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Philipp Hildebrand: In die Versenkung und zurück

von Holger Alich Quelle: Handelsblatt Online

Der ehemalige Schweizer Notenbankchef geht zum Vermögensverwalter Blackrock. Hildebrand musste schon eigene Skandale meistern. Nun berät er für Blackrock Kunden und Regierungen bei der Krisenbewältigung beraten.

Der Ex-Notenbanker kehrt nach einer Schamfrist in die Finanzwelt zurück. Quelle: AFP
Der Ex-Notenbanker kehrt nach einer Schamfrist in die Finanzwelt zurück. Quelle: AFP

ZürichSein Rückzug war spektakulär. Als Schweizer Notenbank-Chef musste Philipp Hildebrand am 9. Januar zurücktreten. Der Grund: die Devisengeschäfte seiner Frau. Über einen Datendiebstahl war bekannt geworden, dass Kashya Hildebrand über das gemeinsame Konto kurz vor wichtigen geldpolitischen Entscheidungen der Zentralbank Transaktionen in Höhe von 504.000 Dollar getätigt hatte.

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Nun folgt sein Comeback. Der 48-Jährige heuert ab Oktober als Vize-Präsident des Verwaltungsrats beim Vermögensverwalter Blackrock an. Dort soll er sich um die Beziehungen zu Großkunden in Europa, Asien und Afrika kümmern. Das teilte Blackrock gestern mit. Sein früherer Arbeitgeber, die Schweizer Notenbank (SNB), hat nichts gegen den Wechsel in die Privatwirtschaft einzuwenden, da die Frist von sechs Monaten eingehalten wird.

Der neue Job bietet dem gut verdrahteten Ex-Notenbanker nicht nur eine Rückkehr in die internationale Hochfinanz. Hildebrand dürfte auch wieder zu einem Akteur in puncto Krisenbewältigung werden.

Denn Blackrock verwaltet für seine Kunden nicht nur insgesamt 3,7 Billionen Dollar Vermögen; das Unternehmen berät auch Regierungen. So half Blackrock zum Beispiel den USA dabei, das Bankenrettungspaket namens Tarp zu schnüren. In Europa hat Blackrock auch die griechische Regierung in Sachen Krisenbewältigung beraten.

Nach Angaben eines Blackrock-Sprechers soll Hildebrand auch in diesem Regierungsgeschäft zum Einsatz kommen, auch wenn der Schwerpunkt seiner Tätigkeit auf Kontaktpflege und Beratung der großen, institutionellen Finanzkunden läge. Genau das reizt Hildebrand. „Die Vernetzung der Volkswirtschaft mit der Finanzwelt ist meine Leidenschaft“, erklärte er am vergangenen Freitag im Interview mit „nzz-online“.


Intaktes Netzwerk, zielstrebiger Aufstieg

Seine internationale Reputation scheint durch den Devisenskandal nicht gelitten zu haben. Erst am vergangenen Freitag plauderte er locker und entspannt am Rande des Swiss-Economic-Forums über die Euro-Krise: „Ohne eine Stabilisierung des Bankensektors wird das Vertrauen nicht zurückkehren.“ Und Blackrock-Chef Laurence D. Fink erklärte über seinen neuen Mitarbeiter: „Es gibt nur wenige Führungspersönlichkeiten, die aufgrund ihres Fachwissens, ihrer Urteilsfähigkeit und ihrer Integrität so geschätzt werden wie Philipp Hildebrand.“

Sein Netzwerk ist intakt. So ist Hildebrand auch noch Mitglied der einflussreichen „Group of Thirty“. Dieser informelle Club von Notenbankern und Finanzmanagern äußert sich regelmäßig zu Fragen der Finanz- und Geldpolitik und hat neben dem Schweizer nur noch zwei weitere deutschsprachige Mitglieder: Ex-Bundesbankchef und UBS-Präsident Axel Weber und Gerd Häusler, Chef der Bayerischen Landesbank.

Sein Aufstieg verlief zielstrebig. Zunächst war er Mitarbeiter des World-Economic-Forums. Dort knüpfte er Kontakte zur US-Hedge-Fonds-Szene, wo er 1995 Partner bei Moore Capital Management wurde. Nach Stationen in der Schweizer Bankwirtschaft wechselte er 2003 zur Schweizer Notenbank, deren Leitung er im Jahr 2010 übernahm.

So geschätzt Hildebrand international ist, so unbeliebt ist er bei der Schweizer rechtskonservativen SVP-Partei und deren Vordenker Christoph Blocher, was eine Rückkehr des Ex-Notenbankchefs in die Schweiz derzeit unwahrscheinlich erscheinen lässt. Das Notenbank-Reglement wurde nach dem spektakulären Devisenskandal erheblich verschärft.

Hildebrand selbst hat das Kapitel abgehakt. Er habe „neun fantastische Jahre“ bei der Notenbank gehabt. „Das Ende aber wünsche ich keinem“, fügte er an.

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