Porsche - VW: So begründen die Kläger ihre Schäden

Porsche - VW: So begründen die Kläger ihre Schäden

von Martin Seiwert

Wie die Kläger gegenüber den Autobauern Porsche und Volkswagen ihre angeblichen Schäden argumentieren und auf Verluste von bis zu 564 Euro pro Aktie kommen.

Streitfall 10. März 2008

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Kurs der VW-Aktie während des Übernahmeversuchs durch Porsche von 2005 bis Mitte 2008 (in Euro)

Klassische Anleger wie Banken, Versicherungen oder Pensionsfonds verlangen Wiedergutmachung für Schäden, die ihnen durch eine Mitteilung von Porsche am 10. März 2008 entstanden seien. Damals erklärte der Sportwagenbauer, es gebe keine Pläne, die Anteile an VW auf über 75 Prozent zu erhöhen. Am 5. Oktober 2008 bekräftigt der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking in einem Interview: "Die 75 Prozent sind heute kein Thema, wir treiben den Kurs nicht." Nur drei Wochen später, am 26. Oktober 2008, teilte Porsche jedoch mit, bereits auf 74,1 Prozent der VW-Aktien faktisch Zugriff zu haben, über 75 Prozent gehen und den VW-Konzern beherrschen zu wollen.

Die Kläger argumentieren, dass ihnen durch die angeblich falsche Mitteilung vom 10. März der durch die Übernahmeabsicht ausgelöste Preisanstieg entgangen sei. Für diese sogenannte Übernahmeprämie gibt es eine Berechnung nach höchstrichterlichen Urteilen. Ein Beispiel: Ein Kläger, der am 10. März VW-Aktien besaß und diese einen Monat später in Unkenntnis der Übernahmeabsicht verkaufte, erlöste 185 Euro pro Aktie. Der Tiefstkurs der VW Aktie lag am Tag vor Bekanntgabe der Übernahmeabsicht bei 201 Euro, der Höchstkurs am Tag danach bei 611 Euro. Das entspricht einem Anstieg von 204 Prozent. Dem Kläger stünden also 204 Prozent von 185 Euro – das sind 377 Euro – pro Aktie zu.

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Die Schadensersatzforderungen für solche Fälle belaufen sich laut Klageschrift auf insgesamt 531 Millionen Euro plus Zinsen.

Streitfall 26. Oktober 2008

Hedgefonds fordern Schadenersatz, weil sie sich von der Mitteilung der Übernahmeabsicht durch Porsche am 26. Oktober 2008 getäuscht sehen. Sie argumentieren, dass die Übernahmeabsicht nur vorgetäuscht war, um den sinkenden Kurs der VW-Aktie wieder steigen zu lassen. Bei Klägern dieser Kategorie handelt es sich vor allem um sogenannte Leerverkäufer, die sich Aktien leihen, diese verkaufen und sich zu einem niedrigeren Kurs wieder eindecken, um die Papiere zurückgeben.

Die Beispielrechnung eines angeblich Geschädigten: Wegen der angekündigten Übernahmeabsicht schoss der VW-Kurs nach dem 26. Oktober in die Höhe. Ein Leerverkäufer, der sich am 26. Oktober 2008 VW-Aktien geliehen hatte und diese zwei Tage später zurück geben musste, blieb nur, sich zu einem Kurs von 774 Euro einzudecken. Das waren 584 Euro mehr, als der Durchschnittskurs der VW-Aktie am 24. Oktober 2008. Diesen Preis hätten Spekulanten bezahlen müssen, wenn der Kurs nicht durch die Bekanntgabe der Übernahmeabsicht nach oben getrieben worden wäre. Der Schaden pro Aktie läge also bei 584 Euro.

Die Schadensersatzforderungen für solche Fälle belaufen sich laut Klageschrift auf insgesamt 452 Millionen Euro plus Zinsen.

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