in die heiße Phase. „Da versucht einer, die Braut zu schmücken“, lästert ein Konkurrent über die Umsatz- und Ergebnisversprechen von Windholz. Tatsächlich steht Ratiopharm nicht so glänzend da, wie Windholz, ein gelernter Vertriebsmann, die Kaufinteressenten glauben machen will.

Denn in der Generika-Branche tobt ein heftiger Preiskampf – und Ratiopharm steckt mittendrin. Immer mehr deutsche Krankenkassen drängen auf pauschale Rabattverträge. Auch weltweit nimmt der Preiswettbewerb zu – die großen Zeiten im Generika-Geschäft sind vorbei. Die Luft ist dünner geworden. Entsprechend verschlechtern sich die Perspektiven für Ratiopharm – und die Bewertungen der Unternehmen. Vor vier Jahren noch verkauften die Hexal-Gründer Thomas und Andreas Strüngmann ihr Unternehmen für 5,6 Milliarden Euro. Ratiopharm darf allenfalls mit etwa drei Milliarden Euro rechnen.

Mit dem Geld will die Familie ihre Schulden – geschätzt drei Milliarden Euro – abbauen. Adolf Merckle hatte sich in der Krise verspekuliert und nahm sich im Januar dieses Jahres das Leben. Es ist sein Lebenswerk, das da zum Verkauf steht.

Nächste Bieterrunde startet im Dezember

Keine Besserung: Weltweiter Umsatz von Ratiopharm

Keine Besserung: Weltweiter Umsatz von Ratiopharm

Zwischen 2 und 2,5 Milliarden Euro sollen die Interessenten aktuell geboten haben. Dazu zählen, wie in der Branche zu hören ist, nicht nur Pharmagrößen wie Pfizer (USA), Sanofi (Frankreich) und Teva (Israel). Auch etliche Finanzinvestoren wie KKR und TPG reichten ihre Angebote ein. Advent und Goldman Private Equity haben eine gemeinsame Offerte abgegeben. Die nächste Bieterrunde soll bereits Mitte Dezember starten.

Hans-Joachim Ziems sondiert derzeit die Angebote. Der Unternehmensberater aus Köln hat das Sagen beim Ratiopharm-Verkauf. Vier Tage die Woche arbeitet Ziems auf dem Ratiopharm-Gelände in Ulm. Der Diplom-Kaufmann war bereits vor Jahren bei der Sanierung des Medienimperiums von Leo Kirch im Einsatz. Nun führt Ziems – auf Wunsch der Merckle-Gläubigerbanken – die Familienholding VEM. Adolf Merckles ältestem Sohn Ludwig wollten die Finanzinstitute die Leitung der Gesellschaft nicht mehr anvertrauen.

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