Porträt: KfW-Chefin Matthäus-Meier kämpft um ihren Job

Porträt: KfW-Chefin Matthäus-Meier kämpft um ihren Job

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KfW-Chefin Ingrid Matthäus-Maier kämpft um ihren Verbleib an der Spitze.

Noch vor kurzem galt Ingrid Matthäus-Meier als Vorzeige-Karrierefrau. Nun muss die Chefin der Staatsbank KfW um ihren Job kämpfen. Die Rettung der Mittelstandsbank IKB - an der die KfW beteiligt ist - steht weiterhin auf Messers Schneide. Und die kriselnde IKB dürfte weitere Milliarden benötigen.

 Auf der Weihnachtsfeier der Staatsbank KfW musste Ingrid Matthäus-Maier vor ein paar Wochen 50 Euro herausrücken. Nur für einen Zaubertrick auf der Bühne. Im echten Leben geht es für die langjährige Finanzexpertin der SPD in der IKB-Krise um Milliarden. Und um ihr berufliches Überleben. FDP und Union wittern ihre Chance, die von ihnen gering geschätzte Juristin mit dem Spitznamen „MM“ zur Strecke zu bringen.

Doch die 62-Jährige will kämpfen, heißt es in Bankenkreisen. Ob sie durchkommt, hängt davon ab, ob die Rettung der Mittelstandsbank zu einem verantwortbaren Preis dauerhaft gelingt. Am Dienstagabend stimmte Matthäus-Maier gut drei Stunden lang mit Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) ein Rettungskonzept ab. Die KfW-Beteiligung IKB braucht weitere Milliarden, weil die Risiken aus den Geschäften mit US-Immobilienkrediten größer als erwartet sind. Insgesamt geht es inzwischen um zweistellige Milliardenbeträge. „MM“ erklärte den Ministern, dass die KfW ihre Schmerzgrenze erreicht hat. Die Staatsbank trägt von den IKB-Risiken schon gut fünf Milliarden Euro.

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Nun muss wohl der Bund direkt einspringen. Wie die Lösung aussehen soll, wollten Steinbrück und Glos am Mittwochnachmittag in der Sitzung des KfW-Verwaltungsrats in Berlin erklären. Denkbar sind ein Darlehen oder eine Bürgschaft des Bundes für die KfW. Die Regierung will aber auch die Privatbanken in die Pflicht nehmen. Die sträuben sich und schieben die Verantwortung der KfW zu.

Die Staatsbank ist mit 38 Prozent größter Aktionär der IKB. Formal ist die IKB jedoch eine im MDAX notierte Privatbank und gehört dem Einlagensicherungsfonds der Branche an. Dieser würde aber nur bei einer Insolvenz greifen. Diesen Kollaps will die Regierung unter allen Umständen vermeiden. Öffentliche Forderungen, die IKB mit 1700 Mitarbeitern am besten gleich in den Konkurs zu schicken, kritisierte Vize- Regierungssprecher Thomas Steg als leichtfertig. Auch Steinbrück und Bundesbank-Präsident Axel Weber fürchten eine Schockwelle mit volkswirtschaftlichen Auswirkungen, falls Politik und Finanzwelt die IKB zusammenbrechen lassen würden.

Die Bank macht zwar gar keine Geschäfte mit kleinen Privatkunden. Doch viele Sparer könnten den Eindruck gewinnen, die Bankenwelt an sich gerate ins Wanken und würden ihr Geld von ihren Konten abziehen. Die Bilder langer Warteschlangen vor der britischen Skandalbank Northern Rock haben sich als Symbol für die globale Finanzkrise eingeprägt. Die britische Regierung muss bei Northern Rock für mehr als 30 Milliarden Euro bürgen.

Auch wenn die IKB-Krise eine Nummer kleiner ist, werden die Rufe nach einer lückenlosen Aufklärung lauter. Die Liberalen drohen mit einem Untersuchungsausschuss im Parlament. „Da ist nichts ausgeschlossen, denn das stinkt zum Himmel“, sagte FDP-Chef Guido Westerwelle. Der CDU-Politiker Michael Fuchs fordert den Rücktritt der KfW-Chefin. Deren Vertrag soll 2009 auslaufen. Im Kerngeschäft, das Fördern des Mittelstands, ist die weltweit angesehene KfW sehr erfolgreich. Wenn die IKB aber zu einem Fass ohne Boden wird, könnte es für Matthäus-Maier eng werden.

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