Private Equity : Lästige Gewinne

Private Equity : Lästige Gewinne

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Produktion von Solarmodulen bei Aleo: Freude über eine langfristige Partnerschaft

Welche Übernahmen durch Private-Equity-Investoren waren 2007 am erfolreichsten? Der Solarmodulhersteller Aleo musste von einer Private-Equity-Firma gerettet werden, weil er Gewinne machte.

Als „Mercedes unter den Solarmodulen“ sieht Jakobus Smit die Produkte des Oldenburger Herstellers Aleo Solar. Smit muss das sagen, denn er ist Vorstandsvorsitzender des Unternehmens. Seine Produkte seien langlebiger und produktiver als die der Konkurrenz, verspricht der Ostfriese.

Die Botschaft klingt jedoch auch glaubhaft und kommt an bei den Kunden, zumeist Handwerksbetrieben. Kaum ein Solarunternehmen verzeichnet ein ähnlich rasantes Wachstum. 2003, zwei Jahre nach der Gründung, lag der Umsatz bei 41 Millionen Euro. Im laufenden Jahr sind es 330 Millionen, 2009 sollen noch einmal 50 Millionen Euro dazukommen.

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Der Aufstieg ist so erstaunlich wie die ganze Geschichte von Aleo Solar. Denn das Unternehmen musste gerettet werden, weil es Gewinne machte. Und die Rettung kam von Geldgebern, die Unternehmen gewöhnlich Schulden aufbürden statt ihm Geld zu leihen. Der Fall datiert aus dem Jahr 2003. Statt der erwarteten langen Durststrecke machte Aleo bereits zwei Jahre nach der Gründung Gewinne.

18 Investoren, die bis dahin zwei Drittel des Startkapitals aufgebracht hatten, waren geschockt. Sie hatten mit fünf Jahren Verlustzuweisungen vom Finanzamt gerechnet, die ihre Steuerschuld mindern und Investitionen rentabler machen sollten.

Stattdessen stand plötzlich die Zahlung von Einkommensteuer an. „Das war nicht geplant und lästig“, sagt Jörg Friedrich Bätjer, Investmentmanager der Hannover Finanz Gruppe.

Gleichzeitig wuchs der Kapitalbedarf in ungeahnte Höhen. Denn Silizium wurde aufgrund des weltweit steigenden Bedarfs an Solarzellen knapp. Wer wachsen wollte, musste langfristige Lieferverträge abschließen und Millionen Euro an Vorkasse leisten. Die Mehrheit der vom Finanzamt verschreckten Aleo-Investoren war nicht bereit, mehr Geld ins Unternehmen zu stecken.

In dieser Situation trat Hannover Finanz auf den Plan. Die Private-Equity-Gesellschaft, die sich auf die Finanzierung von deutschen Mittelständlern spezialisiert hat, entdeckte viel Positives, als sie das Unternehmen unter die Lupe nahm. Da war zunächst die Qualität der Produkte. „Wir setzen nur die besten Materialien ein, von der Solarzellen über das Solarglas bis hin zur Folie“, so Smit.

Der Börsengang 2006 hat sich gelohnt

Zweitens war die Kundschaft sehr breit gefächert. Aleo lebt von traditionellen Elektrikern, die inzwischen auch Fotovoltaik anbieten, also Kleinkraftwerke auf Dächern von Privathäusern, öffentlichen Gebäuden und Ställen. Hinzukommen so genannte Solarteure, wie sich die junge Zunft der Fotovoltaik-Spezialisten nennt. „Großhändler bedienen wir nicht“, sagt Smit.

Schließlich konnte das Unternehmen auch mit seinem Firmennamen und dem optischen Auftritt überzeugen. Aleo lasse sich in jeder Sprache aussprechen – eine der Voraussetzung für eine Internationalisierung und damit für schnelles Wachstum. Und selbst die Farbe des Logos überzeugte die herbeigebetenen Finanziers. „Unser Logo ist blau statt gelb, die gängige Farbe der Fotovoltaikbranche“, sagt Smit. „Damit wollen wir signalisieren, dass unsere Marke anders ist.“

Hannover Finanz ließ sich überzeugen, zahlte die ausstiegswilligen Gesellschafter aus und verkaufte 15 Prozent seiner Anteile an den Oldenburger Investor Eriksen weiter, der bereits 31 Prozent besaß. Damit hielt Hannover Finanz noch 52 Prozent der Anteile.

Die verbleibenden zwei Prozent blieben im Besitz von Gründer Smit. Um Kapital für langfristige Solarzellen-Lieferverträge zu bekommen wagten die neuen Partner 2006 den Gang an die Börse. Das brachte 35 Millionen Euro. Die Rechnung ging auf. 2005 lag der Auslandsumsatz noch bei weniger als einem Prozent, in diesem Jahr erreicht er rund 40 Prozent.

Bisher konzentrierte sich Aleo auf Europa. In Spanien baute das Unternehmen inzwischen eine zweite Produktionsstätte – die erste steht im brandenburgischen Prenzlau mit einer Jahreskapazität von 30 Megawatt. Jetzt hat Smit auch Fernost im Visier. Mit dem chinesischen Solaranbieter Sunvim Group gründete er das Joint Venture Avim Solar, um den wachsenden asiatischen Markt zu bedienen.

Und mit einer Beteiligung an Johanna Solar Technology in Brandenburg an der Havel hat Aleo sich den Zugang zu einer Modultechnik erschlossen, die ohne teures Silizium auskommt. Kupfer, Indium, Gallium, Schwefel und Selen stehen bei Johanna im Solarzellen-Kochbuch. In diesen Wochen beginnt die Produktion von Solarmodulen mit diesen so genannten Dünnschichtzellen.

„Besondere Merkmale der Hannover-Finanz-Fonds sind die unbegrenzte Laufzeit und langfristige Partnerschaften mit Investoren und Unternehmen“, meint Vorstandschef Albrecht Hertz-Eichenrode. Das überzeugte auch Smit. „Wir sind froh, dass wir unsere Bedenken gegenüber Finanzinvestoren abgelegt haben“, sagt er heute.

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