Pharmaindustrie: Merck & Co. kauft sich Zukunft

KommentarPharmaindustrie: Merck & Co. kauft sich Zukunft

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Hauptquartier von Merck in Whitehouse Station, USA

Die Konsolidierung in der Medikamenten-Branche geht weiter: Nachdem Pfizer erst vor Wochen den US-Konkurrenten Wyeth übernommen hat, schluckt Merck & Co. nun für 41 Milliarden Dollar den Rivalen Schering Plough. Die Übernahme könnte zum Erfolg werden, meint WirtschaftsWoche-Redakteur Jürgen Salz.

Beide Unternehmen blicken übrigens auf deutsche Vorfahren zurück. Doch mit der deutschen Merck KGaA und der deutschen Schering - inzwischen Teil des Bayer-Konzerns - haben die amerikanischen Konzerne Merck & Co. und Schering-Plough heute nichts mehr zu tun.

Gemeinsam bringen es Merck & Co und Schering-Plough nun auf einen Umsatz von 47 Milliarden Dollar.Das reicht in der aktuellen Pharma-Weltrangliste wohl für Platz zwei hinter dem Branchenprimus Pfizer, der gerade erst vor Wochen 68 Milliarden Dollar für den Kauf von Wyeth ausgegeben hat. Für den jüngsten Zusammenschluss zwischen Merck & Co. und Schering-Plough haben Experten bereits ein jährliches Einsparpotenzial von 3,5 Milliarden Dollar ausgerechnet. Beide Unternehmen wappnen sich so gegen die Unwägbarkeiten des Pharmamarktes.

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Auslaufende Patente und Konkurrenz durch billige Nachahmerpillen machen den meisten Pharmakonzernen zu schaffen. Die Pillenproduzenten erzielen zwar hohe Gewinne, gehen aber auch ein großes Risiko: Nie können sie sicher sein, ob sie ihre Milliardeninvestitionen in Forschung und Entwicklung auch wieder hereinholen. So hatten Merck & Co und Schering-Plough gemeinsam einen Cholesterinsenker entwickelt, der sich zunächst auch gut verkaufte. Eine medizinische Studie legte dann jedoch den Schluss nahe, dass die Wirkung des Mittels sehr begrenzt ist - die Umsätze geaben deutlich nach. Noch ärger traf es Merck & Co. mit dem Schermzmittel Vioxx: Es soll Herzinfarkte und Schlaganfälle verursachen; Merck & Co. musste das Mittel vor etwa fünf Jahren vom Markt nehmen; der Konzernchef musste gehen, die Gerichtsprozesse kosteten das Unternehmen Milliarden Dollar.

Übernahme von Konkurrenten vergrößert Medikamenten-Basis

Um ihr Risiko gering zu halten, sind die Konzerne geneigt, sich nicht nur von wenigen Präparaten abhängig zu machen. Ihre Medikamenten-Basis vergrößern sie vor allem durch Übernahmen von Konkurrenten. Im aktuellen Fall könnte die Logik für Merck & Co. aufgehen: Schering-Plough ist in den vergangenen Jahren gut gewachsen und hat etwa ein halbes Dutzend Medikamente in der Entwicklung, die in nicht allzu ferner Zukunft jeweils einen Jahresumsatz von einer Milliarde Dollar und mehr erreichen könnten.

Den deutschen Pharmaunternehmen hat die US-Fusion übrigens gut getan. Der Markt erwartet nun weitere Zusammenschlüsse. Die Aktien von Bayer und der Merck KGaA sind gestiegen. Einige Analysten meinten allerdings schon, dass der Kursanstieg bei der deutschen Merck auf einer Verwechslung mit dem amerikanischen Unternehmen beruhen könnte.

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