
Die Ursache ist hausgemacht. Seit einigen Jahren bauen die Krankenkassen ihre Macht im Generika-Markt aus und verhandeln nun direkt mit den Herstellern über Rabatte für rezeptpflichtige Medikamente. Doch ausgerechnet bei den Verhandlungen mit Deutschlands größter Krankenkasse, der AOK, ging Ratiopharm leer aus – obwohl sich die Ulmer wohl sehr bemüht hatten.
Rabatt gegen Exklusivvertrag, lautet der Deal. Um Arznei-Ausgaben zu sparen, hatte die AOK die Generika-Hersteller vor Monaten zur Abgabe von Rabattangeboten aufgefordert. Die Ortskrankenkassen wählten dann die jeweils günstigste Wirkstoffofferte aus und erklärten den Sieger zum Exklusivlieferanten. Für AOK-Patienten bedeutet das: Sie erhalten in der Apotheke nur dieses Medikament.
Der Hersteller verdient zwar weniger an seinem Produkt, steigert aber seinen Umsatz. Vor allem wegen gravierender Formfehler bei der Abgabe der Gebote sei Ratiopharm bei der AOK nicht zum Zuge gekommen, heißt es in der Branche.
Kaum noch Wachstum auf deutschen Markt in Sicht
Zwar konnte Windholz bei ähnlichen Abschlüssen mit der Techniker Krankenkasse, der Barmer Ersatzkasse oder der DAK punkten. Und zudem liegen die Ulmer in rabattvertragsfreien Zonen – bei rezeptfreien Pillen oder im Krankenhausgeschäft – vorn. Doch die AOK-Schlappe konnten sie bislang nicht wettmachen.
Viele Krankenkassen haben den Herstellern Rabattverträge abgerungen. Über zwei Drittel des deutschen Generika-Marktes sind mittlerweile rabattgeregelt. Beim intensiven Preiswettbewerb schrumpfen die Margen der Hersteller.
Auf dem deutschen Markt erwartet Ratiopharm denn auch kaum noch Wachstum. Entsprechend will Windholz den Auslandsanteil in den kommenden Jahren von 53 auf 60 Prozent steigern. Mit seinen Pillen ist das Unternehmen allerdings nur in Europa und Kanada nennenswert vertreten. „Wir sehen in den meisten großen Märkten einen verschärften Preiswettbewerb“, dämpft allerdings Murray Atken vom US-Marktforschungsinstitut IMS Health die Erwartungen.
Ratiopharm setzt auf Biotech-Medikamente
Die Hoffnungen von Ratiopharm ruhen nun vor allem auf Ratiograstim und Eporatio. Dahinter steckt ein neuer Trend der Branche: Biosimilars, also Biotech-Medikamente, die von Generika-Unternehmen nachgebaut werden dürfen. Sie sind 25 bis 30 Prozent billiger als die Originalpräparate – die Generika-Hersteller hoffen entsprechend auf wachsende Nachfrage und steigende Umsätze.
Ratiopharm ist mit Mitteln zur Chemotherapie (Ratiograstim) und gegen Blutarmut (Eporatio) am Start. Bis 2014 will Windholz mit Biosimilars 200 Millionen Euro einnehmen – derzeit ist es erst ein Zehntel. „Ratiopharm hat eine ordentliche Position, die Marktführer bei Biosimilars heißen allerdings Teva und Sandoz“, sagt Michael Brückner von der Unternehmensberatung Accenture. Nur wegen der Biosimilars dürfte sich der Kauf von Ratiopharm nicht lohnen.
Auch wegen der zu erwartenden Viagra-Kopie nicht. Denn darauf dürften sich auch andere Generika-Hersteller stürzen. Und bis das Ratiopharm-Nachahmermedikament in Deutschland eingeführt ist, dauert es noch einige Jahre. Ratiopharm-Manager diskutieren allerdings jetzt schon, ob sie die Potenzpille lieber im klassischen Blau oder in der Ratiopharm-Hausfarbe Orange auf den Markt bringen sollen. Der neue Eigentümer wird dabei auch noch ein Wort mitzureden haben.














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Alle Kommentare lesen19.11.2009, 23:15 UhrAnonymer Benutzer: Sonja
Es ist richtig, das ratiopharm eine immer noch bekannte Marke ist,
aber auch im OTC - Geschäft werden die Kunden kritischer und merken mittlerweile, das Medikamente wie z.b. Paracetamol oder ibuprofen
von anderen Firmen wie z.b. Hexal, Stada oder 1A - Pharma deutlich billiger sind. Der Markenname verliert ständig an Wert. Das ist wohl der Grund warum der Verkauf forciert werden soll.
18.11.2009, 11:00 UhrAnonymer Benutzer: stein
...machen Sie sich mal keine Sorgen,die Käufer werden sich das Unternehmen und seine Zukunftsaussichten schon genau anschaun.Vollmundige Ankündigungen reichen bei Verkaufsprozessen dieser Grössenordnung nicht.Was nicht belegbar ist,schlägt sich auch nicht im Kaufpreis nieder.Allerdings gehört zu jedem Kauf auch etwas Phantasie und die kann man bei einer marke wie ratiopharm sicher haben.
18.11.2009, 09:58 UhrAnonymer Benutzer: die haben's nötig
Windholz versucht mit allen Mitteln ratiopharm interessant zu machen. OK, das ist sein Job. Realistisch muss man sagen, daß das deutsche Geschäft schlecht läuft. insbesondere ist ratiopharm bei wichtigen Ausschreibungen (AOK) nicht zum Zug gekommen. international herscht Stagnation. Aus lauter Verzweiflung werden nun unrealistische Ziele sowie Viagra-Ankündigen veröffentlicht. Warum sollte also jemand ratiopahrm kaufen? Aus meiner Sicht nur des Namens wegen. ist der über 2 Mrd wert? ich glaube kaum.