Privatisierung: Bahn-Börsengang ist Mehdorns nächstes Schlachtfeld

Privatisierung: Bahn-Börsengang ist Mehdorns nächstes Schlachtfeld

Bild vergrößern

Bahn-Chef Hartmut Mehdorn

Die Tarif-Kampf um höhere Löhne für die Lokführer hat Bahn-Chef Hartmut Mehdorn mit Blessuren überstanden. Nun steht er vor dem nächsten Schlachtfeld: Der geplante Börsengang der Deutschen Bahn. Bei der heutigen Vorlage der Bilanzzahlen will sich Mehdorn auch zum aktuellen Stand der Privatisierungspläne äußern. Wiwo.de bringt eine kurze Nachlese zum Tauziehen um den Börsengang.

Steherqualitäten kann man Bahn-Chef Hartmut Mehdorn kaum absprechen. Seit Monaten sorgen die Börsengangs-Pläne unter Politiker für heftige Diskussionen. Bei der heutigen Vorlage der Bilanzzahlen wird Mehdorn auch über den aktuellen Stand der Börsengangs-Pläne sprechen. Er begibt sich damit schnurstracks ins nächste Minenfeld.

Von den ursprünglichen Privatisierungsplänen, die einen Börsengang der Bahn samt Schiennetz vorsahen, hat sich die große Koalition weit entfernt. Im Februar berichtete die WirtschaftsWoche über die aktuellen Pläne der Bundesregierung. Sie sehen vor, dass der Staat Mehrheitseigentümer der Bahn bleibt. So sollen niemals mehr als 49,9 Prozent jedes großen Bahn-Geschäftsbereichs an private Investoren verkauft werden. Außerdem soll die Bahn als zusammenhängender Konzern erhalten bleiben. Um der nachträglichen Herauslösung von Teilbereichen einen Riegel vorzuschieben, sollen die zur Privatisierung vorgesehen Teilbereiche rechtlich und wirtschaftlich fest verankert werden.

Anzeige

Die gleichzeitige Privatisierung von Bahn und Schienennetz ist mehr oder weniger vom Tisch. Im November stimmte der SPD-Parteitag für eine Privatisierung mittels stimmrechtsloser Vorzugsaktien . Diese sogenannten Volksaktien sollen den Einfluss privater Investoren beschränken. Finanzminister Steinbrück präsentierte danach eine Privatisierungsvariante, die bis heute zur Debatte steht. Im Kern sieht sie vor, Logistik, Personen-und Güterverkehr in einer Holding zu bündeln und an die Börse zu bringen. Das Schienennetz bleibe im vollständigen Staatsbesitz. Steinbrücks Pläne sind ein herber Rückschlag für Mehdorn, der von Anfang an für eine gleichzeitige Privatisierung von Bahn und Schienennetz trommelte. Trotzdem dürfte Mehdorn einwilligen – denn andere Varianten gelten als kaum durchsetzbar.

Ginge es nach den Erlösen, müsste Mehdorn allerdings auf ein anderes Modell drängen. Denn wie Berechnungen der WirtschaftsWoche im November letzten Jahres zeigten, brächte ein Einzelverkauf der Transport- und Logistikbereiche bis zu 33 Milliarden Euro. Steinbrücks Börsengangs-Modell brächte nur bis zu 16 Milliarden Euro an Emissionserlösen. 

Immerhin sieht es so aus, als würde die Bahn in absehbarer Zeit an die Börse kommen. Das war nicht immer so: Im November 2007 strapazierte die große Koalition Mehdorns Nerven mit einem neuerlichen Prüfauftrag für die Börsengangs-Pläne . Im September 2007 bröckelte der Rückhalt für einen Börsengang innerhalb der Regierungsparteien. Zwei Monate davor hatte der Bund die Teilprivatisierung der Deutschen Bahn beschlossen. Brisant war auch der Gutachterstreit um die Bahnprivatisierung im Mai 2007, als die Gegner der Privatisierung per Gutachten bezweifelten, ob ein Börsengang der Bahn überhaupt verfassungsgemäß sei.

Anzeige
Unternehmer stellen sich vor
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%