Premiumhersteller: BMW und Daimler müssen auf VW-Porsche-Deal reagieren

Premiumhersteller: BMW und Daimler müssen auf VW-Porsche-Deal reagieren

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VW-Chef Winterkorn: Sieger nach jahrelanger Übernahmeschlacht

Porsche wird nun Teil des Volkswagen-Konzerns. Doch nicht die Zuffenhausener haben Grund zur Sorge, sondern BMW und Daimler. Auch eine verstärkte Zusammenarbeit wäre möglich.

Tausende Porsche-Mitarbeiter drängen sich am Donnerstag vergangener Woche im Innenhof des Stammwerks der Sportwagenschmiede in Stuttgart-Zuffenhausen, ducken sich unter ihre Regenschirme. Es gießt in Strömen. Andächtig lauschen sie dem Mann am Rednerpult: Wolfgang Porsche, Aufsichtsratschef der Porsche SE, Widersacher und Cousin von VW-Chefaufseher Ferdinand Piëch und treuer Mitstreiter von Porsche-Boss Wendelin Wiedeking. Porsche ist erschöpft, die ganze Nacht hat er um die Zukunft des Autobauers gerungen.

Nun steht er vor der Belegschaft und muss erklären, warum er mit seinem Kampf um VW gescheitert ist, warum Porsche ein Teil des VW-Konzerns wird und Wiedeking abdankt. „Wiedeking hat Porsche in Höhen geführt, die niemand für möglich hielt“, sagt Wolfgang Porsche ins Mikrofon, dann versagt ihm die Stimme. Er kämpft mit den Tränen. Die Mitarbeiter verharren still.

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Winterkorn bleibt starker Mann im Konzern

Um 6.53 Uhr an diesem Donnerstagmorgen hatte Porsche gemeldet: Wiedeking und Finanzvorstand Holger Härter gehen. Bereits eine Woche zuvor hatte die WirtschaftsWoche gemeldet, dass Wiedeking das Unternehmen verlasse und Porsche-Produktionsvorstand Michael Macht ihm nachfolge. „Das ist Mobbing“, empörten sich damals Porsche-Pressestelle und Betriebsratschef Uwe Hück. Nun ist der Abgang offiziell, aber die Mitarbeiter können es noch nicht fassen.

Porsche und VW haben sich darauf verständigt, dass Volkswagen den hochverschuldeten Sportwagenbauer übernimmt. Wiedeking, der ursprünglich VW übernehmen wollte, bekommt 50 Millionen Euro Abfindung. Bis Mitte 2011 soll Porsche als zehnte Marke in den VW-Konzern integriert werden. Der neue und alte starke Mann an der Spitze von VW ist Vorstandschef Martin Winterkorn. Möglich wird das nur, weil das reiche Wüstenemirat Katar mehrere Milliarden Euro zuschießt. Wo Katar einsteigt – bei Porsche oder einem fusionierten Konzern – und wie viel Geld die Araber sich das kosten lassen, wird in den kommenden Wochen ausgehandelt.

VW will von Einkaufsmacht und Technologie Porsches profitieren

Gregor Matthies, Autoexperte der Münchner Beratung Bain, erwartet keine größeren Veränderungen bei Porsche: „An der Produktpalette wird nicht gerüttelt werden. Porsche wird wie Audi sehr große Freiheiten im Konzern haben. Eine so wertvolle Marke wird VW wie seinen Augapfel hüten.“ Vielmehr werde Porsche von Einkaufsmacht und Technologie der zweitgrößten Autobauers der Welt profitieren.

Kritisch beäugt wird das bei BMW und Daimler. Die beiden gelten im weltweiten Wettbewerb als zu klein. Auch wenn BMW-Einkaufschef Herbert Diess einer Fusion mit Daimler eine Absage erteilt, dürften die Vorstände angesichts des neuen Mega-Konzerns ins Grübeln kommen. „Ich erwarte im Premium-Segment einen stark verschärften Wettbewerb“, sagt Matthies. Toyota und VW würden den Markt mit Lexus, Audi und künftig auch Porsche aufmischen. „Es würde mich sehr wundern, wenn die neue VW-Porsche-Allianz nicht dazu führen wird, dass BMW und Daimler enger zusammenarbeiten.“

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