Die Geschäftsidee ist bahnbrechend: Statt auf Kunden zu warten, taucht die Firma Würth direkt bei ihnen auf. „Ich habe damals schon Produktionsverbindungshandel gemacht, ohne dass ich das Wort überhaupt kannte. Heute bringen wir einige tausend Produzenten mit 2,6 Millionen Kunden in der Welt zusammen“, sagt Würth. Zurück in die 50er: Die Tür geht auf, und herein kommt der blutjunge Vertreter Würth. Er öffnet seinen Musterkoffer und zückt das, was zu einer der Wurzeln des Erfolgs werden sollte, seine Musterkarten: „Das waren schöne Kartons mit grünem Filz, dort waren die Schrauben mit kleinen Drähten aufgezogen.“ „Das sah nicht nur gut aus, ich hatte auch Inventionen zu bieten“, sagt Würth. Das klingt nach Bach, meint aber etwas ganz anderes: Auch technisch hat Würth von Anfang an neue Wege beschritten und bewiesen, wie man mit nur scheinbar banaler Eisenware Milliarden erlöst. Reinhold Würth ist mit der Eisenbahn nach Düsseldorf gefahren, sein erster Kunde ist ein VW-Betrieb am Rhein. Ein Fingerzeig: Sein erstes Geschäft macht er ausgerechnet mit einer Werkstatt der Käfer-Firma, dem Wirtschaftswunderkonzern per se. Noch heute ist das, was nun „Automotive Aftermarket“ heißt, die Werkstattversorgung, ein Kerngeschäft der Würth-Gruppe. „Schrauben waren damals so begehrt wie heute Bier“, erzählt Würth. Sein Wirtschaftswunder beginnt also kleinteilig. Dem KFZ-Meister präsentiert der junge Vertreter gleich eine der ersten der „Inventionen“ seines Vaters: Die Innenverkleidung der VW-Transporter ist aus Karton, die Werksschrauben aber geben schnell auf, und es klappert heftig in der ersten „Bully“-Generation. Würth bietet den VW-Betrieben komplette Sätze mit vergrößerten Blechschrauben an und beweist Problemlösungskompetenz. Noch heute beliefert Würth die VW-Werkstätten. Als er nach Düsseldorf fährt, ist Reinhold erst drei Jahre im Geschäft des Vaters. Fotos zeigen Adolf Würth als freundlichen, Zigarre rauchenden Familienvater. Würth senior ist zunächst als leitender Angestellter in einem Kupferzeller Schraubengroßhandel, macht sich aber nach Kriegsende 1945 als Schraubengroßhändler selbstständig.
Lesen Sie weiter auf Seite 3: Erst als der Gründer die Autobranche entdeckt, beginnt sein Aufstieg











