Porsche: Die Allergie der Porsche-Eigentümer gegen Araber

Porsche: Die Allergie der Porsche-Eigentümer gegen Araber

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Modell eines Porsche 911 Carrera auf einem Sandberg: Der Golfstaat Katar will bei Porsche einsteigen - doch das dürfte den Porsche-Eigentümern nicht so recht passen

Das Emirat Katar prüft einen Einstieg beim angeschlagenen Autobauer Porsche. Doch ob die Eigentümer-Familien Piëch und Porsche fremde Investoren ins Unternehmen lassen werden, ist fraglich. Schon vor einem Vierteljahrhundert stürmten arabische Reitertruppen auf Zuffenhausen zu – und wurden von den Erben Ferdinand Porsches jäh ausgebremst.

Es ist eine so schöne Geschichte, und bei Porsche wird man nicht müde, sie zu erzählen: Das Emirat Katar prüfe einen Einstieg bei der Sportwagenschmiede. Angeblich wollen die arabischen Investoren bis zu 25 Prozent des Autobauers übernehmen. Das würde die Milliarden-Schulden reduzieren, die Porsche durch die verpatzte VW-Übernahme anhäufte, und vielleicht sogar Porsche-Chef Wendelin Wiedeking den Kopf retten.

Ob Katar tatsächlich in Zuffenhausen zugreifen will und ein vernünftiges Kaufangebot vorlegen wird, steht in den Sternen. Selbst wenn die Scheichs ihr Kopftuch in den Ring werfen – am Ende müssen die Porsche-Eigentümer entscheiden, ob sie familienfremde Investoren im Unternehmen haben wollen. Hier sind Zweifel angebracht. Denn bislang haben die Familien Piech und Porsche alles getan, um das zu verhindern.

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Was Porsche unter dem "Ernst-Fall" versteht

Wie ausgeprägt die Allergie der Autodynastie gegen fremde Anteilseigner ist, bewies die Familie im Jahr 1983: Ernst Piech, Enkel des Porsche-Gründers Ferdinand Porsche und Bruder des heutigen VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piech, hatte damals seine Porsche-Aktien in aller Stille an Kuwait verkauft. Die Familie war geschockt, als sie davon erfuhr. Hastig kratzten die Porsches und Piechs Geld zusammen und fragten höflich in Kuwait an, ob man die Anteile vielleicht wieder zurückhaben könne. Die Scheichs zeigten sich gnädig und gaben die Papiere für einen dreistelligen Millionenbetrag zurück. Der kostspielige Beinahe-GAU ging als sogenannter „Ernst-Fall“ in die Familienhistorie ein.

Gut 25 Jahre später steht die Familie womöglich wieder vor einem „Ernst-Fall“: Mit Katar könnte erneut ein arabischer Investor nach Porsche greifen. Gut möglich, dass VW-Patriarch Ferdinand Piëch, der dem Einstieg fremder Investoren kritisch gegenübersteht, seine Familie an den Sündenfall von 1983 erinnert und versucht, eine Front gegen die Araber aufzubauen.

Und vielleicht findet er sogar in seinem Bruder Ernst Piëch einen Verbündeten. Denn es hat ganz den Anschein, als wisse der Abtrünnige von 1983 inzwischen wieder das Vermächtnis von Ferdinand Porsche zu würdigen: Ernst Piëch macht derzeit mit einem noblen Bildband von sich reden, der die Lebensleistung seines Großvaters förmlich zelebriert.

Das extrem aufwändige Buch mit dem Titel „Professor Ferdinand Porsche. Erhabene Werke“ wurde auf Betreiben von Ernst Piëch geschrieben und ist ebenso edel wie die darin abgebildeten Karossen. Die Auflage ist auf 300 Stück begrenzt, der Stückpreis liegt bei 300 Euro. Abstimmen kann Ernst Piëch nicht, sollte die Familie demnächst über einen Einstieg der Araber beraten müssen. Braucht er aber auch gar nicht. Mit dem neuen Buch hat er ein Statement, das mehr wiegt als ein paar Prozent am Unternehmen.

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