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Pilotenstreik: Lufthansa-Piloten drohen mit Streiks im Wochentakt

von ov/dpa/Reuters

Der wohl größte Streik in der deutschen Luftfahrtgeschichte hat begonnen. Noch hält sich das Chaos in Grenzen, die meisten Kunden sind gut vorbereitet. Doch die Pilotenvereinigung Cockpit droht bereits mit neuen Streiks.

Lufthansa-Streik: Das große Quelle: AP
Lufthansa-Streik: Das große Chaos blieb bislang aus Quelle: AP
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Der Pilotenstreik dauert erst wenige Stunden, da ist er für die meisten Reisenden und Mitarbeiter im Terminal 1 des Frankfurter Flughafens schon fast Routine. „Ich wusste ja, dass sie streiken“, sagt Rentner Manfred Pleger, der am Montagmorgen nach Lissabon unterwegs ist. „Da habe ich gleich eine andere Gesellschaft gebucht.“

Michael Peine, mit der Nachtmaschine aus Boston gelandet, berichtet: „Ich bin extra einen Tag früher zurückgeflogen.“ Nun schaut er aus Neugier auf der Abflugebene des größten deutschen Flughafens vorbei, „um zu sehen, was überhaupt noch geht“. Doch der Blick ins Terminal zeigt kein Chaos. Die meisten Passagiere der vielen gestrichenen Flüge sind gar nicht erst gekommen. Die längste Schlange steht vor jenem Lufthansa-Schalter, an dem das Gepäck für die trotz Streiks abgehenden Flüge aufgegeben wird.

Täglich 390 Abflüge mit etwa 38 000 Passagieren zählt Lufthansa gewöhnlich in Frankfurt. Am ersten Streiktag hofft die nun flügellahme Kranich-Linie auf gerade einmal 140 Starts. Auf der Anzeigetafel ist zu erfahren: Fluggäste nach New York, Warschau oder Florenz können einchecken. Doch hinter den meisten Lufthansa-Flugnummern heißt es: „annulliert“. Wer nach Prag, München oder Istanbul will, für den steht das Drehkreuz Frankfurt still.

Piloten drohen mit Streiks im Wochenrhytmus

Dieses Bild könnte noch länger zu sehen sein, denn im Tarifkonflikt zeichnet sich auch nach Beginn des Pilotenstreiks keine Annäherung ab. Nach Angaben eines Sprechers der Pilotenvereinigung Cockpit gibt es derzeit keinen Kontakt und keine Verhandlungen mit der Lufthansa. „Offenbar reicht der Lufthansa der Druck von vier Tagen Streik noch immer nicht“, sagte Cockpit-Vorstand Alexander Gerhard-Madjidi am Montag am Frankfurter Flughafen.

„Wir bluffen nicht.“ Cockpit sei gesprächsbereit. Sollte es am Ende des aktuellen Streiks aber weiter keine Gespräche geben, seien neue Streiks denkbar. „Wir können das im Wochenrhythmus wiederholen.“

Nach derzeitigem Stand werde der Streik wie geplant bis Donnerstag fortgesetzt. Damit dürften binnen vier Tagen rund 3200 Flüge ausfallen. Dies wäre der größte Streik in der deutschen Luftfahrtgeschichte.

In dem Tarifkonflikt geht es um Geld, Arbeitsplatzsicherung und Einfluss auf die Firmenpolitik. Die Gewerkschaft will verhindern, dass durch billigere Lufthansa-Töchter vor allem im Ausland eine innerbetriebliche Konkurrenz entsteht. Daher verlangt sie auch Mitsprache bei den Auslandstöchtern. Lufthansa hält dies für unzulässig.

Die Fluggesellschaft zeigte sich offen für Verhandlungen. „Wir sind dialogbereit, wenn Cockpit das Gesprächsthema vom Tisch nimmt, dass man tarifvertraglich mitentscheiden möchte, wo die Lufthansa welche Flugzeuge mit Lufthansa-Klassik-Piloten besetzt“, sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther im Deutschlandfunk. „Man versucht da praktisch, das Tarifvertragsrecht ins Ausland auszuweiten. Das ist mit uns nicht verhandelbar.“

Cockpit hatte um Mitternacht begonnen, große Teile des Lufthansa- Flugverkehrs lahmzulegen. Rund 4000 Piloten sind zum Streik aufgerufen. An den größten deutschen Flughäfen in Frankfurt, Düsseldorf, München, Berlin und Hamburg fielen schon am Montagmorgen zahlreiche Flüge aus. Etwa 800 Flüge werden nach Einschätzung der Lufthansa über den Tag ausfallen. Das wären etwa zwei Drittel der Flüge, die von der Gewerkschaft bestreikt werden können. Das restliche Drittel der Flieger soll abheben.

8 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 22.02.2010, 23:29 UhrAnonymer Benutzer: Helmers

    Wie von mir vorausgesagt, ist der Millionärsstreik gescheitert. Völliges Unverständnis über Großverdiener hier im Lande. Maßlos, sinnlos, zwecklos. Demnächst wird euch gezeigt, wer der Herr im Hause ist!!! Die Zeiten der großen Schnauze und der Fliegermütze sind erst mal vorbei.

  • 22.02.2010, 19:14 UhrAnonymer Benutzer: Singapore-Airline-Flieger

    Die "busfahrer der Lüfte " booten sich selbst aus dem Rennen. Die Einkommen sind derart abgehoben, daß ich schon aus Prinzip keine LH-Flüge mehr anfrage. Letztendlich haben die Jungs doch nur Angst, ihre ebenso gut qualifierten Kollgen von AUA & Co. könnten ihnen die Jobs streitig machen.
    Heute früh im Radio sagte so ein Streikender, daß er nun nicht mehr 14 Jahre auf den Aufstieg zum Kapität sondern gar 20 Jahre warten muß. Ja sind denn das dort beamte oder haben die JUngs eine Karrieregarantie ? Fegt diese abgehobenen Heinis hinfort und macht die LH wieder zu einem wahren Dienstleistungsunternehmen und nicht zu einem Selbstbedienungsladen. Diese sich elitär gebenden Piloten sollen mal weder auf den Erdboden hinabsteigen ! Und wenn ihnen das alles nicht paßt, sollten sie sich "normale" Jobs suchen. Denn das bundesdeutsche Durchschnittseinkommen liegt bei rd. 37.000 €/Jahr. Viel Spaß dann noch im richtigen Leben !

  • 22.02.2010, 18:36 UhrAnonymer Benutzer: Unverhältnismäßig

    ich habe jahrelang studiert, bei namenhaften Firmen internationale Praktika gesammelt, 2 Jahrzehnte auf Privatleben fast ganz verzichtet und habe heute einen guten Job, der für meine Altersklasse fast fürstlich entlohnt wird. Dennoch bin ich weit weg von dem Lohnniveau und den unendlich vielen Sondervergünstigungen der Piloten – die, das wir oft vergessen, mit ihrer 2—jährigen Ausbildung kürzer auf der Schulbank saßen als jeder gewöhnliche Lehrling. Ohne Sozialneid zu schüren, aber ich denke, die Piloten sind ganz gut versorgt, auch wenn die Tage lang werden können, Schichtdienst die Regel ist und das Privatleben leidet. Dies ist bei Ärzten, die meiner Meinung nach noch mehr Verantwortung tragen als Piloten, im Übrigen nicht anders!
    Was sich diese Götter in blau jedoch nicht bewusst sind: der gigantische Schaden, der verursacht wird, wird am Ende von jemandem zu bezahlen sein. Und wenn es durch einen Stellenabbau in späteren Jahren sein wird, wenn die Lufthansa wieder in den roten Zahlen steckt – so wie viel Konkurrenten auf dem Globus. Den volkswirtschaftlichen Schaden bezahlen alle. Auch den nicht bezifferbaren! Ein beispiel? ich möchte diese Woche nach Jahren mit Familie in den verdienten Urlaub starten. Ob mein Zubringerflug oder der Hauptflug selbst überhaupt stattfinden? Kann mir keiner sagen. Ob mir je irgendjemand die tausende von EUR ersetzen wird, die beim Warten im Terminal einfach verpuffen? Wohl kaum.
    Es ist zum Kotzen! Schon im Sommer 2008 hat mir der letzte Streik den Urlaub zerstört, nun läuft es wieder darauf hinaus. Unser nächster Urlaubort wird definitiv mit dem Auto angesteuert werden. Unser nächster Urlaub per Flieger irgendwann sicherlich nicht mehr mit der Lufthansa!

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