Privatbank: Was Sal. Oppenheim das Geschäftsjahr vermieste

Privatbank: Was Sal. Oppenheim das Geschäftsjahr vermieste

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Der Sprecher des Vorstandes der Privatbank Sal. Oppenheim, Matthias Graf von Krockow: Der Verkauf der Banktochter ist abgesagt

Die Privatbank Sal. Oppenheim muss heute wohl einen Verlust verkünden. Die Finanzkrise und strategische Fehler haben sie hart getroffen.

Das diskrete Geschäft der Privatbanken ist vor allem Vertrauenssache. Die vermögende Klientel legt Wert auf engen Kontakt, qualifizierte Beratung und vor allem auf möglichst sichere Anlageratschläge. „Wir empfehlen unseren Kunden nichts, worin wir nicht auch selbst investieren“, sagt Matthias Graf von Krockow, persönlich haftender Gesellschafter von Sal. Oppenheim. Diese Philosophie, die die Kunden des 1789 gegründeten Traditionshauses lange zu schätzen wussten, könnten sie derzeit auch als Drohung verstehen. Denn die größte deutsche Privatbank ist nicht nur durch die Finanzkrise, sondern auch durch strategische Missgriffe in schweres Fahrwasser geraten. So ist sie unter Führung des schwergewichtigen von Krockow bei einigen Investitionen ein ungewöhnlich hohes Risiko eingegangen. Außer bei Arcandor hat sich Oppenheim auch bei der Mittelstandsbank IKB und dem Immobilienfinanzierer IVG engagiert. Den IVG-Anteil hat die Bank noch im vergangenen Herbst deutlich aufgestockt. Den Wert der Investments hat die Finanzkrise zu großen Teilen atomisiert.

Noch im Frühjahr 2008 hatte von Krockow die strategische Beteiligung an Unternehmen zum Wachstumsgeschäft erklärt. Das hat bisher nicht funktioniert. Oppenheim hat die Beteiligungen im Februar in eine eigene Gesellschaft ausgelagert, um die Bilanz der Bank zu entlasten. Die Finanzierung der neuen Gesellschaft haben die Oppenheim-Gesellschafter privat übernommen. Schon im Dezember erhöhten die rund 40 Eigentümer das Kapital der Bank aus ihrem Privatvermögen um 200 Millionen Euro.

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In Finanzkreisen gilt Oppenheim als von der Krise überdurchschnittlich hart getroffen, wenn auch nicht in der Existenz bedroht. Für die angespannte Lage spricht, dass von Krockow mitten in der Krise einen Verkauf der Frankfurter BHF Bank geprüft hat. Am vergangenen Mittwoch wurde dieser abgeblasen. Die von Oppenheim angestrebte eine Milliarde Euro ließ sich wohl trotz mehrerer Interessenten nicht erzielen. Bankenkenner meinen, dass von Krockow nicht einmal jene 600 Millionen Euro hätte kassieren können, die die Bank beim Kauf 2004 an die niederländische ING überwiesen hat. Möglich scheint aber weiter der Verkauf von Teilen.

Für finanzielle Entspannung soll ein Sparprogramm im Umfang von 100 Millionen Euro sorgen. Außer technischen Zusammenlegungen in der Verwaltung steht dabei auch ein Stellenabbau an. In Frankfurt müssen wohl etwa 40 für das Zertifikate-Geschäft zuständige Banker gehen, wobei es keine betriebsbedingten Kündigungen geben soll.

Das Geschäft hatte Oppenheim auf Betreiben des für Investmentbanking zuständigen Gesellschafters Dieter Pfundt ausgebaut und war zu einem der größten Spieler auf dem deutschen Markt geworden. Schon im ersten Halbjahr 2008 hatte das Ergebnis darunter gelitten. Nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September ist die Nachfrage eingebrochen. Dass es hier weitere dramatische Verluste geben könnte, hält ein Oppenheim-Investmentbanker aber für unwahrscheinlich. Dabei vertraut er auch auf die Kompetenz des Bereichsleiters Frank Langer. Den hatte Oppenheim 2008 von der Deutschen Bank abgeworben.

Die Bank kann nur hoffen, dass Langer ihr länger erhalten bleibt als andere Top-Manager. So verließ Privatkundenchef Reinhard Krafft Ende 2008 überraschend die Bank und offenbarte das Führungsproblem des Traditionshauses. Aus dem vierköpfigen Kreis der persönlich haftenden Gesellschafter genießt vor allem der Ex-Wirtschaftsprüfer Friedrich-Carl Janssen in der Branche uneingeschränkte fachliche Reputation. Mit 64 steht er kurz vor der Rente. Kenner des Hauses bezweifeln, dass die Eigentümer Christopher v. Oppenheim, 44, der die Vermögensverwaltung leitet, den Job an der Spitze zutrauen. Familienfremde Manager haben es wegen der engen Verflechtungen unter den Gesellschaftern aber schwer, es ganz nach oben zu schaffen – es sei denn, sie sind vom Kaliber des ehemaligen Bundesbankpräsidenten Karl-Otto Pöhl, der die Bank bis 1998 leitete.

Wie andere Privatbanken leidet Oppenheim unter der Flucht in sichere Anlagen und dem Wertverlust der Kundendepots. So hat Oppenheim zwar einige Kunden gewonnen. Das verwaltete Vermögen ging aber vermutlich zurück – und danach bemessen sich die Honorare. Zudem verdient die Bank an Tages- oder Festgeld weniger als an Zertifikaten.

Dennoch verkündet die Bank, sie sei „trotz der Finanzmarktkrise solide und gut positioniert“. Was das konkret bedeutet, gibt Sal. Oppenheim am Dienstag in Luxemburg bekannt. Dass die Bank einen Gewinn vermelden kann, gilt als ausgeschlossen.

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