
Dunkle Wolken über Nordamerika: „Ein solider, selbsttragender Aufschwung lässt auf sich warten,“ schreibt die Finanical Times Deutschland über die USA. In vielen Regionen habe die Konjunktur weiter an Kraft verloren, hieß es im jüngsten Konjunkturbericht der US-Notenbank Federal Reserve, der nun „erneut Zweifel an der Erholung der US-Wirtschaft sät“. Dieser Bericht unterstreiche, „wie schwer es den USA fällt, aus der Wirtschaftskrise herauszufinden“. Vor allem der geschwächte Arbeitsmarkt bereite große Sorgen - „und das in einem Land, das viele Jahre gewöhnt war, kaum Arbeitslose zu haben“. Die Notenbank sei alarmiert und erarbeite Notfallpläne für den Fall, dass es tatsächlich zur Zahlungsunfähigkeit komme und das Finanzministerium keine Renten und Beamtengehälter mehr bezahlen könne.
Bloomberg sieht das Schicksal der USA in den Händen der Ratingagentur Standard & Poor’s , die darüber entscheiden werde, ob das Land als Schuldner seinen AAA-Status verliert. Der zuständige S&P-Analyst David Beers in London habe gesagt, es ginge schon lange nicht mehr nur um die Anhebung der Schuldenobergrenze, sondern der Kongress und das Weiße Haus müssten sich auf ein glaubwürdiges Paket zum Schuldenabbau einigen, um ein Herabstufung noch zu vermeiden. Auf dem Weg dahin gäbe es einen „politischen Abgrund“, der sich offenbar nur schwer überbrücken lasse und die Agentur halte es für unwahrscheinlich, dass die Brückenbildung in drei oder sechs Monaten besser funktionieren werde als derzeit. Komme das Downgrading, erwartet Bloomberg einen Sprung bei US-Staatsanleihen von 60 bis 70 Prozentpunkten – und das werde die Kreditkosten der USA nochmal um 100 Milliarden Dollar im Jahr steigern.
Die Financial Times fürchtet, dass die „relative Ruhe“ an den Finanzmärkten jederzeit in Panik umschlagen könnte. Der endlose Krach über die Finanzpolitik und das steigende Risiko für eine selbstverursachte Katastrophe würden ja jetzt schon ihren Tribut fordern. Selbst wenn das Problem doch noch vor dem 2. August gelöst werde – „was eh keiner mehr erwartet“ – würde dieses Drama dennoch lange in den Köpfen der Investoren fort wirken. Die hätten schließlich alle gesehen, wie „Washington an den Rand eines grundlosen Finanzdebakels marschiert und dann auch noch ernsthaft darüber diskutiert, in den Abgrund zu springen“. Was immer auch jetzt noch geschehe, der neue Standard in „finanzpolitischer Verantwortungslosigkeit“ sei bereits gesetzt.
Das Wall Street Journal gibt sich dagegen gelassen und fragt, ob es wirklich so viel ausmachen würde, wenn das Kredit-Rating der USA nur noch AA statt AAA betrage? Dann hätte das Land zwar nur noch denselben Status wie etwa Slowenien und das sei per se schlecht. Doch die Meinung von S&P's sei ungefähr so wichtig, wie die von Sportjournalisten vor dem nächsten Spiel: „Unterhaltsam, aber am Ende kommt es darauf an, was auf dem Spielfeld passiert“. Und da müsse nicht unbedingt viel geschehen. Einige institutionelle Investoren mit strikten Regeln zum Thema Kreditwürdigkeit müssten dann ihr Portfolio verändern. Aber viele andere Anleger müssten ihre US-Anleihen deswegen keineswegs verkaufen. Staaten und Individuen würden auch weiterhin US-Anleihen kaufen – nicht weil sie die sichersten seien, sondern weil der Markt für diese Papiere „der größte und flüssigste der Welt“ sei. „Bislang gibt es einfach noch keine Alternative zu den US-Papieren,“ meint das Blatt.
Guru-Ökonom gibt der Eurozone noch fünf Jahre
Der New Yorker Ökonom Nouriel Roubini mit Guru-Status hält den Zusammenhalt der Euro-Zone laut Wirtschaftsblatt trotz der jüngsten Rettungsaktion für Griechenland für gefährdet. Die Verantwortlichen beteuerten zwar, dass dieses Notpaket die absolute Ausnahme bleiben werde, aber das sei Wunschdenken. Irland und Portugal seien nämlich ebenfalls zahlungsunfähig. Durch die Einigung der Euroländer vergangene Woche sei bestenfalls Zeit gewonnen worden: Die Politiker der Eurozone könnten sich vielleicht noch fünf Jahre lang durchlavieren, danach könne man sehr harten Entscheidungen nicht mehr ausweichen. Die Chance, dass Griechenland oder Portugal aus der Euro-Zone aussteigen, sehe der Ökonom bei bei 30 Prozent. O-Ton Roubini: „Griechenlands Verschuldung erreicht kommendes Jahr 166 Prozent des Sozialprodukts. Das Land hat keine Liquiditätsprobleme, es ist insolvent.“
Ungeahnte Macht für Deutschland
Wenn man das ganze Gerede um die Schuldenkrise mal gründlich auseinander nehme, blieben nur drei Erkenntnisse, findet der australische Business Spectator. Europa könne nicht als Einheit funktionieren, es sei denn, es übernehme endlich jemand die Kontrolle; Deutschland sei das einzige Land mit einer ausreichend großen Bevölkerung und Wirtschaft, um diese Kontrolle auszuüben - doch diese Macht gäbe es nicht umsonst. Sie erfordere einen weitreichenden und dauerhaften Finanztransfer an die schwächeren Mitglieder der Europäischen Union. Die Debatte in Deutschland, wie viel man sich die EU kosten lassen wolle, sei noch nicht entschieden, klar sei nur, das für Europa eine neue Ära beginne. Nun müsse jeder Nachbar entscheiden, wie er dazu stehe. Die Franzosen seien gleichzeitig „begeistert und total verängstigt“ weil die Deutschen zum Zahlmeister werden, die Briten fühlten ihre Macht schwinden und die Russen seien einfach nur opportunistisch. Doch solange die USA zu sehr mit sich selbst beschäftigt seien, um in Europa einzugreifen, gäbe es zu den Deutschen keine Alternative
Gazproms Gewinnstrategie bröckelt
Die Bindung des Gaspreises an den Ölpreis, die den russischen Energieriese Gazprom so prächtig verdienen ließ, gerate unter dem Druck ausländischer Kunden immer mehr ins Wanken, berichtet die Nesawissimaja Gazeta. Noch vor einem Monat habe der Chef des Gasriesen Alexey Miller auf der Aktionärsversammlung die alte Ordnung der langfristigen Lieferverträge als unumstößlich bezeichnet. Spotmärkte seien in Europa nur ein ergänzendes Instrument, zitiert ihn das Blatt. Seit dem habe das russische Unternehmen jedoch zahlreichen Kunden Rabatte gewähren müssen, allein das italienische Energieunternehmen Edison habe etwa 200 Millionen Dollar Rabat auf eine verhältnismäßig kleine Lieferung eingeräumt bekommen. Auch in Verhandlungen mit den deutschen Unternehmen Wingas und Ruhrgas habe Gazprom Zugeständnisse machen müssen. „Bisher sind die Summen für Gazprom ziemlich gering, doch in der Tendenz kann der Konzern nicht mehr so viel Druck auf seine europäischen Kunden ausüben“, analysiert das Blatt.
Kein Mitleid mit George Soros!
Fortune macht sich lustig über das Mitleid „der üblichen Verdächtigen“ mit Super-Investor George Soros. Viele sähen den alten Herrn schon als „Opfer“, weil er seinen 25 Milliarden Dollar schweren Hedge Funds wegen der neuen Regeln aus dem amerikanischen Dodd-Frank-Gesetzes nun nur noch als Familienbetrieb verwalten könne. Tatsächlich gehöre Soros mit den anderen Hedge-Funds-Managern Stanley Druckenmiller und Carl Icahn zu einer „Gruppe von Heulsusen“, weil sie lieber das Handtuch geworfen hätten, anstatt sich mit ein bisschen Aktenarbeit zu beschäftigen. Wenn es so sei, dass diese Leute sich lieber zurück zögen, als bei der Börsenaufsicht ein paar Unterlagen abzuliefern, dann ginge das Gesetz wohl noch nicht weit genug.
Fundstück: In Großbritannien muss Werbung ehrlich werden
Im Vereinigten Königreich musste L'Oréal eine Werbekampagne für Kosmetik mit der Schauspielerin Julia Roberts und dem Supermodel Christy Turlington wieder abblasen, weil sie den Aufsichtsbehörden angeblich „nicht ehrlich genug“ ist. Die Frauengesichter seien zu stark retuschiert, denn: „solche Resultate können die beworbenen Produkte niemals erzielen“, habe die Advertising Standards Authority ihrer Majestät gemault. Der Guardian vermutet allerdings, dass die Behörde es einfach nur „shocking“ fand, dass sie die Fotos von den Damen nicht schon vor der Veröffentlichung vorgelegt bekam.
Mitarbeit: Maxim Kireev
























