Privatbanken: Sal. Oppenheim als widerwilliger Partner

Privatbanken: Sal. Oppenheim als widerwilliger Partner

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Bank-Chef von Krockow: Rasche Wandlung vom stolzen Unabhängigen zum Hilfesuchenden

Die Privatbank Sal. Oppenheim verkauft nach 220 Jahren ihre Unabhängigkeit an die Deutsche Bank – nicht freiwillig, sondern auf Druck Berlins.

Eine Allianz ist eine Ehe, bei der die Eifersucht größer ist als die Liebe, heißt ein geflügelter Satz. So oder so ähnlich dürften in diesen Tagen die Eigentümer der größten europäischen Privatbank, Sal. Oppenheim, denken.

Kaum drei Monate ist es her, dass Matthias Graf von Krockow, seines Zeichens Sprecher der persönlich haftenden Gesellschafter des noblen Geldhauses, Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann für sein Streben nach 25 Prozent Rendite geißelte: Das sei, so der adelige Bankier, eine "kreditfinanzierte Übertreibung".

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Die Einschätzung wird von Krockow wohl bald überdenken müssen. Denn ausgerechnet Ackermann und seine Deutsche Bank werden aller Voraussicht nach bei dem in Luxemburg firmierenden Bankhaus mit Wurzeln in Köln einsteigen. Der Dax-Konzern hat ein Angebot für eine Kapitalbeteiligung abgegeben, "um die Optionen einer Partnerschaft detailliert zu prüfen". Und die Privatbank, jahrzehntelang Aushängeschild der konzernunabhängigen deutschen Finanzhäuser, öffnete ihre Bücher für den großen Rivalen. Dabei hatte der Graf noch vor drei Wochen in einem Interview gesagt, ein externer Investor stehe für ihn nicht zur Debatte.

Plötzlicher Sinneswandel bei Sal. Oppenheim

Zunächst ist nach Informationen der WirtschaftsWoche eine Minderheitsbeteiligung von 20 bis maximal 49,9 Prozent geplant, heißt es aus Sal. Oppenheim nahestehenden Kreisen. Dabei werden sich beide Seiten nach Angaben gut informierter Personen zwei Optionen einräumen: Die Deutsche Bank darf, wenn sie will, die Mehrheit an der Privatbank erwerben. Falls die Gesellschafter von Sal. Oppenheim aber die nötigen Mittel auftreiben, dürfen sie innerhalb einer bestimmten Frist alles rückgängig machen und die bis dahin verkauften Anteile zurückkaufen, mit einer für die Deutsche Bank selbstverständlich üppigen Verzinsung.

Der Einstiegspreis dürfte für Ackermann auf den ersten Blick verkraftbar sein. Nach Schätzungen einer Investmentbank sollte ein 20-Prozent-Paket an Sal. Oppenheim derzeit kaum mehr als 300 Millionen Euro kosten.

Der plötzliche Sinneswandel bei der Privatbank geschah offenbar nicht ganz freiwillig: Sal. Oppenheim öffnete sich der Konkurrenz nach Informationen der WirtschaftsWoche auf Druck von Politik und Finanzaufsicht.

Sal. Oppenheim ein Sanierungsfall?

"Der Einstieg der Deutschen Bank bei Sal. Oppenheim ist mit Beteiligung der Bundesregierung gelaufen", sagte ein hochrangiger Koalitionspolitiker der WirtschaftsWoche. Dies bestätigte ein Frankfurter Investmentbanker, der gute Drähte nach Berlin hat. In der Politik und im Umfeld von Sal. Oppenheim sprechen Insider von einer verkappten Rettungsaktion. Sal. Oppenheim und die Deutsche Bank wollten die Informationen nicht kommentieren.

Zwar teilte Sal. Oppenheim mit, dass die Bank auch zum Ende des ersten Halbjahres eine zweistellige Eigenkapital-Quote habe, "auch vor einer möglichen Kapitalerhöhung“. Dennoch: In Frankfurt wird Sal. Oppenheim inzwischen als Sanierungsfall gehandelt. Nicht nur die Konkurrenz ist besorgt: Vor vier Wochen hatte der Banken-Rettungsfonds Soffin die Regierung über Schwierigkeiten bei der Bank informiert. Anlass waren Alarmmeldungen der Finanzaufsichtsbehörde BaFin, die das Eigenkapital für gefährlich gering hielt.

Rasante Talfahrt: Wie sich das operative Geschäft von Sal. Oppenheim entwickelt hat

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Sal. Oppenheim beschied dem Soffin daraufhin, die Probleme ohne staatliches Geld lösen zu wollen. Doch: „Jeder in der Branche wusste, dass Oppenheim nur begrenzt Zeit hatte, eine Lösung zu finden, bevor die BaFin den Stecker zieht“, sagt ein weiterer hochrangiger Banker.

Die Kapitalnot der 220 Jahre alten Bank war schon seit Wochen nicht mehr nur in der Berliner Machtelite ein Thema. Denn am 2. Juli senkte die Ratingagentur Fitch die Bonitätsnote der Bank von "A" auf "A-", was gerade noch eine gute Kreditqualität bedeutet, aber die letzte Stufe vor dem nur noch befriedigenden „BBB+“ ist. So ein für Banken niedriges Rating brächte nicht nur einen schweren Rufschaden, sondern auch höhere Finanzierungskosten. Falls Sal. Oppenheim nicht das Eigenkapital noch vor Jahresende stärke und das Geschäftsrisiko senke, sei eine weitere Herabstufung zu erwarten, teilte Fitch mit. In Berlin galt eine solche Herabstufung als Horrorvorstellung. "Das wäre dann ernst geworden", sagt ein beteiligter Staatssekretär aus dem Soffin-Lenkungsausschuss.

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