Private Equity: Stiftungen als Statussymbol

Private Equity: Stiftungen als Statussymbol

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Finanztycoon Busson, Hollywoodstar Thurman: Hilfsprojekte für Kinder in Afrika

In London, Europas wichtigstem Finanzplatz, tummeln sich bald wieder die superreichen Heuschrecken – und pflegen ihr neues Statussymbol: Stiften.

Arpad („Arki“) Busson liebt es blond und hochkarätig. Vor Kurzem noch war der Mann mit dem gewellten Haar mit Supermodel Elle Macpherson liiert, neulich hat sich der Schweizer mit Hollywood-Star Uma Thurman verlobt. Busson, der in Genf als Sohn eines französischen Offiziers und einer Engländerin aufwuchs, ist ein fast 400 Millionen Euro schwerer Finanztycoon. Als Gründer von EIM, einem der größten Dachfonds überhaupt, ist er eine große Nummer unter den Hedgefonds-Managern.

Der beinharte Kapitalist hat auch eine weiche Seite: Im Juni lädt er die Crème de la Crème der Londoner City wieder zu seinem traditionellen Wohltätigkeitsball. Man speist, trinkt – und spendet. 1200 Gäste kamen im vergangenen Frühjahr ins Marlborough House an der Prachtstraße Pall Mall, ließen sich von Madonna unterhalten, lauschten Bill Clinton und boten mit, als ein Abend mit Michail Gorbatschow zu ersteigern war oder ein Drehtag mit James-Bond-Darsteller Daniel Craig. Fast 40 Millionen Euro ließen die Gäste springen. Das Geld fließt über Bussons Wohltätigkeitsorganisation „Absolute Return for Kids“ (ARK) in Hilfsprojekte für Kinder.

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Für die Knallharten und die Superreichen, die im Boom von Hedgefonds, Private-Equity-Firmen und Investmentbanken ihre Millionen eingesammelt haben, gehört längst nicht mehr nur der Ferrari, die Yacht und die Sammlung moderner Kunst zu den Statussymbolen. „Megachic“ und ein absolutes „Must have“ ist dagegen ein wohltätiger Zeitvertreib – am besten gleich die eigene Stiftung. Networking und Gutes tun lässt sich auf diese Weise ideal verbinden.

Nach Angaben der Organisation Charities Aid Foundation spendeten Privatpersonen in Großbritannien im vergangenen Jahr neun Milliarden Pfund, umgerechnet fast 13 Milliarden Euro, für gute Zwecke – damit hat sich das private Spendenaufkommen seit Mitte der Neunzigerjahre mehr als verdreifacht. Allein 2,38 Milliarden Pfund stammten laut „Sunday Times“ von 30 vermögenden Zeitgenossen wie dem schottischen Private-Equity-Star Sir Thomas Hunter, der ankündigte, er werde im Verlauf des nächsten Jahrzehnts eine Milliarde Pfund an wohltätige Organisationen verschenken.

Viele großzügige Spender haben in den vergangenen Jahren vom Boom der Finanzmärkte profitiert. Anfang 2007 wurden in London Boni von knapp 13 Milliarden Euro ausgeschüttet – 4200 hochbezahlte Citybanker erhielten jeweils Prämien von mehr als einer Million. Zwar ist ungewiss, ob angesichts der Kapitalmarktkrise und dem daraus resultierenden Rückgang bei den Bonuszahlungen die Spenden auch 2008 weiter sprudeln werden. Aber die A-Liga der Superreichen dürfte kaum betroffen sein.

Das gilt sicher für den Chef des Hedgefonds The Children’s Investment Fund (TCI), Christopher Hohn, und seine Frau Jamie Cooper-Hohn, die beide zu Bussons Freundeskreis gehören. Auch die Hohns, die 2004 bei der ARK-Gala zehn Millionen Pfund spendeten, wollen mit ihrer von TCI finanzierten Stiftung Children’s Investment Fund Foundation (CIFF) Kindern in der Dritten Welt helfen. Ihre Stiftung hat Millionenbeträge in die Entwicklung von günstigen Aidsmedikamenten für HIV-infizierte Kinder gesteckt. Hohn, Sohn eines Automechanikers, überwies 2006 insgesamt 230 Millionen Pfund (damals rund 340 Millionen Euro) an CIFF und 2007 weitere 200 Millionen Pfund. Er erwarb sich so den Ruf, zu den großzügigsten Wohltätern Großbritanniens zu gehören.

Ähnlich wie er haben viele neue Stifter ihr Geld selbst verdient. Im Job sind sie kühle Rechner, knallharte Banker und unbequeme Investoren, die sich nicht scheuen, Vorstandschefs zu entmachten, wenn ihnen die Strategie missfällt. Hohn erlangte 2005 Bekanntheit, als er den damaligen Chef der Deutschen Börse, Werner Seifert, stürzte. 2007 schaffte es der Aktivist, die Übernahme des niederländischen Finanzkonzerns ABN Amro durch ein internationales Bankenkonsortium unter Führung der Royal Bank of Scotland – und damit die größte Fusion in der europäischen Bankenbranche – anzustoßen und damit kräftig abzusahnen.

Private-Equitiy-Investoren sind keine Chorknaben. Weil sie die von ihnen gekauften Unternehmen oft mit harter Hand sanieren, Teile der Belegschaft entlassen und die Firmen gern mit hohen Schulden belasten, nannte sie der SPD-Politiker Franz Müntefering abfällig „Heuschrecken“. In Großbritannien genießen viele als Steuerausländer enorme Privilegien und zahlen auf ihr Einkommen anteilsmäßig weniger an den Fiskus als die eigene Putzfrau. Viele Hedgefonds sind in Steueroasen wie den Cayman-Inseln registriert. Gute Taten sind daher nicht nur Balsam fürs soziale Gewissen, sondern auch Mittel, um das eigene Image aufzupolieren. Das Engagement der neuen Philanthropen endet freilich nicht bei Geldspenden.

Reine Wohltätigkeit nach dem Gießkannenprinzip, das „Weihwasser auf zehn verschiedene Projekte rieseln lässt oder wo man schnell einen Scheck ausstellt und dann auf Wiedersehen sagt“, lehne er ab, sagt John Studzinski, Senior Managing Director bei der Private-Equity-Gesellschaft Blackstone. Auch an ihre guten Taten legen die Wohltäter messbare Leistungskriterien an. „Wir handeln wie ein guter Hedge-fonds-Manager und verbringen viel Zeit damit, eine strategische Nische zu suchen und zu recherchieren, ob das Geld gut angelegt ist“, sagt Cooper-Hohn. Deshalb finanziert CIFF in Indien oder Afrika den Bau von Toiletten, um die Kindersterblichkeit zu senken, statt sich, wie andere Organisationen, auf die Aufbereitung von Trinkwasser zu konzentrieren. Studzinski, ehemaliger Star-Investmentbanker bei Morgan Stanley und HSBC mit amerikanischem und britischem Pass, der 2006 zur Blackstone Group wechselte, gibt rund die Hälfte seines versteuerten Einkommens für die Unterstützung von Obdachlosen, Menschenrechten und die Förderung junger Künstler aus.

Investor John Studzinski: Die Quelle: REUTERS

Investor John Studzinski: Die Kapitalisten unterstützen Obdachlose und finanzieren Aidsmedikamente

Bild: REUTERS

Studzinski, Hohn, Busson – sie alle haben ihr Geld in der Hochfinanz gemacht und geben es nun für gute Zwecke aus. Anders ist es bei Claire Mackintosh – die seit ihrer Heirat mit einem englischen Adligen mit vollem Namen Viscountess Mackintosh of Halifax heißt. 16 Jahre lang arbeitete sie als Vermögensverwalterin in der City, bevor sie 1996 ihre große Idee verwirklichte. Mackintosh war aufgefallen, dass viele Briten ein paar Aktien besitzen, mit denen sie angesichts der geringen Stückzahl nichts anfangen können. Denn beim Verkauf dieser kleinen Bestände fielen höhere Gebühren als Erträge an. Die 48-Jährige gründete deshalb eine Organisation namens Share-gift und bittet Kleinaktionäre, ihre Papiere zu spenden. Sie selbst bündelt und verkauft die Titel mithilfe einer Stockbrokerfirma; der Erlös geht an eine Reihe von wohltätigen Organisationen. Kleinvieh macht auch Mist: „Wir haben schon elf Millionen Pfund zusammengebracht.“

Ihre Projekte mögen unterschiedlich sein, in einem Punkt erweisen sich die Gutmenschen aber doch alle als pragmatische Kapitalisten: Wie die Mittel für die guten Taten erworben wurden, kümmert sie nicht. Er halte es da mit Mutter Teresa, sagt Studzinski, der einmal sechs Monate mit der Nonne in Kalkutta verbrachte. Nachdem ihr ein Waffenhändler einen Batzen Geld zugesteckt hatte, habe sie erklärt: „Wenn das Geld dir gehört, kannst du es einfach segnen und verteilen.“

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