Preisanstieg: Wie Fliegen teurer wird: Die Tricks der Fluglinien

Preisanstieg: Wie Fliegen teurer wird: Die Tricks der Fluglinien

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"OK" zum Start. Bald könnte für viele Fliegen wieder zum Luxus werden

Kerosin-Zuschläge, Sitzplatz-Gebühren und Meilenschwund – mit welcher Kreativität und erstaunlichem Erfindungsreichtum viele Fluglinien ihre Preise erhöhen.

Wenige Dinge fallen der Flugbranche schwerer als Preiserhöhungen. Schon als die Wirtschaft boomte, sanken die Tarife im Schnitt um gut drei Prozent jährlich und in einer Rezession sogar noch schneller. Darum übt sich die Branche in verschleiertem Lug und Trug, in der Hoffnung, dass es die Kunden nicht bemerken.

Zuschläge sind die offensichtlichste Form. Den Anfang machten die sogenannten Serviceentgelte von zehn Euro pro Buchung. Ursprünglich eingeführt, um den einst wichtigsten Vertriebsweg Reisebüro nicht durch einen zu hohen Preisabstand zu verärgern, sind sie inzwischen einfach nur ein Aufschlag. Den größten Batzen machen angesichts des teuren Öls jedoch die Kerosinzuschläge aus. Diese Aufpreise von bis zu 350 Euro zahlen die Kunden relativ klaglos, weil sie die Verbindung zum immer teureren Öl sehen. Tatsächlich deckt der Ölaufschlag bestenfalls ein Drittel der Mehrkosten.

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Überwälzen von Nebenkosten war bisher die beliebteste Preistreiberei. Das bringt immerhin bis zu 100 Euro pro Strecke. Doch seit voriger Woche verlangt ein Beschluss des EU-Parlaments, diese Abgaben für Flugzeugversicherung, Abfertigung oder Sicherheitskontrollen gleich von Anfang an zum Preis hinzu zu addieren.

Entpacken nennt die Branche die Unart, Dinge extra zu berechnen, die früher mit dem Ticket bezahlt waren. Hier können Kunden Verbesserungen wie Loungezugang oder bevorzugte Abfertigung bereits bei der Buchung zukaufen und für sie unerwünschtes wie Bonusmeilen oder Gepäckaufgabe gegen einen Rabatt abwählen. Das ist der gute Weg. Leider wählen außer Air Canada fast alle den schlechten und lassen sich jede Einzelheit extra bezahlen. Schlecht ist es nicht nur, weil der Posten etwa bei Ryanair mit Gepäckaufgabe, Sitzplatzwahl und einem Kaffee leicht mehr als 100 Euro pro Passagier ausmachen kann. Es verdirbt den Ruf der Linie. „Die Kunden fühlen sich abkassiert, wenn sie dauernd ihr Portemonnaie öffnen müssen“, sagt Swiss-Chef Christoph Franz.

Verstecke Preiserhöhungen sind der letzte Schrei. Das beginnt dabei, dass es auf Sondertarife immer weniger Meilen in den Vielfliegerprogrammen gibt. Schwerer zu durchschauen ist das Spiel mit den Preisgruppen. Ihre bisherigen Einstiegstarife von 99 Cent bis 19,99 Euro wollen die Linien zwar erhöhen, aber ungern kippen. „Das ist die beste Werbung“, sagt ein Airlinechef, „wer die nicht kriegt, kauft meist zu einem höheren Preis.“ Darum kappen die Linien die zweiten oder dritten Gruppe und springen schneller als früher von 19 auf 49 und gleich weiter zu 59 Euro pro einfacher Strecke.

In ihrer Not knüpfen die US-Linien inzwischen Rabatte wieder häufiger an Auflagen – wie die Buchung eines Rückflugs zu einer bestimmten Zeit. Laut einer Untersuchung der Internetseite FareCompare müssen Passagiere nun bei gut der Hälfte aller Tarife mehrere Tage und meist auch über das Wochenende an ihrem Reiseziel bleiben, wenn sie keinen der deutlich teureren flexiblen Tarife buchen wollen. Damit können diese Rabatttickets praktisch nur noch Wochenendurlauber nutzen, nicht jedoch Geschäftsreisende.

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