Private Equity : Honigbiene statt Heuschrecke

Private Equity : Honigbiene statt Heuschrecke

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SHW-Chef Krause: Mit allen Geschäftsbereichen in der Gewinnzone

Welche Übernahmen durch Private-Equity-Investoren waren 2007 die erfolgreichsten? Der Autozulieferer SHW Automotive war ein dümpelnder halber Staatsbetrieb. Die Private-Equity-Gesellschaft Nordwind Capital traute sich trotzdem ran.

Bei den Schwäbischen Hüttenwerken im württembergischen Aalen, heute kurz: SHW Automotive, lebt die Geschichte. 

 Die aus dem 19. Jahrhundert stammende Unternehmenszentrale erinnert mit ihren gelb gestrichenen Zweckbauten an die Frühzeit des Industriezeitalters. Im Konferenzraum im ersten Stock der Zentrale steht auf einem kleinen Tisch ein Spiegel mit uraltem gusseisernem Rahmen. Ein kleiner Hinweis auf die Herkunft von Deutschlands mutmaßlich ältestem Industriebetrieb, dessen Wurzeln bis ins 14. Jahrhundert zurück reichen.

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Noch lebendiger sind bei SHW aber Gegenwart und Zukunft. In einer Vitrine glänzt High-Tech der neuesten Generation: matt schimmernde Ölpumpen und hochpräzise Zahnräder. In den Hallen auf der gegenüberliegenden Straßenseite entstehen Bauteile für BMW oder Porsche, indem feinster Metallstaub zu Motorenkomponenten gepresst wird. Dass SHW diese sogenannte Sintertechnik heute sogar mit Aluminium beherrscht und der entsprechende Geschäftsbereich Pulvermetallurgie Geld verdient, ist nicht selbstverständlich.

Zu verdanken ist das der gestiegenen Nachfrage nach Leichtbauteilen, die helfen, den Spritverbrauch von Motoren zu senken, und vor allem dem Einstieg eines privaten Finanzinvestors, der dem Unternehmen mit Geld, Rat und Kontakten half.

Bis dahin sah es bei SHW nicht gerade rosig aus. „Wir haben zwar insgesamt keine roten Zahlen geschrieben, trotzdem waren zwei von drei Geschäftsbereichen nicht profitabel“, erinnert sich Geschäftsführer Wolfgang Krause, 42, an die Zeit vor vier Jahren. Lediglich die Produktion von Hydraulikpumpen für die Automobilindustrie im oberschwäbischen Bad Schussenried warf Gewinne ab.

Die Pulvermetallurgie dagegen litt unter zu hohen Produktions- und Anlaufkosten für neue Produktionsverfahren. Gleichzeitig standen in der Bremsscheibenproduktion teure Investitionen in neue Anlagen ins Haus.

Doch für Geldgeber von draußen war SHW wenig attraktiv. Denn das Unternehmen litt unter einer ungewöhnlichen Eigentümerkonstellation. Die eine Hälfte gehörte dem Münchner Dax-Konzern MAN, die andere dem Land Baden-Württemberg. „Wir hatten von Banken länger gehört, dass MAN bei SHW gerne raus wollte, aber niemand konnte uns sagen, ob und unter welchen Umständen das Land bereit dazu wäre“, sagt Hans Albrecht, Gründungspartner des Finanzinvestors Nordwind Capital mit Sitz in München.

Doch die Bayern gaben nicht auf und lösten die Fesseln, die die Weiterentwicklung behinderten. „Also haben wir gesagt: Komm, da geben wir uns mal richtig Mühe“, erinnert sich Albrecht.

Inzwischen arbeiten alle drei SHW-Geschäftsbereiche profitabel

Während MAN rasch Interesse an einem Verkauf signalisierte, gab es im politischen Lager zum Teil heftigen Widerstand, zumal SPD-Chef Franz Müntefering Finanzinvestoren gerade generell als Heuschrecken gegeißelt hatte.

Da wollten sich die Landespolitiker nicht nachsagen lassen, so jemandem ein Unternehmen zum Fraß vorzuwerfen. Gut 15 Monate vergingen deshalb von der ersten Absichtserklärung bis zur endgültigen Übernahme des Mittelständlers im Jahr 2005, der damals rund 230 Millionen Euro umsetzte. „Wir haben der Landesregierung versichert, dass wir kein Geld aus der Firma ziehen, sie konservativ finanzieren und alle Gewinne in die Zukunft der Standorte investieren“, sagt Investor Albrecht, dessen Private-Equity-Firma dem Vernehmen nach rund 100 Millionen Euro für SHW zahlte.

Drei Jahre später ist die Rechnung für SHW und Nordwind aufgegangen.

Der Umsatz ist um knapp ein Drittel auf rund 300 Millionen Euro gestiegen. Die Zahl der Mitarbeiter ist von 970 auf rund 1.100 gewachsen. Die Verschuldung ist moderat, sodass SHW nicht nur Zinsen zahlt, sondern seine Kredite auch zügig tilgen kann. Und es wurde kräftig investiert – bisher sind rund 60 Millionen Euro in neue Produktionsanlagen und Produkte geflossen. „Nordwind hat uns über sein Beziehungsnetzwerk den Zugang zu frischem Geld ermöglicht“, lobt SHW-Geschäftsführer Krause den neuen Eigentümer, „wir hatten bis dahin nicht einmal ein Liquiditätsmanagement, unsere Bank hieß MAN.“

Inzwischen arbeiten alle drei SHW-Geschäftsbereiche profitabel. In der Bremsscheibenfertigung entstehen heute auch Spezialprodukte wie besonders leichte Verbundbremsscheiben aus Aluminium und Stahl für Hochleistungssportwagen. Sie finden zum Beispiel in einigen besonders rasanten BMW-Modellen Verwendung. Der Pulvermetallurgiebereich hat sich mit High-Tech-Produkten wie den besonders leichten Sintermetallteilen auf Aluminiumbasis ein solides Fundament erarbeitet.

Eigentlich wollte Nordwind SHW an die Börse bringen. Doch das Umfeld ist durch die Krise in der Autoindustrie und den allgemeinen Konjunkturabschwung gerade schlecht. Nordwind-Partner Hans Albrecht übt sich deshalb in Gelassen-heit: „Wir haben Geduld, und so wie SHW jetzt aufgestellt ist, mache ich mir keine Sorgen um die Zukunft des Unternehmens.“

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