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Phillips de Pury: Studiokeramik wird teuer

von Matthias Thibaut Quelle: Handelsblatt Online

Seit einigen Jahren ziehen die Preise für britische Meisterkeramik an. Die Sammler sitzen auch in Deutschland. Hans Copers Wandarbeit avancierte zur teuersten Keramik des 20. Jahrhunderts.

Sechs Teller im Set von Hans Coper und Lucie Rie. Quelle: handelsblatt.com
Sechs Teller im Set von Hans Coper und Lucie Rie. Quelle: handelsblatt.com

Sie fühle sich beim Töpfern wie der liebe Gott, schwärmte die in Wien geborene Lucie Rie über ihre Arbeit. Sie übte sie bis ins höchste Alter aus. Die Töpferin starb mit 93 in ihrem Wohnstudio in Pimlico in London. Sammler, die kaufen wollen, kommen noch an die begehrte Keramik. Nicht alle sind so edel wie die Sgraffito-Schale mit dem Kratzmuster, die Phillips de Pury im Juni 2010 in New York für den Rekordpreis von 75 000 Dollar versteigerte - bei einer Schätzung von nur 14 000 Dollar.

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Als Phillips de Pury in London am 27. September eine der erlesensten Sammlungen mit ihren Stücken auf den Markt brachte, verdoppelten sich wieder viele Schätzungen. Eine 50 Zentimeter große Monumentalvase, eines ihrer größten Werke überhaupt, wurde mit 34 850 Pfund (39 900 Euro) teuerstes Los. „Lucies Markt ist schon sehr lange sehr stark“, fasst Experte Ben Williams zusammen. „Wir hatten Bieter aus Russland, Japan, Nord- und Südamerika, der Schweiz und Frankreich, und, ja, auch in Deutschland werden Lucie Rie und Hans Coper stark gesammelt.“

Hans Coper, Lucies Freund und Kollege, war 1939 aus Chemnitz nach England geflohen. Als er 1946 als Assistent bei Lucie Rie anfing, hatte er vom Töpfern wenig Ahnung, begann aber bald seine eigene Karriere. Er arbeitete langsam. Anders als Rie zerschlug er mit dem Hammer, was seinem Standard nicht entsprach. Mitte der 1970er-Jahre erkrankte Coper und konnte zuletzt nur noch kleine, sparsam geformte Stücke machen. Diese extrem stilisierten „Cycladic Pieces“ der Spätphase gehören zu seinen gesuchtesten Werken. Nun brachte eines dieser späten Stücke bei Phillips 63 650 Pfund. Copers Markt ist anders als der von Rie: "Hier besteht die Gefahr, dass der Nachschub austrocknet, und wenn Stücke nicht sichtbar sind, gibt es keinen richtigen Markt", räumt Williams ein.

„Wir versteigern ihre besten Stücke“

Im Mittelpunkt dieses globalen Nischenmarktes - zu dem noch Töpfer wie der Engländer Bernard Leach oder der Japaner Shoji Hamada gerechnet werden können - steht Williams steht langem. Er war der Kollege des Filmregisseurs Cyril Frankel, der den Rie-Markt begründete - als Experte erst bei Christie's, dann bis zu seinem Ruhestand bei Bonhams. Als Williams 2007 zu Phillips der Pury wechselte, verlagerte sich das Marktzentrum, und die sogenannten Studiokeramiker bekamen einen neuen Kontext: „Wir versteigern ihre besten Stücke in den Design-Auktionen, wo ihre plastischen Eigenschaften besser gewürdigt werden.“

Der Käuferkreis erweiterte sich um zeitgenössische Design- und Kunstsammler, aber auch Dekorateure, die für die Inneneinrichtung der Superreichen kaufen. Die Werke der asketischen Töpfer konkurrierten nun mit luxuriösen Art-Déco-Vasen von Jean Dunand oder von George Jouve, und die Preise machten wieder einen Satz nach vorn.

Phillips' Berkeley-Sammlung brachte für 33 Stücke von Rie und Coper 658 875 Pfund. Einlieferer war der hochbetagte Geof Walker, der als guter Nachbar und Freund die erste Wahl hatte. Nicht aus dieser Sammlung stammte das Hauptstück, Copers „Swinton School Wall“ - in die Wand montierte keramische „Bullaugen“. Das Werk aus neun Doppelstücken wurde mit 181 250 Pfund die teuerste Keramik des 20. Jahrhunderts im Auktionsbetrieb. Nur noch ein ähnliches Werk soll existieren - eine einseitige „Wand“, die in den 1980er-Jahren einmal bei Christie's versteigert wurde. Insider glauben, ohne Genaues zu wissen, dass sie sich in einer Düsseldorfer Sammlung befindet.

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