Porträt Jürgen Kluge: Ist der neue Haniel-Chef Macher oder Marionette?

Porträt Jürgen Kluge: Ist der neue Haniel-Chef Macher oder Marionette?

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Jürgen Kluge: Der frühere McKinsey-Deutschland-Chef wird ab 2010 Haniel-Vorstand

Jürgen Kluge, früherer Frontmann von McKinsey Deutschland führt seit Anfang 2010 das Duisburger Handelskonglomerat Haniel. Ein Porträt.

Die Pressemitteilung war für Haniel-Verhältnisse regelrecht geschwätzig. Statt der sonst üblichen Ein-Satz-Dementis spendierte die PR-Abteilung des Duisburger Familienunternehmens zwei Seiten Text, um kundzutun: „Haniel mit neuem Vorstandsvorsitzenden“. Von 2010 an soll der frühere McKinsey-Deutschland-Chef Jürgen Kluge die Leitung von Eckhard Cordes übernehmen – und ein Imperium mit 50.000 Mitarbeitern dirigieren.

Ob der 56-Jährige dabei Macher oder eher Marionette wird, hängt davon ab, wie er die Machtverhältnisse zwischen den rund 600 Mitgliedern der Haniel-Familie austariert. Zudem ist entscheidend, ob Kluge zugleich Aufsichtsratschef von Metro werden darf. Zwar gehören auch Firmen wie der Pharmagroßhändler Celesio zum Haniel-Portfolio, doch die 34-Prozent-Beteiligung an dem Düsseldorfer Handelsriesen ist der wichtigste Besitz. Deshalb soll sich Cordes, der bisher beide Konzerne führte, auf Metro konzentrieren. Dort leitet Familienoberhaupt Franz Markus Haniel das Kontrollgremium. Ändert sich daran nichts, darf Kluge zwar Haniel repräsentieren und strategische Anregungen geben, doch er bliebe das, was er immer war – ein Berater.

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Seine Vorbilder

Wagner-Opern und Rolling Stones, Roy Lichtenstein und Rembrandt, Theodor Fontane und John le Carré – Kluge lässt sich nicht auf einen Stil festlegen.

Seine Vorbilder stammen ebenfalls aus ganz unterschiedlichen Sphären: Er schätzt intellektuelle Brillanz ebenso wie Pragmatismus. Folgerichtig nennt er als Vorbilder Immanuel Kant, „weil er Königsberg nie verlassen hat und sich trotzdem die ganze Welt erschloss“, und René Descartes, „weil er vorgemacht hat, was strukturiertes Denken hervorbringen kann“. Preußenkönig Friedrich II darf nicht fehlen, „weil er ein weiser Diktator war“.

Auch die Nazi-Gegner des Kreisauer Kreises haben Kluge beeindruckt. Sie waren bereit, unter allen Umständen für ihre Überzeugungen einzustehen. Seinen Vater könnte Kluge ebenfalls nennen. Der arbeitete als Textilingenieur anfangs im Schichtbetrieb, ging oft mit seinem Sohn spazieren und erklärte ihm dabei, was die Welt ausmacht. „Ich bin ihm dafür unendlich dankbar.“

Seine Vorlieben & Abneigungen

„Wer nicht genießt, wird ungenießbar“, lautet Kluges Credo. Ein gutes Essen, einen weißen Burgunder oder einen Theaterabend wird er dem Gang ins Fitnessstudio jederzeit vorziehen. Im Urlaub schätzt er entspannte Touren und Traditionshotels. „Ich tue einfach nichts, was ich nicht mag“, gab Kluge zu Protokoll. Auf seiner Allergieliste ganz oben: Campen und Schlangestehen.

Ein barocker Typ ist Kluge darum noch lange nicht – der Genießer ist auch Technikfan. Im Kleinen: Der Berater kann sich für elektrische Eisenbahnen begeistern, und vor ein paar Jahren schenkte ihm seine Frau einen Metallbaukasten von Märklin zu Weihnachten. Aber auch im Großen hat Kluge ein Faible für Techniktüfteleien: Gemeinsam mit McKinsey-Kollegen schraubte er vor Jahren einen Nachbau der transatlantischen Sportwagenlegende Shelby Cobra zusammen. Noch heute soll die silber-blaue Kluge-Version auf deutschen Autobahnen unterwegs sein. Die Bolidenleidenschaft verbindet ihn denn auch mit dem früheren Daimler-Mann Cordes, dem ebenfalls ein Faible für schnelle Wagen nachgesagt wird.

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