Pleite: Arcandor-Insolvenzverwalter erwartet bis zu 75.000 Gläubiger

Pleite: Arcandor-Insolvenzverwalter erwartet bis zu 75.000 Gläubiger

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28.000 Beschäftigte zählen zu den Arcandor-Gläubigern

Von der Arcandor-Pleite sind nach Schätzungen von Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg bis zu 75.000 Gläubiger betroffen. Der Konzern und seine Tochterunternehmen wie Karstadt oder Quelle schuldeten nicht nur Lieferanten und Dienstleistern Geld, sondern auch Tausenden von Mitarbeitern, sagte Görgs-Sprecher Thomas Schulz.

28.000 Beschäftigte sollen nach Informationen von wiwo.de betroffen sein. Viele der Beschäftigten hätten nach der Insolvenzanmeldung ihr Gehalt nicht mehr in voller Höhe erhalten, berichtete der Sprecher. Denn die Bundesagentur für Arbeit habe zwar damals die Lohn- und Gehaltszahlungen übernommen. Das Insolvenzgeld sei aber nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze gezahlt worden. Auch Forderungen der Beschäftigten aus der Zeit vor der Insolvenz - etwa Reisekosten -müssten nun im Insolvenzverfahren angemeldet werden. Ein großer Gläubiger ist Schulz zufolge außerdem die Bundesagentur für Arbeit. Sie hatte in den vergangenen drei Monaten die Löhne und Gehälter der von der Insolvenz betroffenen mehr als 40.000 Mitarbeiter gezahlt. Die ersten Gläubigerversammlungen für den Konzern sollen im November stattfinden.

Langsam wird es auch ernst für Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz: Die Insolvenz des Warenhauskonzerns Arcandor kann die 65-Jährige einem Bericht des „Stern“ zufolge teuer zu stehen kommen. Demnach haftet Schickedanz mit bis zu 215 Millionen Euro ihres Privatvermögens für Kredite beim Kölner Bankhaus Sal. Oppenheim, die sie für den Kauf von Arcandor-Aktien aufgenommen hatte. Am 16. Oktober 2008 habe sie alles verpfändet, was ihr in Deutschland persönlich und als Alleineigentümerin gehört.

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Die Bank ließ sich dem Bericht zufolge Grundschulden von 215 Millionen Euro in die Grundbücher der Schickedanz-Anwesen eintragen. Eine Zwangsvollstreckung droht nach Informationen des Bayerischen Rundfunks jedoch nicht. Noch vor wenigen Jahren zählte Schickedanz zu den reichsten Deutschen. 2007 wurde sie in einer Liste des Forbes Magazins mit einem geschätzten Vermögen von 5,5 Milliarden Dollar (3,87 Milliarden Euro) auf Rang 16 geführt. Doch mit dem drastischen Wertverlust der Arcandor-Aktien in den vergangenen Monaten schmolzen die Milliarden zusammen.

Schickedanz beklagte öffentlich Auswirkungen der Arcandor-Pleite auf ihr Leben

Am Dienstag wurde nun das Insolvenzverfahren des ehemals KarstadtQuelle genannten Handelskonzerns eröffnet, an dem Schickedanz als Großaktionärin beteiligt ist. Bereits 2005 und 2008 versuchte sie, dessen wirtschaftliche Schieflage in Rettungsaktionen zu beheben. Die finanziellen Folgen ihres Engagements führten dazu, dass Schickedanz in einem Interview im Juli öffentlich über die Auswirkungen der Insolvenz auf ihr Leben klagte: „Wir leben von 500 bis 600 Euro im Monat. Wir kaufen auch beim Discounter. Gemüse, Obst und Kräuter haben wir im Garten.“

Statt Mitleid erntete die Tochter von Firmengründer Gustav Schickedanz (1895 bis 1977) und dessen zweiter Ehefrau Grete (1911 bis 1994) allerdings nur Hohn und Spott. Vertraute betonten damals aber, dass sich Schickedanz für den Erhalt Quelles über Gebühr eingesetzt habe. „Sie ist zur Rettung ihres elterlichen Erbes voll ins Risiko gegangen und hat verloren“, sagte etwa der Oberbürgermeister der eng mit Quelle verbundenen Stadt Fürth, Thomas Jung (SPD). Seines Wissens nach hat Schickedanz privat kaum etwas zur Seite gelegt.

Zwangsvollstreckung unwahrscheinlich

Sollte Schickedanz bei Fälligkeit der Darlehen nicht zahlen können, kann Sal. Oppenheim nach Informationen des „Stern“ mindestens elf Immobilien und Grundstücke per Zwangsvollstreckung einziehen und verkaufen. Darunter seien Immobilien in München, Hamburg, Nürnberg und eine Ferienvilla am Tegernsee. Eine Zwangsvollstreckung sei aber sehr unwahrscheinlich, sagte ein Finanzexperte dem Bayerischen Rundfunk. Sollte die Bank dennoch darauf beharren, wäre neben Schickedanz' Elternhaus in Hersbruck auch ein kleines Kaufhaus im Zentrum der mittelfränkischen Kleinstadt betroffen, das den Grundstein für das spätere Handelsimperium bildete. Es war erst vor wenigen Wochen wiedereröffnet worden.

Den Journalisten entzog sich die als scheu geltende und stets nur im Hintergrund agierende Firmenerbin damals, indem sie die Angestellten wenige Tage vor der offiziellen Eröffnung im kleinen Rahmen begrüßte. Völlig mittellos wird Schickedanz, deren Ehemann Leo Herl ebenfalls als vermögend gilt, auf jeden Fall nicht leben müssen. Nach Recherchen des „Stern“ hat sie das größte Anwesen der Familie, die repräsentative Familienvilla mit Park bei Fürth, zum allergrößten Teil bereits 2005 ihrem Sohn übertragen. Schickedanz genieße dort lebenslanges Nutzungsrecht.

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