Powerland AG: Millionen für Herrn Guo

Powerland AG: Millionen für Herrn Guo

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Shunyuan Guo an der Frankfurter Börse

Chinesische Mittelständler holen sich Geld an westlichen Börsen. Aber kann man ihnen trauen?

Der 11. April war ein guter Tag für Shunyuan Guo. Der Vorstandsvorsitzende der Powerland AG feierte das Börsendebüt seines Unternehmens in Frankfurt. 75 Millionen Euro hatte der Hersteller von Lederhandtaschen und Koffern von den Anlegern einsammeln können – 7,5 Millionen davon kassierte der Gründer und Großaktionär Guo selbst. Powerland, kündete Guo an, werde am chinesischen Luxusmarkt weiter kräftig expandieren.

Auch bei der Deutschen Börse freut man sich. "Mittelständische chinesische Unternehmen schätzen Frankfurt als Listingplatz", teilte im April Alexander Höptner mit, Leiter des Bereichs Markets Services. "Ihre Aktien sind hier in Euro notiert und werden in einem hochliquiden Markt gehandelt."

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Die schöne chinesisch-deutsche Erfolgsgeschichte droht gerade böse Kratzer zu bekommen. Mitte Juni meldete ein Internetportal namens Claimpicker, das potenziellen Klägern anbietet, Schadensersatzprozesse vorzufinanzieren, erhebliche Zweifel an den Bilanzen von Powerland an. Der Lederwarenhersteller habe an eine Behörde in China Zahlen gemeldet, die von denen im Börsenprospekt deutlich abwichen.

Wachsende Zahl mittelständischer chinesischer Unternehmen

In dem Prospekt, der von der BaFin abgesegnet wurde, erklärte Powerland für das Jahr 2009 einen Umsatz von 82 Millionen Euro. Gegenüber der chinesischen Behörde für Industrie und Handel AIC meldeten die beiden chinesischen Powerland-Töchter, die das Unternehmen im Wesentlichen ausmachen, laut Claimpicker lediglich einen Umsatz von 14,9 Millionen. Und statt der ausgewiesenen 18 Millionen Euro Gewinn ermittelten die Rechercheure von Claimpicker nur einen Betrag von 248.457 Euro.

Powerland wies den Vorwurf der Bilanzmanipulation in einer Presseerklärung zurück, bestritt allerdings weder die Existenz der Unterlagen noch die von Claimpicker angeführten Zahlen. "Die Meldungen finanzieller Informationen an die AIC dienen der jährlichen Registrierung und Verwaltungszwecken und können sich deutlich von den chinesischen GAAP- und IFRS-Anforderungen sowie den Angaben gegenüber den Steuerbehörden unterscheiden", hieß es in einer Mitteilung.

Powerland gehört zu der wachsenden Zahl mittelständischer chinesischer Unternehmen, die es an westliche Börsen zieht. Anleger im Westen stürzen sich auf die Gelegenheit, sich ein Stück vom Chinaboom zu sichern. Seit 2006 gab es nach Informationen des Finanzdatendienstes Dealogic 115 Börsengänge chinesischer Unternehmen in den USA und 48 in Europa. Die Börsen konkurrieren heftig um die Neulinge, die ihnen lukrative Gebühren einbringen.

Doch zuletzt häuften sich die negativen Schlagzeilen. Das Forstwirtschaftsunternehmen Sino Forest, an der Börse in Toronto notiert, hat fast 90 Prozent des Aktienwertes verloren, nachdem Vorwürfe erhoben wurden, das Unternehmen habe massiv bei den Angaben zu seinen Waldbeständen übertrieben. Hedgefonds-Superstar John Paulson, der Milliarden mit seiner Wette gegen US-Schrotthypotheken verdient hat, gehörte zu den Großaktionären des Forstwirtschaftsunternehmens. Seine Verluste werden auf über 700 Millionen Dollar geschätzt. 

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