
Die Post-Privilegien kippen reihenweise — auch bei der Mehrwertsteuer. Zwar wird das Thema in den Wirtschaftsausschüssen der Berliner Politik bislang totgeschwiegen. Aber nach der Wahl dürfte es mit der Ruhe vorbei sein. „Wenn Schwarz-Gelb die Wahl gewinnt, dann werden wir die Wettbewerbsverzerrung auf dem Postmarkt beseitigen“, sagt CDU-Wirtschaftspolitiker Michael Fuchs. Er plädiert dafür, dass alle Postunternehmen Mehrwertsteuer zahlen. Das hätte zudem den Charme, dass rund 500 Millionen an Steuereinnahmen in den Staatssäckel fließen.
Für die Post kommt so ein Vorschlag nicht infrage. Sie brüstet sich damit, auch Geburtstagskarten an die Oma auf Helgoland, Werbesendungen für das Restaurant auf der Zugspitze oder Kondolenzbriefe an die verwitwete Tante im brandenburgischen Spreewald zuverlässig und preiswert zuzustellen, obwohl dies teuer sei. Für diesen Dienst an der Allgemeinheit, im Postler-Jargon „Universaldienst“, sei sie vom Staat von der Mehrwertsteuer befreit worden.
Doch das Argument ist überholt. Einige Anbieter wie Direktexpress bieten den Zustellservice für Teile ihres Geschäfts wie die förmliche Zustellung von Behördenpost ebenfalls bundesweit an. „Unsere Leistungen sind sogar besser“, behauptet Stelzig, etwa weil seine Unternehmensgruppe die Sendungsverfolgung ermögliche.
Der Teufel steckt beim Steuerprivileg im Detail
Die Argumente dürften auch Luxemburger EU-Richter überzeugen. In einem viel beachteten Urteil des EuGH vom April dieses Jahres zum Streit zwischen TNT und Royal Mail in Großbritannien entschieden sie, dass Steuerbefreiung für alle Unternehmen zu gelten hat, die „den gesamten Universalpostdienst oder einen Teil davon gewährleisten“. Es reiche aus, nur Briefe oder nur Pakete bundesweit auszuliefern.
Wettbewerber wie der Hamburger Paketdienst Hermes Logistik und die deutsche Brieftochter der holländischen TNT erfüllen die Voraussetzungen. Allerdings würden sie lieber den Spieß umdrehen. Sie fordern anstelle einer Steuerbefreiung für sich selbst eine Mehrwertsteuerpflicht auch für die Deutsche Post. So könnten sie die Vorsteuern von Investitionen weiterhin absetzen, die Post dagegen verliert ihr Steuerprivileg. Geht es nach TNT, blieben nur Dienstleistungen von der Mehrwertsteuer befreit, die „tatsächlich der Grundversorgung der Bevölkerung dienen“, Briefe privater Haushalte und Kleinstunternehmen beispielsweise.
Der Teufel steckt auch hier im Detail. Eine wichtige Frage ist, ob alternative Briefdienste zur Steuerbefreiung die Sendungen selber zustellen müssen oder ob dazu Kooperationen oder die Beauftragung von Subunternehmern ausreiche. Knifflig wird das Problem dadurch, dass alternative Briefdienste nicht nur miteinander, sondern teilweise auch mit der Deutschen Post kooperieren. Experten wie die Generalanwältin der Europäischen Union, Juliane Kokott, sehen in branchenweiten Kooperationen kein Problem, zumal auch die Post über Auslagerung von Zustellbezirken nachdenkt, um Personalkosten zu sparen. Die Steuerbefreiung müsste daher für alle Postunternehmen gelten, die bundesweite Zustellung garantieren.
Unbemerkt von der Öffentlichkeit hat die Bundesregierung schon signalisiert, dass das Steuerprivileg für die Post auf Dauer nicht zu halten ist. Die Bestimmungen des deutschen Umsatzsteuerrechts seien „in dem Sinne auszulegen, dass die Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofs praktische Wirksamkeit erlangen“, heißt es in einer bisher unveröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsabgeordneten Gudrun Kopp, die der WirtschaftsWoche vorliegt.
Zum Lakmustest für die Bundesregierung wird der Spätherbst, wenn sie wie geplant die Zustellung von Briefen der Bundesbehörden ausschreibt (WirtschaftsWoche 26/2009). Möglich ist, dass das zuständige Bundesinnenministerium dann auch Angebote von Post-Konkurrenten akzeptiert, die ihrerseits keine Umsatzsteuer abführen wollen. Minister Wolfgang Schäuble ließ dies in einem Brief gegenüber Parteikollege Fuchs indirekt durchblicken, indem er „auf die Problematik (...) des Mehrwehrwertsteuerprivilegs der Deutschen Post AG“ hinwies.
Unternehmer Stelzig scheint mit seiner Protestaktion auch politisch Wellen auszulösen — inzwischen steht er zudem nicht mehr allein. So schloss sich Silke Goldmann aus Verden in Niedersachsen dem Schwaben an. Die Chefin einer kleinen Zustellfirma mit 30 Beschäftigten zahlt seit Anfang Juli für ihre Briefe keine Umsatzsteuer mehr. Zugleich versucht sie, ihre Kooperationspartner wie Citipost in Hannover und TNT-Töchter in Hamburg und Bremen zum Steuerboykott zu bewegen. Einbehaltene Steuer zahlt Goldmann auf ein Rücklagenkonto. Sollte sie bald auch in den Genuss der Steuererleichterung kommen, sagt sie, werde sie die 19 Prozent „an die Kunden zurückzahlen“.














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Alle Kommentare lesen08.08.2009, 21:28 UhrAnonymer Benutzer: Kurt
Sorry Hägar. Die Antworten sind zwar einfach, aber keine Antworten.
Soll a) bedeuten, dass dort Leistung gerecht bezahlt wird? Und ja, Hartz iVler werden sehr wohl gezwungen solche Jobs anzunehmen, obwohl sie damit weiter von Staatsleistungen abhängig sind.
Zu b) Die Post zahlt zwar keine Mehrwertsteuer, dafür bezahlt sie aber die Gehälter ihrer bediensteten selber, wogegen die bediensteten der Privaten trotz Arbeit oft auf Hartz iV angewiesen sind. Der Staat, und damit der Steuerzahler, bezahlt also einen Teil der Gehälter für die privaten Zustelldienste! Das ist doch auch ne Art Subvention. Und sicher nicht billiger als der Mehrwertsteuervorteil der Post.
c) Telekom ist ein gutes beispiel. Manch überzeugter Arcor-Kunde wurde ganz schnell gezwungenermaßen Telekom-Kunde als er seinen Wohnsitz in dünn besiedelte Gebiete verlegte. Wäre alles privat, hieße auf dem Land wohnen in der Steinzeit wohnen.
08.08.2009, 18:44 UhrAnonymer Benutzer: Hägar Schmidt
@Kurt:
a) "Was ist mutig daran Mindestlöhne zu verweigern" - wer wird gezwungen dort zu arbeiten? Die Debatte um Mindestlöhne war nur ein Zumwinkel-Trick.
b) "Wenn flächendeckend beliefern ein Vorteil ist, warum beliefern dann viele private Zustelldienste nur ballungsgebiete und/oder nehmen nur Firmenpost an?" Weil sie nicht 500,000,000 EUR Steuergelder bekommen haben, wie die Post...
c) "Wissen Sie überhaupt, dass viele private, die Sendungen, die sie selbst nicht weiterbringen (wollen) bei der Post aufgeben?" Klar. Das ist bei der "letzten Meile" von der Telekom (gleicher Laden, möchte man sagen) nicht anders. Der b2b-Markt lebt von solchen Aktivitäten.
Es gibt häufiger einfache Antworten als man befürchtet...
08.08.2009, 11:42 UhrAnonymer Benutzer: Der Beobachter
@Kurt das ist auch gut das der Staat die Sozialleistungen bezahlt. Nur er sollte sich aus der unternehmerischen Tätigkeit raushalten. Wenn er doch als Unternehmer tätig werden möchte, sollte es unter den gleichen bedigungen erfolgen, die auch für andere Unternehmern gelten. Die Post wurde privatisiert und sollte nun auch alle Rechte und Pflichten haben die fürt Unternehmen gelten (siehe Telekom) Das heißt auch, das Hallig xy seine Post aus dem nächsten Ort holen muss, in dem eine Poststation betrieben wird. Wer auch immer sie betreibt.
Ansosten hätte der Staat die Post nicht privatisieren dürfen. Das ist meine Meinung dazu.