Postbank: Vorstandschef Wolfgang Klein muss gehen

Postbank: Vorstandschef Wolfgang Klein muss gehen

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Der Aufsichtsrat der Deutschen Postbank AG berief Stefan Jütte zum neuen Vorsitzenden des Vorstands

Überraschender Wechsel an der Spitze der Postbank: Stefan Jütte löst Wolfgang Klein als Vorstandschef ab. Offiziell hatten Klein und der Aufsichtsrat unterschiedliche Auffassungen zur Geschäftspolitik.

Nach dem heute bekannt gewordenen Beschluss des Aufsichtsrats der Postbank soll der 63-jährige Stefan Jütte den Posten zum 1. Juli übernehmen. Seine Bestellung läuft für drei Jahre. Jütte ist seit 2000 Mitglied des Postbank-Vorstands und kennt das Institut bestens. Offenbar gilt der bisherige Kreditvorstand als geeigneter Mann, um die angestrebte Überführung der Postbank in die Deutsche Bank zu steuern. Der Aufsichtsrat und Klein entschieden laut der Mitteilung, dass Kleins Mandat aufgrund „unterschiedlicher Auffassungen“ über die zukünftige Geschäftspolitik des Instituts zum 30. Juni 2009 „im besten gegenseitigen Einvernehmen“ endet. Zu Hintergründen und dem angedeuteten möglichen Konflikt wurde nichts Näheres mitgeteilt.

Jütte ist seit 2000 im Vorstand der Postbank tätig. Er war zuvor Chef der DSL Bank, die mit der Postbank verschmolzen wurde.

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Klein in der Kritik

Auch die finanziellen Modalitäten des vorzeitigen Abgangs wie die Höhe einer Abfindung waren unklar. Klein rückte erst vor zwei Jahren an die Spitze der Postbank. Kritik hagelte es, nachdem bekannt wurde, dass der Postbank-Vorstand im Mai 2008 im Zuge der Gespräche über einen Verkauf an die Deutsche Bank rund 11,5 Millionen Euro als „Halteprämie“ kassierte. Klein allein erhielt einen Sonderbonus von 2,4 Millionen Euro. Nach heftigen Anfeindungen in der Öffentlichkeit bot Klein an, in diesem Jahr für 1 Euro zu arbeiten. Was daraus wird, ist unklar. In Finanzkreisen hieß es, Klein habe den Vorschlag ohne Wissen von Aufsichtsratschef Frank Appel gemacht, wodurch er diesen verärgert habe. Eine andere mit der Angelegenheit vertraute Person sagte, Klein höre wegen der erwarteten Komplettübernahme durch die Deutsche Bank auf. „Klein ist nicht der richtige Mann für die Überführung der Postbank in die Deutsche Bank. Jetzt ist ein guter Zeitpunkt für ihn zu gehen.“ Mit dem Abgang könne er sich außerdem auf seine eigene Zukunft konzentrieren. Mit 45 Jahren ist Klein noch relativ jung. Für den deutlich älteren Jütte hingegen dürfte der Vorstandsposten die letzte große berufliche Herausforderung sein. Die Postbank wollte sich zu den Gründen von Kleins Abgang nicht äußern.

Deutsche Bank zeigt sich überrascht

In den vergangenen Monaten gab es immer wieder Gerüchte, dass die Deutsche Bank mit Klein an der Spitze der Postbank unzufrieden sei. Der Wechsel sei jedoch „nicht auf Druck der Deutschen Bank" erfolgt, hieß es in Bonn. Ein Sprecher der Deutschen Bank sagte, der Wechsel sei völlig unerwartet gekommen: „Wir sind überrascht.“ Das Frankfurter Geldinstitut hält inzwischen die Sperrminorität von 25 Prozent plus einer Aktie an der Postbank. Nach Optionen kann die Deutsche Bank sämtliche Anteile von der Mutter Deutsche Post und damit die Mehrheit übernehmen.

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