Preiserhöhung bei Stahl: Harter Kampf um die Stahlpreise

KommentarPreiserhöhung bei Stahl: Harter Kampf um die Stahlpreise

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Ein Mitarbeiter in Schutzkleidung vor einem angestochenen Hochofen

von Rüdiger Kiani-Kreß

Nach zwei kräftigen Preisrunden im Sommer wollen die Stahlhersteller das wohl wichtigste Wirtschaftsgut der deutschen Exportwirtschaft noch mal verteuern Doch die Gründe überzeugen nicht so ganz.

Es war ein Krach mit Ansage. Dass Stahl kräftig teurer wird war letztlich klar seit die großen Rohstoffkonzerne wie Vale aus Brasilien oder BHP Billiton und Rio Tinto aus Großbritannien Anfang des Jahres die Preise für die Stahlvorprodukte Eisenerz und Kokskohle angekündigt haben. Und ebenso klar war auch, dass die ganze Wirtschaft aufjaulte und von der Autobranche bis zum Bau alle Großabnehmer den Hütten mit Kampf drohten. Schließlich ist Stahl immer noch eines der wichtigsten Vorprodukte, besonders für die Exportnation Deutschland mit ihren vielen Maschinenbauern.  Doch so ganz überzeugen die Gründe der für Oktober angekündigte dritten Preisrunde der großen Stahlkocher wie ThyssenKrupp und Arcelor Mittal nicht. Sicher, die Hütten geben nur den Preisdruck durch die mächtigen Minenkonzerne weiter. Immerhin haben Vale, BHP und Rio Tinto, die zusammen bis zu gut zwei Drittel der Rohstoffe für die Hochöfen liefern, die Preise seit Jahresanfang mehr als verdoppelt. Und die drei Giganten konnten das problemlos durchsetzen, weil mit der Weltkonjunktur der Stahlverbrauch weltweit wieder kräftig anzog und besonders China als Fabrik der Welt für seine Fabriken und immer neuen Gebäude mehr Bleche und Brammen denn je brauchte.

Preise zeigen nicht nur nach oben

Doch so ganz ehrlich sind die Stahlkocher in ihrer Opferrolle nicht. Zum einen zeigen die Preise keineswegs ausschließlich nach oben wie es die Hütten behauptet. Im Gegenteil. Gerade mussten die Rohstoffkonzern zähneknirschend Preissenkungen von teilweise zwölf Prozent und mehr verkünden. Dazu trieb die oft bärbeißig auftreten Rohstofflern nicht ihr weiches Herz, sondern der Blick ins Lager. China als Lokomotive der Weltkonjunktur steht derzeit etwas weniger unter Dampf als gedacht. Die Produktion in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt wächst weniger stark als gedacht. Damit sinkt zuerst die Nachfrage nach Stahl, dann die nach Erz und Kohle – und schließlich die Preise. Diese Entlastung müssten die europäischen Stahlriesen bereits bemerken. Mit Sicherheit spüren sie den Knick bereits beim Schrott, ihrer zweitwichtigsten Rohstoffquelle. Aber auch im alltäglichen Einkauf von Erz und Koks müsste das der Fall sein. Zwar klagen die Hütten über das Preisdiktat der Rohstoffkonzerne, die ihnen im Frühjahr - mit der kräftigen Erhöhung – ein neues Preissystem aufnötigten, bei dem die Tarife nicht länger ein Jahr im Voraus, sondern vierteljährlich an die Preise im Spotmarkt genannten Tagesgeschäft mit der überschüssigen Produktion der Minen anpassen. Damit müssten Erz und Kohle spätestens ab Oktober billiger werden. Dass sich die Stahlkocher am Spotmarkt in großem Stil eindecken können, haben sie in der Vergangenheit bewiesen. Als im vorigen Jahr mit der Weltkonjunktur die Erz- und Kohlepreise durchsackten, kauft den die Hütten auch nicht zu den hohen Jahrespreisen bei den Minenkonzerne, sondern am teilweise deutlich niedrigeren Spotmarkt. Damit kündigten die Stahlkocher in gewisser Weise den Konsens. Doch das Kalkül ging nicht auf. Denn die Aktion verärgerte BHP & Co so sehr, dass diese eben Anfang der Jahres ihre Muskeln spielen ließen und dank ihrer Liefermacht das neue Preissystem durchsetzten. Darum sollten die Klagen am Ende doch etwas verhaltener klingen.

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