Preiserhöhung : Bahn fahren wird teurer: Signal auf Rot

KommentarPreiserhöhung : Bahn fahren wird teurer: Signal auf Rot

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Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Sebastian Schulte

Schlechte Zeiten für Bahnfahrer und solche, die es werden wollen. Zum Jahresende müssen Reisende für eine Fahrkarte in der zweiten Klasse rund vier Prozent mehr zahlen. So wird das nichts, lieber Herr Mehdorn! Die Massen werden Sie auf diese Weise nicht dazu bewegen können, das Auto stehen zu lassen, um stattdessen per Schiene zur Arbeit oder an den Urlaubsort zu gelangen. Ein Kommentar von WirtschaftsWoche-Redakteur Sebastian Schulte.

Alle Jahre wieder: Bahnfahren wird teurer. Wer statt der immer noch umständlich zu bedienenden Automaten lieber gleich zum Schalter geht, weil er vielleicht auch noch über die schnelle oder preisgünstigste Verbindung zu seinem Reiseziel informiert werden möchte, zahlt künftig drauf: Mit 2,50 Euro bestraft Bahnchef Hartmut Mehdorn dann alle, die nicht am Fahrtkartenautomaten kaufen wollen.

So wird das nichts, lieber Herr Mehdorn! Die Massen werden Sie auf diese Weise nicht dazu bewegen können, das Auto stehen zu lassen, um stattdessen per Schiene zur Arbeit oder an den Urlaubsort zu gelangen.

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Doch angesichts der horrenden Energiepreise, der saftigen Lohnerhöhungen für die Bahnbeschäftigten und des Teil-Börsengangs der Bahn war die Entwicklung vorauszusehen. Durch die lang andauernden Streiks im vergangenen Jahr und die häufige Unpünktlichkeit hatte das Image der Bahn bereits stark gelitten. Jetzt ist es erst einmal wieder völlig im Keller. Die zahlreichen Pendler können ohnehin seit langem vom Genuss in vollen Zügen ein Klagelied singen. Hinzu kommt: Gerade im Nah- und Regionalverkehr laden die beschädigten oder verschmutzten Abteile oft nicht dazu ein, Platz zu nehmen.

Die Strafgebühr für den Kauf eines Fahrscheins am Schalter grenzt vor allem ältere Kunden aus, die sich nicht an die komplizierten Automaten wagen.

Und mal ehrlich: Haben nicht wir alle schon mal die verflixte Technik verflucht, wenn es darum ging, dem rot-grauen Ticketmonster kurz vor Abfahrt des Zuges noch schnell einen Fahrschein zu entlocken? Mich wundert, dass Mehdorn bei der Schaltergebühr noch nicht zwischen nationalen und internationalen Reiseverbindungen unterscheidet. Das ist beispielsweise in den Niederlanden nämlich schon längst der Fall.

Und mal Hand aufs Herz: Wer lässt sich denn nach langem Schlagestehen erst vom Schaltermitarbeiter beraten, um dann - vermutlich nach nochmaliger Wartezeit - am Automaten nebenan die Fahrkarte zu kaufen - so wie Personenverkehrs-Vorstand Karl-Friedrich Rausch das heute den Pressevertretern glauben machen wollte?

Dass die meisten Bahnfahrer ohnehin nicht den Normalpreis für ihre Fahrkarte zahlen würden, wie Mehdorn gerne anführt, ist ein schwaches Argument. Mit der jetzt angekündigten Preiserhöhung hat der Bahnchef das Signal für alle, die auf die Schiene umsteigen wollen, aber bestimmt auch für manch einen Bahnfan wieder einmal auf Rot gestellt.

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